Historischer Rückgang auf der Kanaren-Route
Die als gefährlichste Migrationsroute der Welt geltende Kanaren-Route verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 den deutlichsten Rückgang illegaler Einreisen in der gesamten Europäischen Union. Nach Angaben der europäischen Grenzschutzbehörde Frontex wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres lediglich 3.175 Grenzübertritte registriert – ein Rückgang um 71 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der am Freitag veröffentlichte Bericht zeigt, dass dieser Rückgang in einen allgemeinen Trend sinkender illegaler Migration in die EU eingebettet ist.
EU-weiter Rückgang der illegalen Einreisen
Insgesamt gingen die illegalen Grenzübertritte in die Europäische Union im ersten Halbjahr 2026 um 37 Prozent zurück, wie Frontex mitteilte. Die Behörde zählte rund 49.000 festgestellte Fälle. Zum Vergleich: Während auf der Kanaren-Route etwas mehr als 3.000 Migranten registriert wurden, waren es auf der Route durch die Straße von Gibraltar und das westliche Mittelmeer 7.860 Grenzübertritte. Die EU-Grenzschutzbehörde betont, dass die Zahlen auf einer konsequenten Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern beruhen.
Anstieg im Mittelmeer – Rückgang auf den Kanaren
Während die Kanaren-Route einen drastischen Einbruch erlebte, zeigte sich im westlichen Mittelmeerraum, zu dem auch das Gebiet um die Straße von Gibraltar gehört, eine gegenläufige Entwicklung: Hier stiegen die Ankünfte im ersten Halbjahr 2026 um 17 Prozent auf 7.860 Grenzübertritte. Das spanische Innenministerium meldet für die Kanarischen Inseln einen Rückgang der Boote um 73,7 Prozent – von 186 auf nur noch 49 Wasserfahrzeuge. Besonders auffällig ist aus Sicht von Frontex die Zunahme von Abfahrten aus Algerien, die vor allem die Route zu den Balearen betreffen. Auf dieser Route gingen die illegalen Einreisen im ersten Halbjahr um 12,7 Prozent auf insgesamt 2.631 Personen zurück.
Hauptbelastungspunkte: Östliches und zentrales Mittelmeer
Trotz des allgemeinen Rückgangs bleibt der Migrationsdruck auf zwei zentrale Punkte konzentriert: das östliche und das zentrale Mittelmeer. Auf diese beiden Routen entfallen zusammen 60 Prozent aller in der Europäischen Union registrierten Grenzübertritte. Im östlichen Mittelmeer wurden 16.643 Fälle gezählt – ein Minus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im zentralen Mittelmeer waren es 14.340 Fälle, was einem Rückgang von 52 Prozent entspricht.
Weitere Routen im Überblick
Auch auf den übrigen Routen setzte sich der Abwärtstrend fort. Auf der Westbalkan-Route wurden 4.009 Fälle registriert (minus 24 Prozent). An der östlichen Landgrenze zur EU, die an Belarus und die Ukraine grenzt, gab es 2.633 illegale Grenzübertritte – ein Rückgang um 39 Prozent. Die Versuche, den Ärmelkanal zu überqueren, gingen um 44 Prozent auf 18.367 Fälle zurück.
Herkunftsländer: Unterschiedliche Profile je nach Route
Die häufigsten Herkunftsnationalitäten variieren je nach Migrationsroute. Im östlichen Mittelmeer dominieren Menschen aus Afghanistan, dem Sudan und Bangladesch. Im westlichen Mittelmeer stammen die meisten Migranten aus Algerien, Mali und Marokko. Auf der Kanaren-Route konzentrieren sich die Ankünfte vor allem auf Menschen aus Gambia, Senegal, Mali, Guinea und Mauretanien.
Tödliche Gefahr bleibt bestehen
Der Rückgang der Ankünfte bedeutet jedoch nicht, dass die Routen weniger gefährlich geworden sind. Darauf weist der jüngste Bericht der Organisation Caminando Fronteras eindringlich hin. Zwischen Januar und Mai 2026 dokumentierte die Organisation 1.317 Tote oder Vermisste – darunter 129 Kinder. Im gesamten Mittelmeerraum wurden in diesem Jahr bereits rund 1.300 Todesfälle registriert. Die erste Jahreshälfte 2026 stand zudem im Zeichen der Umsetzung des neuen EU-Migrations- und Asylpakts, der standardisierte Kontrollverfahren und die Erfassung biometrischer Daten an den Außengrenzen einführt.

