Ein Wendepunkt im Juli 2016
Punta de Teno, das wilde Westkap Teneriffas, ist heute nicht mehr wiederzuerkennen – und das ist gut so. Vor genau zehn Jahren, am 12. Juli 2016, gegen 17:00 Uhr, gab die Straße TF-445 auf Höhe des vierten Kilometers nach. Ein gewaltiger Erdrutsch riss ein acht Meter langes und vier Meter breites Loch in den Asphalt und schnitt über 100 Besucher von der Außenwelt ab. Was wie eine Katastrophe wirkte, wurde zum entscheidenden Wendepunkt: Die Zugangsregulierung, die danach kam, rettete eines der letzten unberührten Paradiese der Insel vor der vollständigen Überlastung.
Vom Chaos zur geordneten Besucherlenkung
Der Straßeneinbruch war der sichtbare Beweis dafür, dass das fragile Ökosystem von Punta de Teno unter dem massiven Autoverkehr kurz vor dem Kollaps stand. Der Inselrat von Teneriffa (Cabildo) handelte: Der private Pkw-Verkehr wurde eingeschränkt, das wilde Parken auf den Seitenstreifen unterbunden und eine Überwachung durch Einsatzkräfte der öffentlichen Gesellschaft Gesplan eingeführt. Gleichzeitig wurden an den schwindelerregenden Klippen entlang der Straße Sicherheitsnetze angebracht, um herabfallende Steine abzufangen – eine Gefahr, die bis dahin die Sicherheit der Besucher ständig bedroht hatte.
Seit Januar 2017 ist die Anreise nach Punta de Teno nur noch mit dem Linienbus der neuen Titsa-Linie 369 oder mit dem Taxi möglich – und zwar ganzjährig. Rund eineinhalb Kilometer lange Barrieren aus Holz und Metall verhindern, dass Privatfahrzeuge in die sensiblen Naturbereiche eindringen. Parkplätze gibt es nur noch für Fahrzeuge mit einer Sondergenehmigung der Gemeindeverwaltung von Buenavista del Norte.
Mehr Besucher, weniger Schäden
Trotz der strengen Regeln ist Punta de Teno alles andere als verwaist. Die Zahlen des Inselrats, die seit 2019 erhoben werden, zeigen: Über eine Million Menschen haben das geschützte Gebiet in dieser Zeit besucht. Zwischen 2022 und 2025 stiegen die Besucherzahlen sogar um 137 Prozent – von 91.117 auf 215.997 Menschen pro Jahr. Die Pandemie und wiederholte Wetterschließungen konnten diesen Trend nur kurzzeitig bremsen.
Ein weiterer Meilenstein war die Einführung der nächtlichen Schließung im vergangenen Jahr. Sie soll Phänomene wie wilde Partys (Botellón), illegale Campingaktionen und das unerlaubte Übernachten von Wohnmobilen unterbinden. Gleichzeitig wurden am Ende der Straße Wendemöglichkeiten und regulierte Parkflächen geschaffen, gesicherte Fußwege angelegt und eine Bushaltestelle mit Wartehäuschen errichtet.
„Ein traumatischer Moment“
Die damalige und heutige Bürgermeisterin von Buenavista del Norte, Eva García (PSOE), erinnert sich noch genau an den Tag des Erdrutsches. „Ich war auf dem Weg nach Hause, als mich jemand von der Playa de Las Arenas anrief und sagte, er sehe, wie die Straße einstürzt. Ich ging ans Fenster – mein Haus liegt in der Gegend – und sah die Rauchwolke, die der Einsturz verursachte.“ Die Ungewissheit war quälend: „Ich wusste nicht, ob es Verletzte gab. Glücklicherweise gab es keine, aber der Belag war nur noch hauchdünn, alles hätte jederzeit nachgeben können.“
Rückblickend sieht García in dem Desaster jedoch eine Chance: „Manche Situationen zwingen einen dazu, praktische Entscheidungen zu treffen. Es war drastisch und hat große Kontroversen ausgelöst. Aber schon einen Monat nach der Wiedereröffnung der Straße kamen die Leute zu mir und sagten: ‚In Punta de Teno hört man nichts mehr.‘ Die Ruhe und die Natur – das hat den Unterschied gezeigt.“
Die Rettung per Helikopter
Alejandro Díaz, ein Anwohner aus Garachico, war einer der Eingeschlossenen. Er surfte gerade an der Nordseite von Punta de Teno (Castañeda), als ein Hubschrauber landete. „Sie sammelten uns alle an einem Punkt ein und sagten uns, dass die Straße nachgegeben hatte“, erinnert er sich. „Angst hatte ich nie, aber Unsicherheit. Ich kam in den letzten Gruppen, weil ich meinen Hund Rufo dabei hatte – der war nervöser als ich. Aber alles lief gut.“ Besonders in Erinnerung blieb ihm der nächtliche Helikopterflug über die Isla Baja und die freundliche Aufnahme in Garachico. Heer und Guardia Civil stellten damals die Maschinen, um die Gestrandeten aus dem Paradies zu evakuieren. Eine Rettung zu Wasser war nicht möglich, der Seegang zu rau.
Zukunft: Der Leuchtturm wird zum Besucherzentrum
Und die Entwicklung geht weiter. Der alte Leuchtturm von Punta de Teno soll zu einem Besucherzentrum umgebaut werden. Die Inselverwaltung, die das Gebiet betreut, verfolgt damit ein doppeltes Ziel: Der Ort soll nicht nur Touristen anziehen, sondern auch als Managementinstrument dienen. Moderne Sensoren sollen das Geschehen in Echtzeit überwachen und sicherstellen, dass alle Aktivitäten mit den Schutzvorgaben des Naturparks Teno im Einklang stehen. Eine Dauerausstellung wird die Besucher über die natürlichen Kreisläufe und die kulturelle Dimension dieser einzigartigen Landschaft informieren.
Pionierarbeit mit Nebengeräuschen
Punta de Teno war das erste Naturschutzgebiet Teneriffas mit einer Zugangsregulierung – und dieser Pioniergeist war nicht unumstritten. Vor allem der örtliche Nautikclub, der aus Bootsbesitzern und Meeresliebhabern besteht, leistete Widerstand. Am 19. März 2017 gingen die Gegner auf die Straße. Der Inselrat hatte zuvor in öffentlichen Versammlungen im längst geschlossenen Kino von Buenavista die Bürger angehört. Die Stimmung war oft gereizt. Die damalige Koalition aus CC und PSOE unter Präsident Carlos Alonso stand unter Druck.
Blanca Pérez (CC), die Inselrätin für Natur der Inselverwaltung, blickt heute versöhnlich zurück: „Der Einsturz war ein kritischer Moment, aber er bot uns die Chance, den Zugang zu regulieren und die Überfüllung eines einzigartigen Raums zu verhindern. Es war ein Pionierprojekt für die Kanaren – abgesehen von Timanfaya auf Lanzarote.“ Ihr Fazit: „Die Einschränkung des Privatfahrzeugs zugunsten des Busverkehrs verbessert das Besuchererlebnis, den Genuss der Umgebung und bewahrt die Landschaft und die Natur.“

