Teneriffa und La Gomera: Jetzt elektrisch vereint
Seit diesem Mittwoch, dem 1. Juli, sind Teneriffa und La Gomera zu einer Insel verschmolzen – zumindest in elektrischer Hinsicht. Mit der Inbetriebnahme des tiefsten Seekabels der Welt, das auf seiner Strecke bis zu 1.145 Meter unter den Meeresspiegel hinabreicht, sind die Stromnetze der beiden Inseln nun dauerhaft verbunden. Dieses historische Projekt im Energiebereich der Kanaren stellte eine enorme technologische Herausforderung dar, erforderte eine Investition von über 170 Millionen Euro und soll künftig die verheerenden Stromausfälle verhindern, die beide Inseln in den letzten Jahren immer wieder heimgesucht haben.
Ein Segen für La Gomera
Besonders entscheidend ist der Startschuss für La Gomera, wie Casimiro Curbelo, Präsident der Inselregierung (Cabildo), betont. „La Gomera ist die große Gewinnerin dieser Verbindung“, erklärt er. Die Insel profitiert enorm von der gestärkten Stromnetz-Anbindung, da sie sich im Problemfall nun auf das wesentlich robustere Netz Teneriffas stützen kann. Curbelo bestätigte, dass Red Eléctrica, das spanische Unternehmen, das exklusiv für das Höchstspannungs-Transportnetz zuständig ist, ihm am Mittwochmorgen grünes Licht für die Inbetriebnahme gegeben habe. Wie geplant, ist nun diese Doppelleitung mit einer Spannung von 66 Kilovolt, einer Übertragungskapazität von 50 Megawatt und einer Länge von über 36 Kilometern in Betrieb. Zum ersten Mal in der Geschichte sind damit zwei Inseln der Provinz Santa Cruz de Tenerife elektrisch verbunden. In der Nachbarprovinz Las Palmas sind Lanzarote und Fuerteventura bereits seit 1977 verbunden; dieses Kabel wurde 2005 und 2022 modernisiert.
Schluss mit Blackouts – und ein Schritt zur grünen Zukunft
Doch die Fusion der Netze bedeutet weit mehr als nur das Ende der Blackouts, wie La Gomera sie beispielsweise am 18. Januar dieses Jahres und zwischen dem 30. Juli und dem 1. August 2023 erlebte. Curbelo hebt hervor, dass die Anbindung an Teneriffa die Tür für eine vollständige Versorgung La Gomeras mit sauberer, erneuerbarer Energie öffnet. „Das Ungleichgewicht des alten, unabhängigen Stromsystems zwang uns, einen Großteil der Energie zu verschwenden, die unsere Windparks produzierten. Damit ist jetzt Schluss“, so Curbelo. „Dank der Verbindung mit Teneriffa kann die gesamte Insel künftig mit Strom aus den Windparks und Photovoltaikanlagen versorgt werden. Diese haben eine Kapazität von elf Megawatt – genau das, was die Einwohner La Gomeras verbrauchen.“
Die Insel wird in der Lage sein, mehr erneuerbare Energie zu erzeugen und ins Netz einzuspeisen, als ihr gesamter Bedarf beträgt. Dadurch kann die Abhängigkeit vom Wärmekraftwerk El Palmar, das mit umweltschädlichen Brennstoffen arbeitet, drastisch reduziert und die Versorgungsqualität verbessert werden. Gleichzeitig profitiert auch Teneriffa: Das dortige Netz kann die Überschüsse aus La Gomeras erneuerbarer Produktion aufnehmen, den Einsatz fossiler Brennstoffe senken und so zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen beitragen.
Technische Meisterleistung und höchste Umweltstandards
Um das Kabel in Betrieb nehmen zu können, mussten zwei neue Umspannwerke in El Palmar (La Gomera) und Chío (Teneriffa) gebaut werden. Diese zusätzlichen 32 Millionen Euro Investitionen, die von Endesa getragen wurden, dienen als Anschlusspunkte für die Interkonnektion. Zusammen mit den 145 Millionen Euro für die Verlegung des Seekabels ergibt sich so die Gesamtsumme von über 170 Millionen Euro. Die Verbindung Teneriffa–La Gomera war eine enorme technologische Herausforderung – nicht nur wegen der großen Tiefe, sondern auch wegen der vulkanischen Beschaffenheit des Meeresbodens und der zerklüfteten Topografie an Land und unter Wasser. Das Kabel gilt als die tiefste tripolare Wechselstromverbindung der Welt. Ein tripolares Kabel, wie es hier zwischen Chío und El Palmar verlegt wurde, ist eine unterseeische Stromleitung mit zwei Doppelleitungen und drei Leitern, die speziell dafür ausgelegt ist, die Widerstandsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Stromversorgung zu erhöhen.
Das Projekt, das im Entwicklungsplan für das spanische Stromnetz 2021-2026 enthalten war, stellt den Höhepunkt eines bedeutenden Meilensteins in der Geschichte des kanarischen Stromsystems dar. Mit diesem Fortschritt bleiben nur noch drei isolierte Inselnetze im Archipel übrig: die von La Palma, El Hierro und Gran Canaria. Die kanarische Regierung und Red Eléctrica haben betont, dass das strategische Projekt unter „höchsten Umweltauflagen und mit größter Sorgfalt für die Natur“ realisiert wurde.

