Neubau kommt trotz Wohnungsnot nicht in Fahrt
Die Baubranche auf den Kanarischen Inseln kommt nicht richtig in Schwung. Trotz der akuten Wohnungskrise, die den Archipel fest im Griff hat, hinkt der Neubau dem immensen Bedarf und den weiter kletternden Preisen hinterher. Im gesamten vergangenen Jahr wurden auf den Inseln insgesamt nur 1.347 Neubauprojekte „visado“, also amtlich genehmigt. Ein solches Visum ist ein Bauvorhaben für ein neues Gebäude, das bestätigt, dass alle formalen Voraussetzungen für den Baubeginn erfüllt sind. Es ist somit eine unabdingbare Voraussetzung, um überhaupt mit den Arbeiten starten zu können.
Stagnation trotz dringendem Handlungsbedarf
Die Zahl ist fast identisch mit der des Vorjahres, obwohl ständig gewarnt wird, dass die Kanaren dringend mehr Wohnungen auf den Markt bringen müssen, um eine für viele Bürger bereits unerträgliche Situation zu entschärfen. Tatsächlich ist die Zahl der Neubaugenehmigungen auf den Inseln sogar geringfügig niedriger als 2024. Konkret wurden neun Genehmigungen weniger erteilt. Und das, obwohl sich sowohl die Zentralregierung als auch die Regionalverwaltung bemühen, die Verfahren zu beschleunigen und den Zeitpunkt vorzuziehen, an dem die Baumaschinen anrollen können. Doch wie man sieht, zeigen diese Anstrengungen bislang kaum Wirkung.
Klaffende Lücke zwischen Bedarf und Realität
Die Anzahl der Gebäude, deren Bau auf den Inseln begonnen wird, liegt meilenweit unter dem, was nötig wäre, um den Bedarf der neu gegründeten Familien im Archipel zu decken. Zwar gibt es für 2025 noch keine endgültigen Daten, doch allein 2024 wurden über 8.900 neue Haushalte gegründet. Im selben Jahr wurden laut Daten des Ministeriums für Verkehr und nachhaltige Mobilität (Ministerio de Transportes y Movilidad Sostenible) gerade einmal 720 Wohnungen fertiggestellt. Es klafft also eine riesige Lücke zwischen den notwendigen und den tatsächlich gebauten Wohnungen. Ein Defizit, das sich über die Jahre hartnäckig hält und von Jahr zu Jahr weiter vergrößert.
Warum wird nicht mehr gebaut? Die Rentabilitätsfrage
Doch warum wird trotz der administrativen Bemühungen und der grundsätzlichen Baubereitschaft der Branche nicht im erforderlichen Tempo gebaut? Ganz einfach: Es lohnt sich nicht. Oder zumindest nicht so sehr, wie man erwarten könnte. Das schreckt Investitionen ab und lenkt Kapital in andere Sektoren. Darauf haben die Arbeitgeberverbände der Branche im Archipel bereits vielfach hingewiesen. María Salud Gil, Präsidentin des Bauherrenverbands der Provinz Las Palmas, betont, dass die Schritte der Verwaltung – mehr Bauland bereitzustellen, die Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und die Bautätigkeit zu fördern – zwar notwendig, aber bei weitem nicht ausreichend seien. «Das eigentliche Problem ist, dass es sich im Moment nicht rentiert, Wohnungsbauprojekte zu entwickeln», so Gil.
Hohe Kosten und regulatorische Hürden
Doch warum ist es nicht rentabel? Zum einen aufgrund erheblich gestiegener Kosten für Materialien und Rohstoffe. Teils haben sich diese im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie um bis zu 300 Prozent erhöht. Zum anderen verweist Gil auf die «Multiregulierung» im Immobiliensektor, die einen «beträchtlichen wirtschaftlichen Einfluss auf den Wohnungspreis» habe. Man könnte also zwar den Neubau fördern, doch zu den Verkaufspreisen, die nötig wären, um rentabel zu arbeiten, könnten die Wohnungen kaum noch als erschwinglich gelten. «Wir können nicht zu Preisen bauen und entwickeln, die die Nachfrage auch bezahlen kann. Das ist das wahre Problem», bringt es Gil auf den Punkt.
Nationaler Aufwärtstrend, kanarischer Stillstand
Auf nationaler Ebene wurde tatsächlich ein Anstieg der Baugenehmigungen verzeichnet. Es wurden fast 140.000 beantragt, 8,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Diese Genehmigung ist essenziell für den Start neuer Bauvorhaben, denn ohne sie können keine Arbeiten beginnen. Damit ist sie ein ausgezeichneter Indikator für die Temperatur des Immobilienmarktes. Denn ohne Genehmigungen gibt es keine Baustellen, und ohne diese wird es in einigen Jahren – abhängig von der Bauzeit – keine neuen Wohnungen geben, die zu Heimen werden können.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt das Ausmaß
Ein Blick zurück verdeutlicht das dramatische Ausmaß: 2006, auf dem Höhepunkt der Immobilienblase, wurden im Archipel 10.644 Neubauprojekte genehmigt. Zwanzig Jahre später hat sich diese Zahl um erdrückende 87 Prozent reduziert. Und das Schlimmste ist: Es scheint nicht einfach zu werden, die Betonmischer in Zukunft wieder auf Hochtouren laufen zu lassen.

