Ein Schrecken ohne Nachspiel? Die Kanaren und die neuen Euro-Scheine
Es ist ein vertrautes Gefühl für viele Insulaner: der Griff zur Europakarte und die verzweifelte Suche nach dem eigenen Zuhause. Die Kanaren liegen als europäische Region zwar politisch und administrativ fest im Boot, geografisch jedoch über tausend Kilometer vom Festland entfernt. Diese Woche sorgte genau dieser Umstand für einen Aufschrei, als die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Vorschläge für die neuen Euro-Banknoten präsentierte. Auf den ersten zehn Entwürfen suchte man die Kanarischen Inseln vergeblich.
Empörung nach Veröffentlichung der Entwürfe
In den sozialen Netzwerken und Foren machte sich sofort Unmut breit. Wie konnte es sein, dass eine der touristisch beliebtesten Regionen Europas bei der Neugestaltung der gemeinsamen Währung schlichtweg ignoriert wurde? Die Kritik richtete sich nicht nur gegen das Fehlen der Kanaren, sondern bezog alle sogenannten Gebiete in äußerster Randlage (RUP) der Europäischen Union mit ein. Der Druck war so groß, dass die EZB reagieren und diese Woche mitteilen musste: Keine Sorge, der Archipel bekommt selbstverständlich einen Platz auf allen neuen Banknoten.
Entwarnung aus Frankfurt: Die Inseln sind dabei
Die Aufregung war letztlich unbegründet. Wie ein Sprecher der EZB klarstellte, handelt es sich bei den veröffentlichten Bildern lediglich um künstlerische Vorschläge für den ersten Teil des Wettbewerbs. Fehlende Elemente auf den Skizzen seien kein Zeichen für eine spätere Ausgestaltung. Die Integration der Regionen in äußerster Randlage ist nämlich eine rechtliche und technische Notwendigkeit, da sie Teil des Euro-Währungsgebiets sind. So werden die Kanarischen Inseln auch auf den endgültigen Banknoten erscheinen – und zwar neben dem Porträt von Miguel de Cervantes, Marie Curie oder Leonardo da Vinci, sollte sich die Themenwelt „Europäische Kultur“ durchsetzen. Doch auch beim Alternativthema „Flüsse und Vögel“ ist der Archipel mit von der Partie, auch wenn dort zunächst Mauerläufer, Bienenfresser und Störche die Hauptrolle spielen.
Ein neues Gesicht für das Euro-Bargeld
Die geplante Neuerung ist die erste grundlegende Überarbeitung seit der Einführung der Gemeinschaftswährung vor über 20 Jahren. Die bisherigen Motive mit Fenstern, Toren und Brücken, die für „Offenheit und Zusammenarbeit“ stehen, sollen abgelöst werden. Das neue Design zielt darauf ab, die gemeinsame Identität Europas stärker in den Vordergrund zu rücken. Eine der beiden Finalisten-Ideen setzt auf die großen Persönlichkeiten aus Kunst und Literatur, die den Kontinent geprägt haben. Der zweite Vorschlag hingegen rückt die Natur in den Mittelpunkt: Flusslandschaften und heimische Vogelarten sollen ein Zeichen für Umweltbewusstsein und Erhaltung setzen.
Mehr Sicherheit und Barrierefreiheit
Neben der Ästhetik verfolgt die Währungshüter mit der Umstellung vor allem praktische Ziele. Die neuen Scheine sollen mit modernsten Sicherheitsmerkmalen ausgestattet werden, um Fälschungen deutlich zu erschweren. Zudem wird die Barrierefreiheit verbessert: Durch fühlbare Elemente sollen auch sehbehinderte Menschen die unterschiedlichen Werte künftig besser unterscheiden können. Auch Nachhaltigkeit spielt eine Rolle, denn die Produktion soll auf umweltfreundlichere Materialien umgestellt werden.
Der lange Weg bis zum neuen Schein
Bis wir die neuen Banknoten tatsächlich in den Händen halten, wird jedoch noch einige Zeit vergehen. Die endgültige Entscheidung über das Siegerdesign trifft der EZB-Rat voraussichtlich Ende dieses Jahres. Anschließend beginnen die technische Entwicklung und die Produktion, was laut EZB mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird. Eines können sich die Bürger aber schon jetzt sicher sein: Die alten Scheine werden auch nach der Einführung der neuen Serie ihren Wert behalten. Das Eurosystem garantiert die vollständige rechtliche und finanzielle Sicherheit während der Übergangsphase. Die aktuelle „Europa-Serie“ wird also bis auf Weiteres parallel im Umlauf bleiben.
Die neuesten Nachrichten von den Kanaren
Tägliche News, Wetterwarnungen und praktische Infos – direkt von den Inseln, auf Deutsch. Wir leben hier und wissen, was los ist – bevor die Medien darüber berichten. Alles erscheint auf unserem WhatsApp-Kanal – ohne Umwege, ohne Algorithmus.

