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Teneriffa wird zum KI-Hotspot: Deutsches Unternehmen eröffnet Supercomputer-Zentrum

Ein neues Zeitalter für Teneriffa

Mit der Einweihung des ersten KI-Zentrums Südeuropas am Dienstag hat sich Teneriffa zur Hauptstadt der künstlichen Intelligenz und des Supercomputings für den südlichen Teil Europas gekrönt. Betrieben wird das Zentrum von der deutschen Firma Bechtle. Zusammen mit den drei bereits auf der Insel vorhandenen Supercomputern wird es Forschungsinstituten und Unternehmen in Spanien, Portugal, Italien, Griechenland und weiteren Mittelmeerländern Rechen- und Datenspeicherdienste anbieten. Das Projekt schafft mehr als 200 wissenschaftliche Arbeitsplätze und soll das junge Wissenschaftsökosystem auf den Kanaren nachhaltig fördern.

Eine Strategie der wissenschaftlichen Diversifizierung

Die Eröffnung ist einer der letzten Schritte einer langfristigen Strategie zur wirtschaftlichen Diversifizierung, die der Inselrat (Cabildo) von Teneriffa während der gesamten Legislaturperiode vorbereitet hat. „Wir brauchten die kritische Infrastruktur, um die Wissenschaftsindustrie entwickeln zu können“, erklärt Juan José Martínez, Inselrat für Innovation, Forschung und Entwicklung. Die Idee dahinter: Unternehmen aus den Bereichen Wissenschaft und Technologie sollen auf den Kanaren nicht nur von attraktiven Steuervorteilen profitieren, sondern auch von einer soliden Basis für die wissenschaftlich-technische Entwicklung.

Vom Supercomputer zum Geschäftsmodell

Das Projekt entstand aus der Notwendigkeit, die Hardware für das neue Supercomputersystem des Technologieinstituts für erneuerbare Energien (ITER) kontinuierlich zu versorgen. Doch der Inselrat wollte mehr: „Wir hatten Bedenken, ein Gerät mit enormen Leistungen zu vergeben, das dann nur dort steht“, betont Martínez. Daher wurde ein wettbewerblicher Dialog eingeführt, um die Geschäftsmodelle der Bewerber zu bewerten. Das Angebot von Bechtle ging weit über die reine Hardware-Lieferung hinaus: „Sie schlugen vor, ein Exzellenzzentrum mit kontinentaler Ausstrahlung zu schaffen und sich selbst auf Teneriffa niederzulassen“, sagt Martínez. Das überzeugte den Inselrat.

Leistungsstarke Plattform und vier strategische Linien

Die technische Lösung von Bechtle sieht eine konvergente Plattform vor, die traditionelles Supercomputing, beschleunigte künstliche Intelligenz und Cloud-Dienste unter einem einheitlichen Verwaltungsrahmen vereint. Der Rohspeicher hat eine Kapazität von über 6,7 Petabyte. Das Dienstleistungsportfolio gliedert sich in vier strategische Bereiche: Künstliche Intelligenz und Datenwissenschaft, angewandte Technik, audiovisuelle Produktion und Videospiele sowie angewandte Wissenschaft – hier speziell Astrophysik, Vulkanologie und Naturgefahren. Diese breite Themenauswahl ermöglicht Synergien mit bereits auf der Insel ansässigen Unternehmen wie der Astronomie-Firma Light Bridges oder den Raumfahrtkommunikationsspezialisten Telespazio und CanarySat.

500 neue Jobs – mit Fokus auf einheimische Talente

Bechtle wird insgesamt 500 Arbeitsplätze schaffen, davon 200 hochqualifizierte Stellen. Das Unternehmen hat sich verpflichtet, 70 Prozent der Mitarbeiter von den Kanaren einzustellen. Sollte nicht genügend qualifiziertes Personal vor Ort gefunden werden, übernimmt Bechtle die Ausbildung und vergibt Stipendien. Um lokale Talente zu gewinnen, hat die Firma einen Vertrag mit der Personalberatung Michael Page geschlossen und plant die Einführung des deutschen dualen Modells der Universität DHBW. Kanarische Studenten sollen dabei bezahlte Praktika in KI-Laboren in Deutschland absolvieren. Die Personalabteilung ist bereits aktiv: „Sie haben schon angefangen, Vorstellungsgespräche zu führen“, verrät Martínez.

Zwei Standorte und eine riesige Nachfrage

Das Zentrum wird an zwei Standorten betrieben: einer technischen, missionskritischen Einrichtung im Rechenzentrum D-ALiX des ITER in Granadilla sowie einem Unternehmens- und Innovationsstandort im Areal Cuevas Blancas des Wissenschafts- und Technologieparks von Teneriffa. „Jetzt müssen wir uns nur noch ausdehnen“, sagt Martínez. Die Büros in den beiden Technologieparks der Insel (Cuevas Blancas, Barranco Grande und Las Mantecas) werden bereits knapp. „Wir haben 41 Unternehmen auf der Warteliste“, so Martínez.

Politische Unterstützung und Millionen-Investition

Bei der Einweihung des neuen Rechenzentrums betonte die Inselratspräsidentin Rosa Dávila: „Dieses Projekt katapultiert uns nicht nur in die technologische Elite, sondern ermöglicht es uns, ein echtes KI-Ökosystem von Teneriffa aus für ganz Europa aufzubauen. Es ist eine strategische Entscheidung: Unsere Insel soll Technologie nicht nur konsumieren, sondern sie anführen, entwickeln und exportieren.“ Bechtle investiert rund 33 Millionen Euro über die Vertragslaufzeit – verteilt auf Talentförderung, physische Infrastruktur, die Belebung des lokalen Ökosystems (mit einem Startup-Beschleunigungsfonds und dem künftigen Bechtle-ITER-Lehrstuhl für Supercomputing und KI) und die internationale Markterschließung. Das Unternehmen übernimmt zudem das operative Defizit der ersten drei Geschäftsjahre und strebt ab dem vierten Jahr einen positiven Gewinn von über 1,2 Millionen Euro an, so der Inselrat.

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