„Anaga ist überlastet“: Protest gegen Massentourismus im Biosphärenreservat
Bewohner und Vertreter verschiedener Gruppen haben sich am Samstag, den 14. März 2026, im Anaga-Gebirge auf Teneriffa versammelt, um gegen den täglichen Verkehrskollaps und die Überflutung durch Besucher in diesem geschützten Naturraum zu protestieren. Das Anaga-Gebirge ist ein von der UNESCO ausgezeichnetes Biosphärenreservat, das für seine einzigartige biologische Vielfalt bekannt ist. Auf Transparenten der Demonstranten, die sich am Cruz del Carmen versammelten, waren Slogans wie „Anaga ist gesättigt“, „Anaga wird nicht verkauft, Anaga wird verteidigt“, „Schrankenlose Überausbeutung“ und „SOS Anaga“ zu lesen.
1.800.000 Touristen gegen 1.500 Einwohner
Die Protestierenden machten darauf aufmerksam, dass in diesem ländlichen Park, in dem nur etwa 1.500 Menschen leben, im Jahr 2025 mehr als 1,8 Millionen Touristen gezählt wurden. Die Plattform „Canarias Tiene un Límite“ (Die Kanaren haben eine Grenze), die den von Anwohnern des Parque Rural organisierten Protest unterstützte, beklagte eine untragbare Situation. Die Straßen seien regelmäßig durch private Pkw und Touristenbusse blockiert, Fahrzeuge würden auf den Seitenstreifen parken, und selbst der Weg für Rettungswagen oder Schulbusse sei oft versperrt.
Fehlende Busse und gefährdete Mobilität der Anwohner
Die lokale Bevölkerung klagt zudem über einen Mangel an regelmäßigen Busverbindungen. Laut ihren Angaben verkehren täglich nur vier Busse, die zudem oft schon mit Touristen voll besetzt sind. Die Asociación Tinerfeña de Amigos de la Naturaleza (Teneriffanische Vereinigung der Naturfreunde) berichtete in sozialen Netzwerken, dass ältere Bewohner deshalb oft nicht mitfahren können oder die gesamte Fahrt stehen müssen. „Hier gibt es jeden Tag Staus“, warnte eine Anwohnerin und drohte sogar damit, die Straßen nach La Laguna und Santa Cruz de Tenerife zu blockieren, falls das Cabildo (die Inselregierung von Teneriffa) nicht umgehend Maßnahmen ergreife und den Zugang zu Anaga reguliere.
Appell: Naturpark, nicht Freizeitpark
Die Organisatoren der Demonstration betonten, dass es sich bei ihrer Heimat um einen ländlichen Naturpark (Parque Rural) handle, nicht um einen Freizeitpark. Sie warnten davor, dass eine weitere Steigerung der Besucherzahlen ohne klare Obergrenzen die bereits jetzt auf vielen Inseln des Archipels vorhandenen Probleme der Überlastung nur noch verschärfen werde. Sie fordern ein nachhaltiges Management, das die Natur schützt und die Lebensqualität der ansässigen Bevölkerung bewahrt.

