Millionen-Entscheidung für das Riesen-Teleskop auf La Palma
Ob das Thirty Meter Telescope (TMT) tatsächlich auf dem Gipfel von La Palma gebaut wird, hängt von einem entscheidenden Detail ab: der finanziellen Unterstützung aus Europa. Zwar hat das spanische Ministerium für Wissenschaft bereits 400 Millionen Euro zugesagt, doch für eine Baugenehmigung auf der Insel fehlen dem Projekt mindestens weitere 600 Millionen Euro. Der Kampf der Kanaren um das astronomische Giganten-Projekt kann daher nur dann weitergehen, wenn die Europäische Investitionsbank (EIB) diese Finanzierung bewilligt.
Entscheidung diesen Sommer: Juni oder Juli
Der Streit, der seit mehr als zehn Jahren die internationale Wissenschaftswelt beschäftigt, könnte sich in diesem Sommer endgültig entscheiden. Zwischen Juni und Juli wird die EIB ihren Bericht vorlegen, der die wirtschaftliche Unterstützung für das TMT bewertet. Ob die Kanarischen Inseln ihren ehrgeizigen Traum verwirklichen können, eines der bedeutendsten Teleskope der nächsten Generation zu beherbergen, hängt allein davon ab, ob die Schlussfolgerungen dieses Berichts positiv ausfallen oder nicht.
Kosten explodieren: Eine Milliarde fehlt noch
Die Kosten des Teleskops sind im Laufe der Jahre exponentiell gestiegen. Obwohl viele Komponenten bereits gebaut sind, fehlen dem Projekt Schätzungen zufolge noch rund eine Milliarde Euro, um es vollenden zu können. Insgesamt belaufen sich die Baukosten aufgrund der Verzögerungen inzwischen auf rund drei Milliarden US-Dollar, wie Projektmanager Fengchuan Liu dem Medium Honolulu Civil Beat mitteilte.
IAC-Direktor: „Dann wird Spanien sagen: Hier ist das ganze Geld“
„Wenn die Europäische Investitionsbank die Finanzierung für das TMT bewilligt, dann wird Spanien sagen: Hier ist das gesamte Geld“, erklärte der Direktor des Instituto de Astrofísica de Canarias (IAC), Valentín Martínez Pillet, auf einer Pressekonferenz. Für Martínez Pillet ist das der Moment, „in dem das TMT die Entscheidung treffen muss, nach La Palma zu kommen, in dem Wissen, dass es die vollständige Finanzierung für den Bau auf La Palma hat“. Allerdings: Sollte das Geld ausbleiben, wäre der Traum der Kanaren geplatzt. „Wenn die EIB die Finanzierung nicht bewilligt, wird das Geld für La Palma fehlen, und dann kann das Teleskop nicht auf der Insel gebaut werden“, so der Direktor des Astrophysikalischen Instituts. Er prophezeite, dass die endgültige Entscheidung daher unmittelbar bevorstehe.
EIB vor Ort: Strategie für die „Isla Bonita“
Ursprünglich hatte die Europäische Investitionsbank ihre Unterstützung für das Projekt angekündigt, zunächst durch die Entwicklung eines strategischen Plans, um die Projektbetreiber davon zu überzeugen, dass die „Isla Bonita“ (die schöne Insel), wie La Palma auch genannt wird, der beste Standort für diese große wissenschaftliche Infrastruktur ist. Konkret wird das Beratungsteam der EIB (vom InvestEU-Beratungszentrum) ein Dokument erstellen, das potenzielle öffentliche und private Investoren identifiziert, die daran interessiert sein könnten, eine der bedeutendsten wissenschaftlichen Infrastrukturen der kommenden Jahrzehnte in Spanien zu entwickeln. Europas Rolle muss jedoch weiter gehen: Es muss sicherstellen, dass das Geld auch tatsächlich vorhanden ist.
In diesem Zusammenhang traf sich eine Delegation der EIB erst vor drei Wochen auf La Palma, um sich über die Unterstützung der lokalen Behörden zu informieren und den Ort persönlich in Augenschein zu nehmen, an dem das astronomische Giganten-Projekt entstehen soll. „Die Leute, die gekommen sind, sind diejenigen, die bei der EIB die Arbeit machen und ein Finanzierungsmodell erstellen, um die Machbarkeit einer möglichen Finanzierung des TMT auf La Palma zu prüfen“, versicherte Martínez Pillet bei diesem Termin.
Frist bis Ende Juli: Letzte Hürde vor Baubeginn?
Die endgültige Antwort wird zwischen Juni und Ende Juli erwartet. Dieser Zeitpunkt würde mit der jährlichen Sitzung des IAC-Verwaltungsrats zusammenfallen – ein starkes Indiz dafür, dass dann die entscheidenden Weichen gestellt werden.

