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Umstrittene Liegestühle: Bauarbeiten in Tecorón gestoppt

Küstenbehörde stoppt umstrittene Bauarbeiten in Tecorón

Die spanische Küstenbehörde (Dirección General de Costas) hat an diesem Mittwoch die Bauarbeiten der Gemeinde El Pinar (regiert von der PSOE) im Naturschutzgebiet Tecorón im Süden der Insel El Hierro gestoppt. Die Gemeinde hatte dort damit begonnen, rund 80 mobile Liegestühle mit Sonnenschirmen auf Betonplattformen zu installieren. Zudem wurden Wege angelegt und weitere kleinere Baumaßnahmen durchgeführt. Dies bestätigte Magaly González, Tourismusdezernentin des Gemeinderats, die das Projekt vorangetrieben hatte, gegenüber Canarias Ahora.

Öffentlicher Druck als Auslöser

Laut González war die öffentliche Anzeige der Plattform „Salvar Tacorón“, über die diese Zeitung am Dienstag berichtete, entscheidend für diesen Sinneswandel. Dabei betont sie, dass sowohl die Küstenbehörde als auch die Regionalregierung das Projekt kannten und bereits ihre Zustimmung erteilt hatten. „Allerdings fehlte uns eine Genehmigung in Bezug auf das besondere Vogelschutzgebiet (ZEPA). Aus diesem Grund hat die Küstenbehörde jetzt eingegriffen – jedoch erst nachdem die Medienberichterstattung einsetzte“, stellt sie klar.

Bereits am Vormittag hatte der Präsident des Inselrats (Cabildo) von El Hierro, Alpidio Armas, dieser Zeitung angekündigt, dass die Maßnahme korrigiert werde. González bestätigte dies schließlich, nachdem die Gründe für das Eingreifen der Küstenbehörde und das Fehlen der ZEPA-Genehmigung analysiert worden waren. Die Dezernentin erklärte, dass die Liegestühle in einem anderen Bereich, in dem bereits welche aufgestellt wurden, nicht platziert werden können. Man werde nun prüfen, wo sie künftig aufgestellt werden. „Der betroffene Teil von Tecorón ist definitiv vom Tisch“, stellt sie klar.

Über die vorherige Ankündigung von Armas zeigte sich González allerdings überrascht.

Petition der Umweltschützer zeigt Wirkung

In den letzten Tagen hatte eine Gruppe von Naturschützern, die sich speziell für die Insel El Hierro einsetzt, in den sozialen Netzwerken eine Unterschriftensammlung gegen die Installation der 80 Liegestühle mit Betongestell und Sonnenschirmen in der Nähe der berühmten Bucht von Tecorón gestartet. Die Aktivisten warfen der Gemeindeverwaltung vor, unangekündigt gehandelt und geschützte, unbebaute Flächen besetzt zu haben.

In ihrer Begründung für die Aktion hieß es, die Bauarbeiten zerstörten Lavafelder und es würde Kies auf den Sand (Jable) aufgebracht, um Wege anzulegen. Sie wiesen darauf hin, dass dieses Küstengebiet Teil des besonderen Vogelschutzgebiets (ZEPA) ist. „Auf der Hochebene von Tecorón gibt es eine Kolonie von Gelbschnabel-Sturmtauchern (Calonectris borealis), die mitten in der Brutzeit durch die Arbeiten beeinträchtigt werden könnten“, betonten die Aktivisten.

Darüber hinaus, so die Umweltschützer weiter, werde der Lebensraum des geschützten Farns „Schlangenzunge“ (Ophioglossum polyphyllum) verändert. Diese Pflanze, die in den spanischen und kanarischen Katalogen gefährdeter Arten unter besonderem Schutz steht, habe in der Ebene von Tecorón eines ihrer letzten Rückzugsgebiete auf El Hierro. „Aufgrund dieser schwerwiegenden Umweltbeeinträchtigungen müssen die Bauarbeiten sofort eingestellt werden“, forderten sie. „Sie sollten sich auf die Reparatur der bereits bestehenden Einrichtungen wie Picknickplätze, Parkplätze und Sonnenterrasse am natürlichen Meeresschwimmbecken beschränken.“

Die öffentliche Anzeige hat nun Wirkung gezeigt: Noch am selben Tag wurden die Arbeiten von der Küstenbehörde vorsorglich gestoppt.

Ein Symbol der Insel in Gefahr

Die Naturschützer kritisieren nicht nur den Umweltschaden, sondern auch die Zerstörung eines Symbols der Insel El Hierro. „Tecorón ist ein Ort von außergewöhnlichem geologischem und landschaftlichem Wert, an dem sich die Natur mit einer Kraft und Authentizität ausdrückt, die man weltweit nur selten findet. Die massive Installation von Betonliegestühlen stellt eine aggressive und respektlose Besetzung dar, die durch ihre Künstlichkeit die Harmonie der Landschaft verschandelt“, so die Aktivisten.

Eine unberührte Vulkanküste in eine Zone intensiver touristischer Nutzung mit Infrastruktur zu verwandeln, die sowohl visuell als auch symbolisch schwer auf der Umgebung lastet, bedeute einen offensichtlichen Verlust an Umweltqualität und territorialer Identität. „Ein solcher Eingriff ist völlig fehl am Platz auf einer Insel, die als Geopark und UNESCO-Biosphärenreservat ausgezeichnet ist“, betonen die Umweltschützer.

Sie fordern daher, dass die Entscheidungen bestimmter politischer und institutioneller Verantwortungsträger mit einem auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Inselmodell vereinbar sein müssten. „Tecorón zu verteidigen bedeutet, die Seele von El Hierro zu verteidigen – einen Ort der Ruhe, der Besinnung und der Verbindung mit der Natur. Wenn wir zulassen, dass sich in diesem Naturschutzheiligtum der Beton gegen die Geologie durchsetzt, wird nicht nur die Landschaft erodiert, sondern auch unser Leben verarmt“, heißt es in der Erklärung der Aktivisten abschließend.

Grundstücksankauf als positives Signal

Andere Inselquellen teilten Canarias Ahora am Mittwoch mit, dass die mobilen Liegestühle und die übrigen Baumaßnahmen zwar durchaus diskussionswürdig seien, die Gemeindeverwaltung jedoch mit dem Erwerb von drei Grundstücken in Tecorón, die noch drei Familien gehört hatten, vollkommen richtig gehandelt habe. Dadurch seien diese Schlüsselgrundstücke in den öffentlichen und lokalen Besitz übergegangen. Die Quellen betonten zudem, dass bei den Bauarbeiten weder Planierraupen noch Bagger zum Einsatz gekommen seien.

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