Italienisches Flaggschiff im Hafen von Santa Cruz
Die „Amerigo Vespucci“ ist zurück auf Teneriffa. Das berühmte Schulschiff der italienischen Marine hat nach über einem halben Jahrhundert wieder an der Küste der Insel festgemacht. In den frühen Morgenstunden legte der Dreimastsegler am Muelle de Los Llanos an, nachdem die Nacht über in der Nähe des Anaga-Gebirges vor Anker gelegen hatte. Das älteste noch aktive Marineschiff Italiens kann nun bis zum kommenden Montag besichtigt werden.
Fünf Tage Aufenthalt – Empfang mit vollen Ehren
Das emblemantische Schiff wird fünf Tage lang in Santa Cruz de Teneriffa liegen. Kommandant ist Kapitän Nicasio Falica, der am Fuß der Gangway vom italienischen Vizekonsul auf den Kanaren, Gianluca Capelli Bigazzi, empfangen wurde. Der Zwischenstopp auf den Kanaren ist Teil eines 156-tägigen Ausbildungskreuzfahrtsplans, dessen endgültiges Ziel New York ist. Auf dieser Mission wird das Schiff insgesamt 12.151 Seemeilen zurücklegen und dabei dreizehn internationale Häfen anlaufen, bevor es zu seinem Heimathafen Triest zurückkehrt.
Fast ein Jahrhundert Seefahrtsgeschichte
Die „Amerigo Vespucci“ ist ein fast hundert Jahre alter Dreimastsegler, aber dennoch etwas „jünger“ als das spanische Schulschiff „Juan Sebastián de Elcano“. Die spanische Schonerbrigg wurde am 5. März 1927 vom Stapel gelassen – fast vier Jahre vor ihrem italienischen Pendant. Ursprünglich begleitete die „Amerigo Vespucci“ das Schwesterschiff „Cristoforo Colombo“ bei der Ausbildung von Seeleuten, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Bereits in diesen Jahren begann das Schiff, sich einen legendären Ruf zu erarbeiten, der sich in einem einzigen Satz zusammenzufassen lässt: „Non chi comincia ma quel che persevera“ – „Nicht der, der beginnt, sondern der, der durchhält“.
Eine Flotte von 425 Mann an Bord
An Bord der „Amerigo Vespucci“ befinden sich derzeit 16 Offiziere, 70 Unteroffiziere sowie rund 200 Matrosen und Kadetten. Die reguläre Besatzung besteht aus 264 Berufssoldaten, während der Ausbildungsphasen kann die Zahl jedoch auf bis zu 425 Personen ansteigen. Neben den akademischen Aufgaben, die während der Seefahrtszeit anstehen, arbeitet die „Amerigo Vespucci“ auch mit wissenschaftlichen Organisationen zusammen. So unterstützt das Schiff Umweltschutzmissionen unter anderem mit UNICEF, dem WWF und Marevivo.
Eine wechselvolle Geschichte mit traurigem Ende für das Schwesterschiff
Die „Amerigo Vespucci“ verband eine enge Partnerschaft mit der nahezu baugleichen „Cristoforo Colombo“. Dieses Schwesterschiff wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der italienischen Regierung an die ehemalige Sowjetunion übergeben. Diese Abmachung war Teil der Reparationszahlungen, die im Pariser Friedensvertrag von 1947 festgelegt wurden. Unter der Flagge von Hammer und Sichel wurde das Schiff in „Dunaj“ umbenannt, bevor es schließlich 1971 auf einem Schiffsgottesacker landete und dort verschrottet wurde.
Beeindruckende Dimensionen: Stahlmasten und 2.824 Quadratmeter Segelfläche
Ähnlich wie auf der „Elcano“ müssen die Kadetten der italienischen Marineakademie in Livorno die stählernen Masten des Schiffes erklimmen – die höchste Stelle liegt bei 54 Metern. Die Segel aus Leinen entfalten eine Fläche von 2.824 Quadratmetern (zum Vergleich: Das spanische Schulschiff hat 20 Segel mit einer Gesamtfläche von 3.150 Quadratmetern) und dienen dem Schiff als Antrieb, wenn die Motoren abgeschaltet sind. An Bord sind zwei Fiat-Dieselmotoren des Typs B308 ESS verbaut, die an einen Marelli-Elektromotor mit 1.491,4 kW Leistung gekoppelt sind. Hinzu kommen ein Festpropeller mit vier Blättern sowie vier Dieselgeneratoren zur Stromerzeugung.

