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Badeverbote auf den Kanaren: Kein Einzelfall mehr, sondern Systemversagen

Symptome eines kranken Systems: Sorge um die Wasserqualität

Die kanarische Umweltstiftung Fundación Canarina hat am Dienstag Alarm geschlagen: Die immer häufigeren Schließungen von Badestränden auf den Inseln aufgrund von Fäkalienbelastung seien keine isolierten Vorfälle mehr, sondern das sichtbare Symptom eines unvollständigen und maroden Abwassersystems. „Jeder Strand, der wegen Verschmutzung geschlossen wird, stellt keinen Einzelfall dar, sondern ist der greifbare Beweis für ein System, das weiterhin große Mängel aufweist. Solange das gesamte Klärnetz nicht vollendet ist und nicht alle Einleitungen ordnungsgemäß genehmigt und kontrolliert werden, werden sich diese Vorfälle wiederholen“, so die Organisation.

Von Playa Jardín bis El Médano: Chronik einer angekündigten Krise

Die Stiftung nennt konkrete Beispiele für die anhaltenden Probleme: So wurde der Strand Playa Jardín in Puerto de la Cruz auf Teneriffa erst im Jahr 2025 wiedereröffnet, nachdem er fast ein Jahr lang wegen Fäkalienbelastung geschlossen war. Bereits 2026 jedoch sorgte ein neuer Skandal für Aufsehen: Der mutmaßliche Einsatz von Hypochlorit (Bleichmittel) bei der Abwasserbehandlung erhitzt die Gemüter. Erst im Juni dieses Jahres musste dann die Playa del Pueblo in Playa Blanca (Gemeinde Yaiza, Lanzarote) vorsorglich gesperrt werden, nachdem ein verstopftes Abwasserrohr zu einer Verunreinigung geführt hatte. Kaum ein paar Tage später, am 7. Juli, wurde der Strand Leocadio Machado in El Médano (Gemeinde Granadilla de Abona) erneut geschlossen. Der Grund: Die gemessene Konzentration von Escherichia coli (einem Bakterium, das im menschlichen Kot vorkommt) überschritt die erlaubten Grenzwerte.

Ein Flickenteppich ohne Erlaubnis: 72 Prozent der Einleitungen sind illegal

Ein Blick in das offizielle Verzeichnis der Land-Meer-Einleitungen der kanarischen Regierung, das 2025 aktualisiert wurde, zeichnet ein düsteres Bild. Demnach gibt es auf dem Archipel 403 Einleitungspunkte ins Meer – und von diesen besitzen 291 (das entspricht 72 Prozent) keine gültige Genehmigung. Besonders dramatisch ist die Lage auf Teneriffa: Die Insel vereint fast die Hälfte aller Einleitungspunkte der Kanaren auf sich (180). Von diesen sind lediglich 59 legal. Die Daten offenbaren zudem ein großes technisches Defizit: Nur 13 Prozent der Einleitungen erfolgen über moderne Unterwasser-Emissäre, die eigentlich die geeignete Infrastruktur sind, um Abwässer zu verdünnen und zu verteilen. Mehr als 70 Prozent nutzen hingegen veraltete Systeme, die keine optimale Abführung der Abwässer gewährleisten. Genau dieses Manko ist die Ursache für die Schließungen von Stränden wie Playa Jardín und Leocadio Machado.

EU verurteilt Spanien: Strukturelles Problem, kein Zufall

Die Schwere des Problems, betont die Stiftung, wird auch durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) unterstrichen. Im Dezember 2025 verurteilte das Gericht Spanien wegen Verstoßes gegen EU-Richtlinien zur Behandlung von kommunalem Abwasser. Das Urteil benennt explizit mehrere Kläranlagen auf Teneriffa – darunter Añaza, Candelaria-Casco, Adeje-Arona und La Laguna-Santa Cruz – als Anlagen, die die Abwässer nicht ordnungsgemäß vor der Einleitung ins Meer reinigen. Ein weiteres alarmierendes Detail: 94 der Einleitungspunkte leiten ihre Abwässer direkt in zehn der 24 marinen Schutzgebiete (Zonas de Especial Conservación, ZEC) des Archipels. Für die Stiftung ist dies der Beweis, dass der Druck auf die geschützten Zonen kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem ist. Besonders kraß zeige sich die Wiederholung dieser Vorfälle in Gemeinden wie Adeje, wo Strände wie Troya oder El Puertito praktisch jeden Sommer wegen bakterieller Belastung gesperrt werden müssen.

Millionen investiert, doch das Ende ist nicht in Sicht

Auf Teneriffa hat ein Überwachungsausschuss, bestehend aus der staatlichen Wasserbaugesellschaft ACUAES, der Inselregierung (Cabildo) und dem Inselwasserrat, im Mai dieses Jahres bescheinigt, dass die im Abwasservertrag vorgesehenen Maßnahmen bereits zu 67 Prozent umgesetzt sind. Von den geplanten 233,5 Millionen Euro wurden bereits 158 Millionen Euro ausgegeben. Trotz dieser Fortschritte erinnert die Stiftung daran, dass ein Großteil der notwendigen Infrastruktur zur Vervollständigung des Systems noch immer aussteht. Zwar seien einige Kläranlagen bereits fertiggestellt oder befänden sich in der Testphase, doch es fehlten noch immer an Sammlern, Pumpstationen, Anschlüssen und anderen unerlässlichen Maßnahmen, um das gesamte Netz als integriertes System zu betreiben. So befindet sich das System der Region Acentejo noch immer in der Projektplanungsphase. „Solange diese Infrastruktur nicht fertiggestellt ist, werden sich die Verschmutzungsvorfälle und die vorsorglichen Strandschließungen wiederholen – besonders in den Monaten mit dem höchsten Besucherandrang“, warnt die Stiftung abschließend.

Was jetzt getan werden muss: Der Notruf der Küsten

Der Bericht „SOS Costas Canarias“, der von der Fundación Canarina und dem Nachhaltigkeitsobservatorium (Observatorio de la Sostenibilidad) erstellt wurde, formuliert einen klaren Forderungskatalog. Als vordringlichste Maßnahmen werden genannt: die beschleunigte Modernisierung der Abwasserinfrastruktur, die Fertigstellung der noch ausstehenden Leitungsnetze, die Sicherstellung einer Genehmigung und wirksamen Kontrolle aller Einleitungspunkte sowie eine verschärfte Überwachung derjenigen Abwässer, die marine Schutzgebiete belasten.

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