Forschungsboost für die Insel: Plocan eröffnet Büro in Teneriffas Technologiepark
Die Kanarische Meeresplattform (Plocan) hat ihre Präsenz auf Teneriffa deutlich ausgebaut. Im Wissenschafts- und Technologiepark der Insel, genauer gesagt im Bereich Barranco Grande, hat die renommierte Forschungseinrichtung neue Büroräume bezogen. Die Eröffnung ist ein strategischer Schritt, um die Insel als Zentrum für Innovation im mittleren Atlantik zu positionieren – mit der sogenannten Blauen Wirtschaft als einem der wichtigsten Spezialgebiete.
Mehr Platz, mehr Projekte, mehr Vernetzung
Mit der neuen Niederlassung kann Plocan nicht nur seine Teams vergrößern, sondern auch Projekte effizienter koordinieren. Vor allem die Zusammenarbeit mit Universitäten, Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Behörden, die bereits Teil des hiesigen Innovationsökosystems sind, soll intensiviert werden. Die zentrale Lage in unmittelbarer Nähe zu anderen wissenschaftlichen und technologischen Einrichtungen begünstigt künftig die Entwicklung neuer Aktivitäten – von der Meeresbeobachtung über die Erprobung von Meerestechnologien bis hin zur Entwicklung praxisnaher Lösungen für die maritime Umwelt.
Plocan gehört zu den spanischen „Singulären Wissenschaftlich-Technischen Infrastrukturen“ und ist auf die Erforschung und Erprobung im offenen Ozean spezialisiert. Die Einrichtung vernetzt die Kanaren mit internationalen Innovationsnetzwerken im Meeres- und Schifffahrtsbereich und verbindet Wissenschaft, Technologie sowie den Transfer von Know-how.
6,3 Millionen Euro für Wal- und Meeresschutz
Die Büroeröffnung fällt mit der Umsetzung von gleich drei internationalen Projekten auf Teneriffa zusammen, an denen Plocan beteiligt ist. Das Gesamtbudget dieser Initiativen beträgt 6,3 Millionen Euro. Die Vorhaben konzentrieren sich auf den Schutz von Walen, die Überwachung des Schiffsverkehrs und die Ausbildung von Fachkräften für die Blaue Wirtschaft.
Eines der Leuchtturmprojekte ist Atlantic Whale Deal. Es testet neue Technologien, um Kollisionen zwischen Schiffen und Walen zu vermeiden. Dazu werden akustische, visuelle und thermische Detektionssysteme entwickelt, Risikokarten erstellt und Werkzeuge zur Analyse von Lärmbelastung sowie der Rolle von Walen in den Ozeanökosystemen verbessert.
Ein weiteres Vorhaben, das Plocan koordiniert, heißt Oceansentinel. Ziel ist die Echtzeit-Überwachung von Walen und Freizeitbooten in der besonders geschützten Zone „Franja Marina Teno-Rasca“ vor der Küste Teneriffas. Geplant ist der Einsatz hochauflösender Küstenkameras sowie die Entwicklung von KI-Algorithmen, die Tiere und Schiffe automatisch erkennen. Die gewonnenen Daten sollen sowohl die wissenschaftliche Forschung unterstützen als auch das Umweltmonitoring und die Verwaltung dieses wertvollen Meeresgebiets verbessern.
Das dritte Projekt, Upwelling, wird aus dem EU-Programm Interreg Atlantic Area finanziert und in Zusammenarbeit mit Partnern aus Spanien, Portugal, Frankreich und Irland umgesetzt. Es zielt darauf ab, Talent und Innovation in der Blauen Wirtschaft zu fördern, Unternehmen den Zugang zu Testinfrastrukturen zu erleichtern und die Kooperation zwischen Forschung, Wirtschaft und Verwaltung zu stärken.
„Teneriffa wächst über den Tourismus hinaus“
Der Inselrat für Innovation, Forschung und Entwicklung, Juan José Martínez, sieht in der Ansiedlung von Plocan einen Beleg für das wachsende wissenschaftliche und technologische Potenzial Teneriffas. „Die Eröffnung des neuen Büros ist Ausdruck der dynamischen Entwicklung unseres Forschungsstandorts. Sie wird es uns ermöglichen, gemeinsame Projekte zwischen Institutionen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen noch gezielter voranzutreiben“, so Martínez.
Plocan-Direktor José Joaquín Hernández Brito betonte, dass die Einrichtung in den Bereichen Meeresbeobachtung, Erprobung von Meerestechnologien und Entwicklung von Lösungen entlang der Themen Künstliche Intelligenz, Internet der Dinge, Sensorik und Robotik arbeite.
Die Ansiedlung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Teneriffa gezielt daran arbeitet, sein Profil über den reinen Tourismus hinaus zu schärfen. Der Wissenschafts- und Technologiepark hat die Blaue Wirtschaft in seinem Innovationsmasterplan als einen der strategischen Sektoren definiert – neben anderen hochwertigen Wirtschaftsfeldern.
Ein Puzzlestück für den großen Wurf
Die neue Niederlassung allein macht die Insel noch nicht zu einem globalen Technologie-Hotspot. Doch sie stärkt ein Netzwerk, das bereits heute aus wissenschaftlichen Infrastrukturen, europäischen Projekten, spezialisiertem Wissen und der Fähigkeit besteht, Talente anzuziehen. Die eigentliche Herausforderung wird darin bestehen, diese geballte Ressourcenkonzentration in qualifizierte Arbeitsplätze, innovative Unternehmen und Lösungen zu verwandeln, die auf den Kanaren entwickelt und später in andere Atlantikregionen exportiert werden können.

