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58.000 neue Wohnungen geplant, aber 5.000 sofort baureif

Wohnungsnot auf den Kanaren: Tausende neue Wohnungen geplant, doch nur wenige werden gebaut

Mitten in der akuten Wohnungsnot auf den Kanarischen Inseln zeichnet eine neue Studie ein ernüchterndes Bild: Auf dem Papier sind in den großen Wohngebieten des Archipels beeindruckende 58.464 neue Wohnungen geplant. Doch die Realität sieht anders aus – nur ein Bruchteil dieser Projekte kommt tatsächlich voran. Besonders brisant: Über 5.000 dieser Wohnungen könnten theoretisch sofort gebaut werden, da die Grundstücke bereits vollständig erschlossen sind. Dennoch bleiben sie unrealisiert.

Fünfzigtausend Wohnungen, die auf eine Chance warten

Das spanische Ministerium für Wohnungsbau und Stadtentwicklung (Ministerio de Vivienda y Agenda Urbana) hat kürzlich den Bericht „Sectores Residenciales en España 2025“ veröffentlicht. Darin werden ausschließlich Großsiedlungen mit mindestens 1.000 geplanten Wohneinheiten erfasst. Insgesamt waren in 38 dieser Areale auf den Kanaren ursprünglich 67.301 Wohnungen vorgesehen. Bislang wurden jedoch nur 8.837 realisiert – das entspricht lediglich einer Umsetzungsquote von 13,2 Prozent. Knapp 58.500 Wohnungen fehlen also noch, um die ursprünglichen Planungen zu erfüllen.

Wichtig ist jedoch: Diese Zahl umfasst ausschließlich die geplanten Einheiten in den großen Wohngebieten. Darüber hinaus gibt es kleinere Grundstücke und Brachen, die ebenfalls Potenzial für Wohnungsbau bieten. Die 58.464 Wohnungen sind also nicht die Gesamtzahl aller Projekte, sondern nur die Spitze des Eisbergs.

5.000 Wohnungen auf dem Silbertablett: Warum werden sie nicht gebaut?

Besonders ärgerlich ist die Situation bei jenen über 5.000 Wohnungen, die in bereits vollständig urbanisierten Gebieten liegen. Das bedeutet: Die Straßen sind asphaltiert, die Grundstücke parzelliert, die Kanalisation und Telekommunikationsleitungen verlegt – und in einigen Fällen stehen sogar schon fertige Nachbargebäude. Es wäre also, zumindest auf dem Papier, ein Leichtes, mit dem Bau zu beginnen. Doch die Gründe für den Stillstand sind vielfältig.

Manche Projekte wurden nach der Immobilienkrise von 2008 abgebrochen und verfallen seither als Geisterbauten. Andere scheitern an Eigentümerstreitigkeiten, rechtlichen Auseinandersetzungen oder schlicht an fehlenden wirtschaftlichen Anreizen. So bleiben beispielsweise in Las Rehoyas-Arapiles und Tamaraceite Sur in Las Palmas de Gran Canaria, sowie in La Caleta in Adeje (Teneriffa) oder Punta Larga in Candelaria zahlreiche Bauplätze ungenutzt.

Vom Acker zur Großsiedlung: Die drei Kategorien des Wohnungsdefizits

Der Bericht teilt die unvollendeten Projekte in drei Kategorien ein:

  • Sofort baureif (rund 5.000): Hier ist das Gelände vollständig erschlossen und weist einen hohen Bebauungsgrad auf. Baugenehmigungen könnten schnell erteilt werden.
  • Erschlossen, aber unbebaut (rund 16.000): Zwar gibt es Straßen und Anschlüsse, aber bisher kaum oder gar keine Gebäude. Oft sind es Brachflächen, die auf ihre Nutzung warten.
  • Nicht erschlossen (der Rest): Große, unbebaute Landstriche, die erst noch urbanisiert werden müssten. Hier ist langfristig mit einer Bebauung zu rechnen.

Diese Einteilung zeigt, dass das Problem nicht in erster Linie im fehlenden Bauland liegt, sondern in der mangelnden Umsetzungskraft und den Verzögerungen bei der Realisierung.

Preisexplosion trifft auf Planungsparalyse

Diese Zahlen sind besonders alarmierend vor dem Hintergrund der aktuellen Wohnungskrise. Die Nachfrage ist riesig, das Angebot ist knapp – und die Preise explodieren. Für viele kanarische Familien ist die Miete oder der Kauf einer Immobilie längst unbezahlbar geworden. Tausende Einwohner stehen vor der unmöglichen Aufgabe, ein Dach über dem Kopf zu finden. Vor diesem Hintergrund ist die Blockade von zehntausenden geplanten Wohnungen nicht nur ein bürokratisches Problem – es ist eine soziale Katastrophe.

Die Kanarischen Inseln stehen vor einem Rätsel: Das Bauland ist ausgewiesen, die Pläne sind genehmigt, doch die Wohnungen bleiben Fantasie. Während die Immobilienpreise in schwindelerregende Höhen steigen, müssen die Bewohner zusehen, wie Tausende potenzieller Häuser und Wohnungen auf dem Papier verstauben. Die große Frage bleibt: Wann wird endlich gebaut?

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