radiolegende jose antonio pardellas gestorben

Radiolegende José Antonio Pardellas gestorben: „Eine Stunde weniger“

Eine Ära des kanarischen Journalismus ist zu Ende

Trauer um eine Legende des kanarischen Rundfunks: Der Journalist und ehemalige Regionaldirektor von Radio Nacional de España (RNE) auf den Kanarischen Inseln, José Antonio Pardellas, ist am Donnerstag (30. April 2026) im Alter von 88 Jahren gestorben. Das gab der Journalistenverband von Santa Cruz de Teneriffa (APT) bekannt, dem er viele Jahre als Mitglied angehörte.

Ein Leben für das Radio und die Kanaren

José Antonio Pardellas Casas wurde 1938 in Vigo (Pontevedra) geboren. Sein Berufsleben begann er 1958 bei Radio Juventud de Canarias, wo er an der Seite unvergessener Kollegen wie César Fernández Trujillo, Paco Padrón, Maite Acarreta, Genoveva del Castillo und Diego García de Soto arbeitete. Nach seinem Studium der Geografie und Geschichte an der Universität La Laguna und einem Master in audiovisueller Unternehmensführung an der Universität Complutense Madrid arbeitete er zunächst als Sprecher und Drehbuchautor. 1964 wechselte er nach bestandener Aufnahmeprüfung zu Radio Nacional de España, wo er als Nachrichtensprecher, Redakteur, Programmleiter und Moderator tätig war.

Der erste Fernsehsprecher der Inseln und die „eine Stunde weniger“

Pardellas war der erste Nachrichtensprecher und Moderator im Fernsehen der Kanarischen Inseln – auf Teneriffa. Von 1964 bis 1978 präsentierte er die Nachrichtensendung „Telecanarias“ und moderierte zahlreiche Außenübertragungen, etwa zu den Karnevalen. Parallel dazu setzte er seine Karriere bei RNE fort. Der Satz, der ihn unsterblich machte und später von allen Medien auf dem spanischen Festland übernommen wurde, stammt aus dem Jahr 1969: „Una hora menos en Canarias“ – „Eine Stunde weniger auf den Kanaren“. Diese legendäre Ansage prägte er in der ersten Ausgabe der Sendung „Protagonistas“. 1981 wurde er zum Regionaldirektor von RNE auf den Kanarischen Inseln ernannt – ein Posten, den er bis 1994 innehatte.

Vom Senderchef zum Netzwerkdirektor für ganz Spanien

Die Generaldirektion von RTVE beauftragte Pardellas mit der Zusammenlegung von Radio Nacional und Radio Cadena Española auf den Inseln. Dieser Aufgabe, die er mustergültig meisterte, führte dazu, dass er 1992 zum Direktor des gesamten Netzwerks territorialer Sender (Red de Emisoras Territoriales) mit Sitz in Prado del Rey bei Madrid ernannt wurde. Aus den Kanarischen Inseln heraus sendete er für ganz Spanien und die Welt (via Radio Exterior de España) legendäre Programme wie „Españoles en la Mar“ („Spanier auf See“) und „Revista de Historia“ auf Radio 3. Gemeinsam mit Größen wie Eduardo Sotillos, Luis del Olmo, Carlos Tena und Pepe Ferrer gestaltete er bundesweit gehört Sendungen wie „Para vosotros jóvenes“, „Circuito Nocturno“, „Tardes de verano“ und „Protagonistas“.

Die tägliche „A golpe de teléfono“ und die akademische Anerkennung

Später war er Geschäftsführer von Canarias de Radio y Comunicación und Direktor von Radio Isla Tenerife. Dort führte er die tägliche Interviewreihe „A golpe de teléfono“ („Auf einen Anruf hin“), bei der die wichtigsten Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft des Archipels zu Gast waren. Jahrelang war er ein gefragter Diskussionsteilnehmer in Formaten wie „Tajaraste“ von Radio Club Tenerife (Cadena SER) und in der Runde „Desayunos del Mencey“ von Teide Radio. Seit 2008 war er Mitglied der Spanischen Akademie der Radiowissenschaften (Academia Española de las Ciencias de la Radio) an der Seite von Luis María Ansón, Luis del Olmo, Jesús Quintero und anderen Größen des spanischen Radios.

Auszeichnungen und literarisches Vermächtnis

Sein Schaffen wurde mehrfach gewürdigt: 1978 erhielt er den renommierten Premio Ondas für seine berufliche Laufbahn und als bester Radiosprecher. 2010 folgte der Premio Canarias de Comunicación, die höchste Auszeichnung der Inseln im Bereich Kommunikation. 2019 wurde er mit dem Premio Patricio Estévanez für sein Lebenswerk geehrt. Zudem wurde er von Radio Ecca für seine jahrelange Zusammenarbeit mit dem Bildungsradio der Inseln ausgezeichnet. Pardellas hinterlässt zwei Bücher: „¡Oh, la Radio!“ (Ediciones Idea, 2009) über die Geschichte und Anekdoten des Radios auf den Inseln und „Hermana Radio“ (Canarias3puntocero, 2018), eine Sammlung von Interviews mit den populärsten Radiogrößen der Kanaren. Auch in mehreren Bänden der Enzyklopädie der Kanarischen Inseln (Enciclopedia de Canarias) finden sich seine Texte zur Radiogeschichte der Inseln.

Ein Abschied, der die Ätherwellen stiller werden lässt

Mit José Antonio Pardellas verliert der kanarische Journalismus nicht nur einen Pionier, sondern eine Institution. Seine Stimme, seine Leidenschaft für das Radio und sein unvergleichlicher Satz von der „einen Stunde weniger“ werden auf den Inseln und im gesamten spanischsprachigen Raum unvergessen bleiben.

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