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Neues Glasfaserkabel: Geopolitischer Zündstoff für Kanaren

Aufbereitet mit Hilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage spanischsprachiger Informationen. Quelle unter dem Artikel.

Ein Kabel, das Grenzen neu definiert

Die Kanarischen Inseln treiben den Ausbau ihrer digitalen Infrastruktur mit einem ehrgeizigen Projekt voran: Ein neues Unterseekabel aus Glasfaser soll Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote verbinden und bis an die marokkanische Küste bei Tarfaya führen. Doch was auf den ersten Blick wie ein reines Technologievorhaben wirkt, hat eine brisante geopolitische Dimension. Der geplante Anlandungspunkt liegt nur rund 35 Kilometer von der Grenze zum umstrittenen Territorium der Westsahara entfernt. Genau diese Nähe nährt Spekulationen, dass die Infrastruktur künftig bis in das von Marokko kontrollierte Gebiet verlängert werden könnte – eine Hypothese, die Auftrieb erhielt, nachdem marokkanische Medien den Ort Bojador in der Westsahara als möglichen weiteren Anschlusspunkt ins Gespräch brachten.

Eine solche Erweiterung würde jedoch heikle Fragen aufwerfen: Welches Rechtssystem soll in dieser Zone gelten, deren internationaler Status weiterhin umstritten ist? Und wie weit reichen marokkanische Investitionsansprüche in einem Territorium, das nach UN-Auffassung noch nicht endgültig zugeordnet ist? Das Projekt, das den Namen „Anillo de las Islas de Oriente“ (Ring der östlichen Inseln) trägt, wird von der öffentlichen Gesellschaft Canalink umgesetzt. Sie installiert zwei unabhängige Transatlantikkabel, die nicht nur die Verbindungen zwischen den Inseln stärken, sondern auch als digitale Drehscheibe zwischen Europa und Afrika dienen sollen.

Nicht die erste Verbindung mit Marokko

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Unterwasserverbindung zwischen dem Archipel und dem Königreich geknüpft wird. Bereits 2012 wurde ein Kabel mit Asilah im Norden Marokkos in Betrieb genommen. Doch diesmal verfolgt Rabat offenbar weiterreichende Pläne. Die marokkanische Regierung betont ihren Willen, die neue Infrastruktur zu nutzen, um ihre sogenannten „Südprovinzen“ – so die offizielle Bezeichnung für die Westsahara in Rabat – anzubinden. Zur Begründung verweist man auf die Notwendigkeit, das marokkanische Telekommunikationsnetz zu modernisieren und zu verstärken.

Die kanarische Regierung hat auf diese Debatte bereits mit deutlichen Worten reagiert. „Was wir vereinbart haben, ist, das Kabel nach Tarfaya zu führen. Zu keinem Zeitpunkt ist eine Anbindung an einen Punkt in der Westsahara vorgesehen“, stellte der damalige Regierungschef Fernando Clavijo klar, als die ersten Bedenken aufkamen. Die Sorge: Eine spätere Verlängerung des Kabels weiter in den Süden könnte rechtliche Verwicklungen nach sich ziehen.

Angespannte Zeiten zwischen Madrid und Rabat

Die Debatte über das Kabel fällt in eine Phase erneuter Spannungen zwischen Spanien und Marokko. Ende Juli 2026 kam es zu einem massiven Migrantenzustrom in die spanische Exklave Ceuta. Madrid sprach damals von einer „Verletzung der territorialen Integrität“, auch wenn beide Seiten die Zusammenarbeit bei der Grenzkontrolle und der Rückführung der Migranten fortsetzten. Der Vorfall hat erneut gezeigt, wie fragil das bilaterale Verhältnis ist – trotz der diplomatischen Annäherung der letzten Jahre. Themen wie die Westsahara und der Status von Ceuta und Melilla bleiben höchst sensibel.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat in diesem Zusammenhang klare Maßstäbe gesetzt: Die Westsahara besitzt einen von Marokko getrennten und eigenständigen Status. Abkommen zwischen der EU und Marokko sind in diesem Gebiet nur gültig, wenn das sahrawische Volk seine Zustimmung gegeben hat. Im Oktober 2024 bestätigte das Gericht diese Linie erneut, als es über die Handels- und Fischereiabkommen zwischen Brüssel und Rabat urteilte. Dieses Urteil bedeutet zwar nicht automatisch, dass eine künftige Kabelführung durch die Westsahara illegal wäre, doch es verdeutlicht den komplexen rechtlichen Rahmen, mit dem sich jede Infrastruktur auseinandersetzen müsste, die in diesem Gebiet geplant wird.

Was das Kabel für die Kanaren leistet

Ungeachtet der politischen Debatte schreitet das Projekt auf den Inseln planmäßig voran und befindet sich bereits in der Umsetzungsphase. Das Budget für den sogenannten „Ring“ beläuft sich auf insgesamt 34 Millionen Euro, wovon 23 Millionen aus EU-Mitteln stammen. Sollte Marokko tatsächlich versuchen, diese neue Infrastruktur als Ausgangspunkt für eine Verlängerung in die Westsahara zu nutzen, könnte ein neuer Rechtsstreit über die Anwendung der europäischen Doktrin auf das Territorium entbrennen. Die Verantwortung Spaniens wäre dabei nicht automatisch gegeben, sondern hinge stark von der konkreten Umsetzung und Finanzierung einer solchen Erweiterung ab.

Das Projekt entstand aus dem dringenden Bedarf, die digitalen Kapazitäten der Kanaren zu verbessern. Insgesamt werden 553 Kilometer Glasfaserkabel auf dem Meeresboden verlegt, aufgeteilt auf zwei separate Routen. Das erste Kabel verbindet Ojos de Garza auf Gran Canaria mit Puerto del Rosario, der Hauptstadt Fuerteventuras, und Playa Honda auf Lanzarote. Das zweite Kabel führt von Barranco de Tenoya – ebenfalls auf Gran Canaria – nach Corralejo und Playa Blanca, auf Fuerteventura beziehungsweise Lanzarote. Beide Stränge sind in ein größeres Netz eingebunden, das die Inseln mit dem spanischen Festland und damit mit dem gesamten europäischen Kontinent verbindet.

Redundanz als entscheidender Vorteil

Die internationale Anbindung bringt einen entscheidenden Vorteil mit sich: Redundanz in der Telekommunikation. Fällt eine Verbindung durch einen technischen Defekt aus, kann der Datenverkehr dank der zusätzlichen Kapazitäten über eine andere Route umgeleitet werden – ohne dass Nutzer davon etwas merken. Für ein insulares und extrem peripheres Gebiet wie die Kanaren ist diese Ausfallsicherheit von zentraler Bedeutung.

Canalink, das auf Unterwasserkonnektivität spezialisierte öffentliche Unternehmen, will die Arbeiten bis 2028 abschließen. Die Gesellschaft gehört über das Instituto Tecnológico y de Energías Renovables (ITER) zum Cabildo, der Inselregierung von Teneriffa. Finanziert wird das Vorhaben im Rahmen des europäischen Programms CEF Digital, das zwei Drittel des Budgets übernimmt. Mit diesem Ausbau festigen die Kanaren ihre Position im globalen Datenverkehr – in einer Welt, in der rund 95 Prozent des Internets unter dem Meer fließen.

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