Drohung mit der Arbeitsinspektion: Gewerkschaften laufen Sturm
Die Situation für Taxi- und Mietwagenfahrer am Flughafen Teneriffa Süd (TFS) spitzt sich zu. Die Gewerkschaften FSC-CCOO Kanaren und USO Kanaren haben ein massives Ultimatum gestellt: Sollten die prekären Arbeitsbedingungen für die Fahrer des Gelegenheitsverkehrs nicht umgehend verbessert werden, werden sie unverzüglich die Arbeits- und Sozialversicherungsinspektion einschalten. Der Konflikt hat eine Vorgeschichte, die tiefe Gräben zwischen den Flughafenbetreibern, den Unternehmerverbänden und den Arbeitnehmervertretern offenlegt.
Der Auslöser: Kampf um jede Minute
Der Zündfunke für den aktuellen Streit war eine Entscheidung des Flughafenbetreibers AENA. Dieser begrenzte die Parkzeit an der Vorfahrt für ankommende Passagiere auf nur 30 Minuten und führte gleichzeitig zusätzliche Gebühren ein. Die Reaktion der Unternehmerverbände ließ nicht lange auf sich warten: Sie wiesen die Fahrer an, auf einen äußeren, völlig unzureichend ausgestatteten Parkplatz auszuweichen. Obwohl AENA und die Arbeitgeberverbände diesen Montag eine Aussetzung der Gebühren bis Dezember 2027 vereinbarten, betonen die Gewerkschaften, dass das eigentliche Kernproblem – die Gefährdung der Gesundheit und der Arbeitssicherheit – damit keineswegs gelöst sei.
Vernichtendes Gutachten des Arbeitsschutzes
In der jüngsten Sitzung des Branchenausschusses der Provinz, an der AENA allerdings nicht teilnahm, legten die Fachleute des Kanarischen Instituts für Arbeitssicherheit (ICASEL) einen vernichtenden Bericht über den Zustand des den Fahrern zugewiesenen Areals vor. Das Fazit ist alarmierend:
- Fehlende Sicherheit und mangelhafte Erreichbarkeit: Es gibt keinerlei Markierungen für Fußgängerüberwege, und die nächtliche Beleuchtung ist völlig unzureichend, was zu erheblichen Unfallrisiken führt.
- Unhygienische Bedingungen und mangelnder Komfort: Den Fahrern stehen keinerlei grundlegende sanitäre Einrichtungen zur Verfügung. Sie sind zudem ungeschützt den extremen Temperaturen ausgesetzt, was ihre Gesundheit zusätzlich belastet.
- Missachtung des Arbeitsschutzrechts: Der Zustand des Platzes verstößt nachweislich gegen das Arbeitsschutzgesetz sowie gegen die Mindestanforderungen an Arbeitsstätten.
Gewerkschaften: „Mit der Gesundheit wird nicht gespielt“
Die Reaktionen der Gewerkschaftsvertreter fallen entsprechend deutlich aus. Antonio Perdomo, Sekretär für Gewerkschaftspolitik von USO Kanaren, bezeichnete den Vorschlag der Arbeitgeber, die Gespräche nach der Einigung mit AENA erst für Ende des Jahres anzusetzen, als „unannehmbar“. Er beklagte zudem die mangelnde Geschlossenheit der anderen Gewerkschaften. „Wir weigern uns rundweg, unsere Kolleginnen und Kollegen auch nur einen einzigen Tag länger unter diesen ungesunden Arbeitsbedingungen arbeiten zu lassen. Wir können nicht tatenlos zusehen, wie die Arbeitgeber hier fahrlässig handeln“, so Perdomo.
Santiago Domínguez Cabrera, Koordinator für den Transportsektor der CCOO Kanaren, unterstrich die grundsätzliche Haltung seiner Organisation: „Jede wie auch immer geartete finanzielle Absprache zwischen den Unternehmen und dem Flughafenbetreiber ist null und nichtig, wenn sie gegen die grundlegenden Rechte der Arbeitnehmer verstößt. Die Arbeitgeber bitten uns um Zeit, aber wir sind der festen Überzeugung: Mit der Gesundheit wird nicht gespielt, und über die Gesundheit wird nicht verhandelt.“
Ein schmaler Grat: Frist für Besserung oder Gang zur Behörde
Trotz der scharfen Töne zeigen sich beide Gewerkschaften kompromissbereit. Sie signalisieren, dass sie bereit sind, den Arbeitgebern eine technische Frist einzuräumen, um einen neuen, geeigneten Standort für das Jahr 2027 zu schaffen. Allerdings stellen sie eine klare Bedingung: Es müssen umgehend provisorische Maßnahmen ergriffen werden, die eine erträgliche und vor allem sichere Arbeitssituation herstellen. Sollte dies nicht geschehen, werde man keine Sekunde zögern und die Arbeitsinspektion einschalten, um die Rechte der rund um die Uhr im Einsatz befindlichen Fahrer durchzusetzen.
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