Erneut ein Todesfall im Süden Teneriffas
Wieder ein schwerer Schlag für die Meeresfauna der Kanarischen Inseln: Am vergangenen Sonntag wurde im Süden Teneriffas ein weiterer toter Pottwal entdeckt. Wie der kanarische Dokumentarfilmer und Wissenschaftskommunikator Felipe Ravina mitteilte, wies das Tier „eindeutige Anzeichen einer Kollision mit einem großen Schiff“ auf. Die Nachricht verbreitete sich schnell in den sozialen Netzwerken und sorgte für große Bestürzung.
„Die Daten sind vernichtend“
Ravina schlägt Alarm: „Die Zahlen sind erschütternd. Auf den Kanaren sterben mehr Pottwale durch Schiffsunfälle, als geboren werden. Wenn wir so weitermachen, könnten sie in den kommenden Jahrzehnten im Archipel aussterben.“ Die Kollisionen mit Schiffen zählen weltweit zu den größten Bedrohungen für zahlreiche Arten von Meeressäugern. Der Vorfall ist kein Einzelfall, sondern Teil eines besorgniserregenden Trends.
Internationale Studie sucht nach Lösungen
Das Ozeanografische Zentrum der Kanaren, das zum Spanischen Institut für Ozeanografie (IEO-CSIC) gehört, hat an einem internationalen Bericht mitgewirkt, der sich mit der Reduzierung dieses Phänomens befasst. Das Ergebnis der Studie ist eindeutig: Eine Verringerung der Schiffsgeschwindigkeit und die Verlegung von Schifffahrtsrouten sind nach wie vor die wirksamsten Maßnahmen, um das Risiko zu senken. Ergänzt werden sollten diese durch technologische Neuerungen und gezielte Schulungen.
Die Kanaren: Hotspot der Artenvielfalt und Gefahrenzone
Der Bericht analysiert internationale Fallbeispiele, darunter auch eine detaillierte Untersuchung der Lage auf den Kanarischen Inseln. Der Archipel gehört zu den Regionen Europas mit der größten Vielfalt an Walen und Delfinen. Gleichzeitig kreuzen sich in seinen Gewässern ein dichter internationaler Schiffsverkehr und die Routen der schnellen Fähren zwischen den Inseln – eine tödliche Mischung für die Meeressäuger.
Zehn Knoten als Rettungsanker?
Das IEO-CSIC teilte in einer Pressemitteilung mit, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung von zehn Knoten für Frachtschiffe, die die besonders schützenswerte Meereszone der Kanaren durchqueren, das Kollisionsrisiko deutlich senken könnte. Der zeitliche Mehraufwand für die meisten Schiffe würde dabei unter drei Stunden liegen. Doch die große Herausforderung bleibt der Inselverkehr selbst.
Der schwierige Balanceakt mit den Fähren
Die Pressemitteilung räumt ein, dass die Verringerung des Kollisionsrisikos mit den Fähren im innerkanarischen Verkehr deutlich komplizierter ist. Hier sei „dringend“ eine Optimierungsanalyse notwendig, die es erlaubt, die Umweltschutzgesetze für die Wale einzuhalten, ohne die Transportbedürfnisse der kanarischen Gesellschaft unverhältnismäßig zu beeinträchtigen. Felipe Ravina stellt die entscheidende Frage: „Kann man nicht die Geschwindigkeit drosseln und dafür 20 Minuten länger unterwegs sein, wenn das bedeutet, Leben zu retten? Wenn wir die Anzahl der Fahrten und die Geschwindigkeit reduzieren, sinkt auch das Risiko von Kollisionen. Es ist dringend nötig, dass diese Maßnahmen ergriffen werden und wir weiter an Detektionssystemen arbeiten, um weitere Todesfälle zu verhindern. Wir spielen mit der Zukunft der Pottwale auf den Kanaren.“
Makabre Wiederholung: Der Fall von 2025
Erst vor etwas mehr als einem Jahr, im Mai 2025, waren im Süden Teneriffas zwei weitere tote Pottwale gefunden worden. Die Obduktion eines der Tiere ergab, dass ein glatter, über zwei Meter langer Schnitt am Kopf den Tod „innerhalb von Sekunden oder Minuten“ verursacht hatte. Der vorläufige Bericht des Universitätsinstituts für Tiergesundheit der Universität Las Palmas de Gran Canaria führte den Tod des Wales auf ein „schweres, scharfes Schädeltrauma zurück, das mit einem nahezu sofortigen Tod durch Kollision vereinbar ist.“
Ein trauriger Fund am Strand
Bei dem damaligen Opfer handelte es sich um ein junges Weibchen von 9,8 Metern Länge und einem Gewicht von 8,4 Tonnen. Als es am Strand der Roques de Fasnia angespült wurde, war es bereits seit 24 bis 36 Stunden tot. Am selben Tag und im selben Gebiet wurde ein zweiter toter Pottwal treibend gesichtet. Dieser konnte damals nicht geborgen werden, doch am 29. Mai wurden seine Überreste in einem weit fortgeschrittenen Verwesungszustand gefunden. „Aufgrund des Zersetzungsgrades war eine vollständige Obduktion nicht möglich“, heißt es in dem Bericht abschließend – ein trauriges Ende, das die Dringlichkeit der Situation nur noch einmal unterstreicht.

