Erhöhte Seismik unter dem Teide: 221 Beben in 48 Stunden
Das spanische Nationale Geographie-Institut (IGN) hat den Katastrophenschutz der kanarischen Regierung über eine Zunahme der seismischen Aktivität unter Teneriffa informiert. Gleichzeitig betonen die Experten, dass die unmittelbare Gefahr eines Vulkanausbruchs kurz- oder mittelfristig nicht gestiegen sei. Grund für die Warnung ist eine deutliche Intensivierung der sismo-vulkanischen Aktivität im Untergrund der Insel, die sich vor allem westlich der Cañadas del Teide konzentriert. In den vergangenen 48 Stunden wurden dort 221 niederfrequente Erschütterungen registriert.
Nächtliche Pulsserie löst Alarmierung aus
Bereits in der Nacht von Samstag auf Sonntag, und besonders in der Nacht zum Montag, wurden mehrere Pulsschübe niederfrequenter seismischer Aktivität detektiert. Den Höhepunkt bildete ein Ereignis um 2:07 Uhr in der Nacht auf Montag, das die automatischen Meldeketten auslöste. Gemäß den üblichen Protokollen wurde daraufhin umgehend der Katastrophenschutz alarmiert. Wie das IGN gegenüber der Nachrichtenagentur EFE bestätigte, sind solche Meldungen in der Vergangenheit bereits mehrfach vorgekommen – nur wurde die Öffentlichkeit bisher nicht darüber informiert.
Das Institut klassifiziert die aktuellen Ereignisse in drei Kategorien: gewöhnliche vulkano-tektonische Beben, hybride sowie sogenannte LP-Ereignisse (Long Period). Sämtliche dieser Beben zeigen ab Samstagnachmittag eine hohe Korrelation untereinander. Die gute Nachricht: Keines der Beben war von der Bevölkerung zu spüren.
Von Donnerstag bis Freitag bereits 79 Vorbeben
Schon zwischen Donnerstag und Freitag der vergangenen Woche hatte das IGN 79 Erdbeben exakt in derselben Region erfasst. Die aktuell registrierten Erdbeben sind sich alle sehr ähnlich: Ihre Magnitude liegt unter 2,0 MbLg, und die überwältigende Mehrheit der Epizentren liegt – wie schon bei früheren Serien – im Westen der Cañadas. Betroffen sind hauptsächlich die Gemeinden Guía de Isora, Vilaflor de Fasnia und Santiago del Teide. Die Herdtiefen der Beben liegen meist zwischen 10 und 15 Kilometern unter dem Meeresspiegel.
Das IGN stellt ausdrücklich fest, dass das aktuelle Geschehen mit den Aktivitäten vom Februar und März dieses Jahres vergleichbar sei. Eine abschließende Bewertung steht jedoch noch aus: Aufgrund der geringen Amplitude der gemessenen Signale seien die Daten zur Anzahl der Ereignisse sowie deren Magnituden und Tiefen zunächst als vorläufig zu betrachten. Eine detailliertere Analyse könnte die Zahl der erfassten Beben noch nach oben korrigieren und präzise Magnitudenangaben im offiziellen Katalog des IGN liefern.
INVOLCAN bestätigt: Mehr als 200 Mikrobeben im Südwesten der Caldera
Unabhängig davon bestätigte auch das Kanarische Seismische Netzwerk (INVOLCAN) am Wochenende einen deutlichen Anstieg der seismischen Aktivität. Demnach wurden über 200 vulkano-tektonische Mikrobeben (VT) sehr geringer Magnitude im südwestlichen Sektor der Caldera von Las Cañadas registriert – in einer Tiefe von etwa zehn Kilometern. Das bislang stärkste Beben erreichte eine Magnitude von Ml 1,1 auf der Richterskala.
Auch INVOLCAN stellt klar: Mit den derzeit verfügbaren Informationen gebe es keinerlei Hinweise auf eine erhöhte Wahrscheinlichkeit eines Vulkanausbruchs auf Teneriffa – weder kurz- noch mittelfristig. Der aktuelle Schwarm sei vielmehr Teil der wiederkehrenden seismischen Aktivität, die die Insel seit Juni 2017 immer wieder erlebe.
Experten: Druck im Untergrund steigt seit Jahren
Laut INVOLCAN wird der Ursprung der Erdbeben in einem Prozess der Druckerhöhung im vulkanisch-hydrothermalen System der Insel gesehen, ausgelöst durch das Eindringen von Fluiden magmatischen Ursprungs. Dieser Prozess werde seit 2016 regelmäßig beobachtet und sei durch verschiedene unabhängige geochemische und geophysikalische Indikatoren belegt. Besonders auffällig seien der anhaltende Anstieg der diffusen CO₂-Emission im Bereich des Teide-Kraters sowie eine leichte Bodenverformung, die seit 2024 im Nordosten des vulkanischen Komplexes Teide-Pico Viejo gemessen werde, so die Wissenschaftler abschließend.

