kanaren wassermanagement innovation herausforderungen

Kanaren: Wassermanagement zwischen Innovation und Herausforderung

Ein historisches Labor für die Wassergewinnung

Die Kanarischen Inseln starten von einer privilegierten Position aus, um die Herausforderung zu meistern, ausreichende Wasserressourcen für die Bevölkerung und die Wirtschaftssektoren, insbesondere die Landwirtschaft, bereitzustellen. Der Archipel war und ist ein Labor: Vor über 60 Jahren wurde auf Lanzarote die erste Meerwasserentsalzungsanlage Europas in Betrieb genommen. Von hier aus verbreitete sich die Spitzentechnologie in andere Regionen der Welt. Daher verfügen Einrichtungen wie das Technologische Institut der Kanaren (ITC) oder die kanarischen Universitäten über eigene Abteilungen, Techniker und Spezialisten, die sich der Forschung im Wasserbereich widmen.

Die Zukunft liegt in Wiederverwertung und effizienter Verteilung

Die aktuelle Herausforderung besteht nicht mehr nur in der Entsalzung. Es gilt nun, mehr in die Wiederverwertung und Aufbereitung von Abwasser zu investieren und zu innovieren. Ein bedeutender Teil der für Wasserinfrastrukturen vorgesehenen Fonds fließt daher in den Ausbau und die Stärkung der Klär- und Abwasserinfrastruktur. Ziel ist es, die Verteilung zu verbessern und Verluste im Leitungsnetz zu vermeiden. Experten, die an einem von Prensa Ibérica zum Weltwassertag organisierten Forum teilnahmen, betonten die Notwendigkeit, die Vorschriften zu aktualisieren, um sie an die Anforderungen der EU anzupassen. Sie warnten zudem vor einem Mangel an qualifiziertem Personal im Wasserbereich – einem Feld, in dem Innovation und Forschung grundlegend sind, aber Fachkräfte auf den Inseln rar sind.

Drei Säulen für die moderne Wasserwirtschaft

José García Leal, Generaldirektor für Wasser der regionalen Regierung, nannte die drei zentralen Achsen für das künftige Wassermanagement: die Digitalisierung des Modells, die Aktualisierung der Rechtsvorschriften und die Cybersicherheit. Letzteres ist ein wesentlicher Faktor, da Entsalzungsanlagen als kritische Infrastrukturen gelten. Er wies außerdem darauf hin, dass sich die Kanaren derzeit in einer Übergangsphase befinden, die eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen der Autonomen Gemeinschaft, den Inselregierungen (Cabildos) und der Zentralregierung in Madrid erfordert.

Öffentlich-private Partnerschaften und gesetzlicher Nachholbedarf

Carmelo Santana, Geschäftsführer des Inselwasserrats von Gran Canaria, lobte die Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privatem Sektor in der Wasserversorgung der Inseln. Er plädierte dafür, Investitionen zu beschleunigen und zu erhöhen, wobei auch der private Sektor eine größere Rolle spielen solle. So ließen sich die Anforderungen an die Wasserressourcen bewältigen – etwa die Erhöhung des Drucks, um entsalztes Wasser in die höheren Lagen der Inseln zu pumpen, oder der Ausbau der Abwasseraufbereitung und -wiederverwertung. Santana legte besonderen Wert auf die regulatorischen Vorgaben Europas, die eine Aktualisierung des kanarischen Rechts, konkret des Kanarischen Wassergesetzes aus den 1990er Jahren, notwendig machten.

Erneuerbare Energien und der Kampf um Fachkräfte

Baltasar Peñate, Leiter des Wasserbereichs des ITC, unterstrich, dass eine der großen Aufgaben darin bestehe, den Anteil erneuerbarer Energien bei der Produktion von entsalztem und aufbereitetem Wasser zu erhöhen. Er präzisierte jedoch, dass es technisch nicht machbar sei, 100 % des benötigten Stroms aus sauberen Quellen zu beziehen. Erneuerbare Energien würden daher fossile Energieträger ergänzen. Peñate warnte vor dem Mangel an Humankapital und betonte die dringende Notwendigkeit, mehr in Ausbildung zu investieren.

Forschung für die Kreislaufwirtschaft

José Jaime Sadhwani, Leiter des Wasser-Lehrstuhls der Universität von Las Palmas de Gran Canaria (ULPGC), hob die Forschungsarbeit hervor, die seine Abteilung seit 2020 in Bereichen wie der Kreislaufwirtschaft für die Behandlung von Abfällen aus Entsalzungsanlagen leistet. Ein besonderer Fokus liege auf den Membranen, einem wesentlichen Bauteil. Hier wird geforscht, um sie effizienter zu machen und ihre Produktion mit den natürlichen Gegebenheiten von Wind, Wellen und Sonne in Einklang zu bringen – besonders im Hinblick auf die bevorstehende Nutzung der Offshore-Windenergie.

Source

Nach oben scrollen
Share via
Copy link