Japan entdeckt die Kanaren: Ein neues strategisches Drehkreuz
Die Kanarischen Inseln rücken immer stärker in den Fokus globaler Strategien. Japan hat die wirtschaftliche Diversifizierung für sich entdeckt – und dabei die strategisch günstige Lage des Archipels ins Visier genommen. Die Nähe zu Afrika, die historischen Verbindungen nach Lateinamerika und der Status als europäisches Hoheitsgebiet machen die Kanaren zu einer äußerst attraktiven Plattform für internationale Projekte und Wirtschaftsbeziehungen. „Die Kanaren verfügen über beneidenswerte geografische Bedingungen“, erklärte Shinichi Sato, Minister an der japanischen Botschaft in Spanien, am Mittwoch bei seinem Vortrag „Japan vor den globalen Herausforderungen“ an der Universität Las Palmas de Gran Canaria. Die Haltung Tokios ist in dieser Hinsicht eindeutig: „Uns ist bewusst, dass die Kanaren wichtige Eigenschaften besitzen“, so der Minister weiter. Die Lage des Archipels mitten im Atlantik, in einer Zeit zunehmender geopolitischer Konkurrenz, internationaler Handelsspannungen und wachsendem strategischem Interesse an Westafrika, macht die Inseln zu einem besonders interessanten Knotenpunkt für wirtschaftliche, logistische und diplomatische Verbindungen. Hinzu kommt ihre Fähigkeit, als Sprungbrett für Unternehmens- und Technologieprojekte in Schwellenmärkte zu dienen.
Japans Blick auf die Welt: Zwischen China und dem globalen Süden
Japan hat sich als einer der wichtigsten Akteure auf dem globalen Parkett etabliert. Während des Vortrags legte der Minister seinen Fokus auf Themen wie internationale Sicherheit, die Rolle der japanischen Politik im neuen globalen Umfeld, das Verhältnis Tokios zu den USA und Europa sowie die Positionierung des asiatischen Landes gegenüber den aktuellen internationalen Herausforderungen. Das wachsende Gewicht Chinas und der USA auf der neuen geopolitische Weltkarte bereitet Tokio „Sorgen“. Während Peking seine militärische Expansion beschleunigt und seinen globalen Einfluss ausbaut, behält Japan die wirtschaftliche Sicherheit und die regionale Stabilität besonders im Auge. In diesem Zusammenhang, so der Minister, strebe die japanische Regierung eine „für beide Seiten vorteilhafte“ Beziehung zu China an – in dem Bewusstsein, wie wichtig der asiatische Riese als Handelspartner und Schlüsselakteur der Weltwirtschaft ist. Die japanische Strategie zielt auch darauf ab, Allianzen mit gleichgesinnten Ländern zu stärken und die Zusammenarbeit mit dem sogenannten Globalen Süden zu vertiefen, einer Region, die im Wettstreit um internationalen Einfluss immer mehr an Bedeutung gewinnt – und in der Territorien wie die Kanaren aufgrund ihrer strategischen Lage eine wichtige Rolle spielen.
Nordkorea und die globale Sicherheit: Appell an Spanien
Eine weitere Hauptsorge Tokios ist Nordkorea. Die Atom- und Langstreckenraketenprogramme des nordkoreanischen Regimes halten Japan in Alarmbereitschaft. In diesem Zusammenhang forderte Shinichi Sato Spanien auf, die internationale Zusammenarbeit zu verstärken, um Herausforderungen zu begegnen, die, wie er betonte, „eine globale Angelegenheit“ seien. Der Diplomat warnte zudem vor einer Verschärfung des internationalen Sicherheitsumfelds und sprach sich für die „Unteilbarkeit“ der Sicherheit zwischen Asien und Europa aus. Was in Europa geschehe, könne direkte „Auswirkungen“ auf die indo-pazifische Region haben.
Eine Premierministerin als historischer Meilenstein
Japan durchläuft derzeit auch einen internen Wandel. Premierministerin Sanae Takaichi ist die erste Frau, die ein derart hohes Amt im Land bekleidet – ein Ereignis, das der Botschaftsminister als „beispiellos und beachtenswert“ bezeichnete. Ihr Motto „Japan stark und wohlhabend machen“ gibt die Linie ihrer Amtszeit vor und fügt sich in den Kontext einer verstärkten internationalen Zusammenarbeit, auch mit Spanien, ein. Beide Länder führen Gespräche über Technologieaustausch und Verteidigungskooperation.
Energieabhängigkeit: Die Achse Japan – USA
Tokio steht vor einer seiner größten Herausforderungen: Rund 90 Prozent des japanischen Öls passieren die Straße von Hormus, einen kritischen Punkt für die globale Energieversorgung. Angesichts dieser Abhängigkeit sucht Japan die enge Abstimmung mit den USA. „Washington bleibt ein wichtiger Partner für Japan“, unterstrich der Minister mit Blick auf die Notwendigkeit, in einem Umfeld hoher geopolitischer Unsicherheit starke Bündnisse zu bewahren.

