Bürgerinitiative schlägt Alarm: „Gefahr für die Gesundheit“
Die Plattform „Stop Vertidos al Mar“ (Stoppt die Einleitungen ins Meer), in der sich Anwohner des Viertels Punta Brava zusammengeschlossen haben, reagiert mit scharfer Kritik auf den jüngsten Fall von mikrobiologischer Verunreinigung am Strand Playa Jardín. Die Verschmutzung wurde zwischen dem 22. und 24. Juni gemessen. Der Zusammenschluss, der seit Jahren auf die unzureichende Abwasserentsorgung in der Gegend hinweist, stellt die Arbeit der Verantwortlichen während dieser Tage massiv in Frage. Es sei „sehr besorgniserregend“, dass die Bevölkerung „weder über den Vorfall informiert noch vorbeugende Maßnahmen ergriffen wurden“, während die Wasserqualität überprüft wurde.
„Transparenz ist ein grundlegendes Prinzip“
Die Vorsitzende der Plattform, Tania Hernández, betont, dass „Transparenz ein grundlegendes Prinzip ist, wenn es um die öffentliche Gesundheit geht“. Die fehlende Information in jenen Tagen „erzeuge Unsicherheit und zerstöre das Vertrauen von Anwohnern, Badegästen und Besuchern“. Für Hernández zeigt dieser Vorfall erneut, dass „die strukturellen Probleme am Playa Jardín immer noch nicht vollständig gelöst sind“. Es brauche daher „endgültige Lösungen für die Mängel im Abwassersystem und eine permanente, strenge Kontrolle“ der Wasserqualität.
Alte Versprechen, neue Versäumnisse
Die Kritik der Initiative ist nicht neu. Bereits zum ersten Jahrestag der Wiedereröffnung des Playa Jardín hatte die Plattform gewarnt, dass die meisten zugesagten Maßnahmen zur Behebung der Einleitungsprobleme entweder noch nicht abgeschlossen seien oder sich verzögerten. Dazu zählen unter anderem der Ausbau der kommunalen Kläranlage in Punta Brava, um ihre Kapazität zu erhöhen, die vollständige Inbetriebnahme der dritten Reinigungsstufe zur Wiederverwendung des gereinigten Wassers, der Austausch der Unterwasserleitung dieser Kläranlage, durch die das Wasser ins Meer geleitet wird, die Sanierung der Pumpstationen, die das Abwasser zur Kläranlage befördern, sowie die Erneuerung des veralteten Kanalisationsnetzes im Viertel.
Fäkalbakterien mitten in den Feierlichkeiten
Der aktuelle Vorfall, der zwischen dem 22. und 24. Juni am Playa Jardín registriert wurde, ist nun der Auslöser für die erneute Kritik. Wie die Plattform bereits am 22. Juli öffentlich machte, wurden Mikroorganismen nachgewiesen, die auf Abwassereinleitungen hindeuten. Die gemessenen Werte überschritten die gesetzlichen Grenzwerte und waren gesundheitsschädlich. Besonders brisant: Die Belastung fiel zeitlich mit den Feierlichkeiten zu Ehren von San Juan (Mittsommerfest) zusammen. Die Plattform war es, die als erste öffentlich Alarm schlug, nachdem sie die offiziellen Analyseergebnisse eingesehen hatte. Hernández kritisiert, dass die Initiative diese Rolle „niemals“ hätte übernehmen dürfen. Es sei „die Aufgabe der zuständigen Behörden gewesen, die Bürger über einen Vorfall mit möglichen Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit zu informieren“.
Streit zwischen Rathaus und Gesundheitsbehörde
Laut dem Gesundheitsüberwachungsprogramm für Badegewässer der Kanarischen Inseln hätte ein solcher Vorfall zu einer vorübergehenden Badeverbotsempfehlung führen müssen. Genau die Anwendung dieses Protokolls aber führte zu einem Disput zwischen der Stadtverwaltung von Puerto de la Cruz und der Generaldirektion für öffentliche Gesundheit. Während die Behörde versichert, sie habe die Proben am 22. Juni genommen, am Folgetag die Ergebnisse erhalten und die Stadt am 23. Juni telefonisch und per E-Mail – auf dem offiziellen Weg – aufgefordert, ein vorläufiges Badeverbot zu verhängen, behauptete das Rathaus zunächst, keine offizielle Benachrichtigung erhalten zu haben.
Bürgermeister räumt Fehler ein – aber nur einen Teil
Die Kontroverse eskalierte weiter, als Bürgermeister Leopoldo Afonso in der letzten Gemeinderatssitzung einräumte, dass die Stadt die E-Mail der Gesundheitsbehörde zwar erhalten, aber erst am 24. Juni gesehen habe. Afonso verteidigte sich zudem damit, dass die Stadtverwaltung auf eigene Kosten ein separates Gutachten in Auftrag gegeben habe, das positive Ergebnisse geliefert habe. Allerdings wurden diese Ergebnisse nie veröffentlicht, und die einzig verbindlichen Analysen für die Schließung eines Strandes sind die der Gesundheitsbehörde.
Versprochenes Treffen fand nie statt
Bezüglich dieser städtischen Tests behauptet die Bürgerinitiative, der Bürgermeister habe sich in einer Pressekonferenz zu einem Treffen mit ihren Vertretern verpflichtet, um ihnen die Analyseergebnisse zu zeigen. Dieses Treffen habe jedoch, so Vorsitzende Hernández, „nie stattgefunden“. Die Plattform habe mehrfach um Gespräche mit der Stadtverwaltung gebeten – sowohl schriftlich als auch per Nachricht –, jedoch keine Antwort erhalten.
Warnung vor „chronifizierten Missständen“
Für Hernández untermauert diese fehlende Information und der mangelnde Dialog die Notwendigkeit, klarer zu handeln. Zwar sei der Vorfall im Juni „kurz und punktuell“ gewesen, doch sie warnt: Wenn die ausstehenden Infrastrukturprojekte weiter verschleppt und derartige Vorfälle nicht „mit größtmöglicher Transparenz“ kommuniziert würden, bestehe die Gefahr, „eine Situation zu verfestigen, die bereits sehr schwerwiegende Folgen für den Playa Jardín und das Image der Gemeinde hatte“. Dennoch hoffe sie, dass das Geschehene „eine Ausnahme war und nicht der Beginn einer neuen Dynamik wie im vergangenen Jahr“.
Anwohner fordern klare Antworten und funktionierende Protokolle
Die Anwohner von Punta Brava fordern nun von der Stadtverwaltung eine klare Erklärung: Welche Verfahren waren in diesen Tagen in Kraft, wie wurden sie angewendet, und welche Änderungen werden eingeführt, um eine Wiederholung zu verhindern? Sie sind der Ansicht, dass „die Kommunikations- und Handlungsprotokolle nicht so funktioniert haben, wie sie sollten“. Sie verlangen eine bessere Koordination zwischen den Behörden, damit diejenigen, die an der Küste leben und sie genießen, nicht länger die Konsequenzen von „so vielen institutionellen Fehlern“ tragen müssen.
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