Menschliche Regenbogenflagge vor der Kathedrale
Die ersten Sonnenstrahlen des Sonntagmorgens hatten gerade begonnen, die Fassade der Kathedrale Santa Ana zu erhellen, als die gewohnte Stille im Viertel Vegueta von einem noch nie dagewesenen Bild abgelöst wurde. Hunderte nackte Menschen, mit insgesamt elf verschiedenen Farben bemalt, füllten den Platz. Sie folgten den Anweisungen des US-amerikanischen Fotografen Spencer Tunick und formten eine gigantische Regenbogenflagge aus menschlichen Körpern.
„Gran Spectrum“: Kunst als Statement für Diversität
Die Aktion mit dem Namen „Gran Spectrum“ versammelte rund 500 Teilnehmer im historischen Zentrum von Las Palmas de Gran Canaria. Sie war Teil des Programms von „Culture Business Pride 2026″ und machte einen der emblematischsten Plätze der Hauptstadt für wenige Minuten zu einem Symbol für Vielfalt, Freiheit und die Rechte der LGTBIQA+-Community. Vom Dach des Rathauses aus dirigierte Tunick die Komposition, während die nach Farbspektren eingeteilten Freiwilligen das Pflaster des Platzes füllten, bis eine riesige Regenbogenflagge aus Menschen entstanden war.
Aufnahmen im Licht der Morgendämmerung
Das Licht der aufgehenden Sonne nutzend, gelang Tunick eines der außergewöhnlichsten Bilder, das die Stadt seit Jahren gesehen hat. Mit dieser Installation reiht sich Las Palmas de Gran Canaria in den exklusiven Kreis der Städte ein, die Spencer Tunick für seine künstlerischen Aktionen auswählt – neben Orten wie New York, Barcelona, London, Wien, Sydney und Mexiko-Stadt, wo der Fotograf einst über 18.000 Menschen versammelte.
Von der Farbdose zur Kunstinstallation
Die Teilnehmer hatten sich bereits in den frühen Morgenstunden in den umliegenden Straßen der Plaza de Santa Ana versammelt. Nachdem jeder eine Dose Körperfarbe erhalten hatte, trug jeder die ihm zugewiesene Farbe auf, bevor die Gruppe den Platz betrat. Dort ordnete der Künstler die Reihen immer wieder neu an, bis die endgültige Komposition stand. Im Anschluss an die Hauptaktion verlegte das Team seinen Arbeitsort zu einer zweiten Location in der Nähe des Casa de Colón – diese Aufnahmen fanden ohne Medienzugang statt.
Verzicht auf die Dünen von Maspalomas
Obwohl Tunick in den Monaten zuvor verschiedene Schauplätze auf Gran Canaria inspiziert hatte, entschied er sich letztlich für Vegueta. Dabei verzichtete er bewusst auf einen der ikonischsten Orte der Insel: die Dünen von Maspalomas. Der Künstler begründete dies damit, dass ein Eingriff in ein natürliches Schutzgebiet nicht mit der Philosophie seiner Arbeit vereinbar sei. Während seines Besuchs habe er den hohen touristischen Druck auf das Gebiet festgestellt und wollte keine zusätzliche Belastung für dieses empfindliche Ökosystem schaffen. „So etwas würde ich niemals inmitten eines unberührten Ortes machen, denn meine Arbeit soll die Erde niemals beschmutzen“, erklärte Tunick bei der Vorstellung des Projekts.
Dialog zwischen Körper und Geschichte
Stattdessen fand er in Vegueta die ideale Bühne für eine Intervention, bei der der menschliche Körper mit der Geschichte der Stadt in einen Dialog tritt. Die hunderte Teilnehmer seien in der Lage, die Bedeutung eines über fünf Jahrhunderte alten Ortes temporär neu zu definieren, ohne die Umgebung zu verändern. Weit davon entfernt, Nacktheit als Provokation einzusetzen, nutzt Spencer Tunick den menschlichen Körper einmal mehr als künstlerisches Material. Bei „Gran Spectrum“ wurden die Freiwilligen selbst zur Leinwand eines Werks, das die Vielfalt der Identitäten und sexuellen Orientierungen durch elf verschiedene Farbtöne repräsentiert.
Auftakt für „Culture Business Pride 2026″
Die Installation bildet zugleich den Auftakt des Programms von „Culture Business Pride 2026″, das bis zum 1. August auf Gran Canaria Konferenzen, kulturelle Aktivitäten und Aufführungen rund um die Verteidigung der Menschenrechte und Diversität vereint.
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