octopusfarm las palmas gestoppt

Aus für umstrittene Octopusfarm im Hafen von Las Palmas

Projekt auf Eis gelegt

Die umstrittene Octopusfarm im Hafen von Las Palmas de Gran Canaria wird vorerst nicht gebaut. Das Unternehmen Nueva Pescanova S.L. hat bei der Hafenbehörde von Las Palmas offiziell den Rückzug seines Antrags auf die Errichtung einer Meeresfischzuchtanlage für Kraken eingereicht. Die Hafenbehörde wird das Verfahren nun einstellen, wie sie am Donnerstag mitteilte.

Wirtschaftliche und behördliche Hürden

In einem Schreiben erklärte das Unternehmen, dass es unter den gegebenen Umständen nicht sinnvoll sei, den Antrag in der ursprünglich geplanten Form weiterzuverfolgen. Grund seien die im Laufe des Verfahrens aufgetretenen neuen Gegebenheiten und insbesondere die zusätzlichen behördlichen Auflagen, die von der Autonomen Kommission für Umweltprüfung der Kanarischen Regierung gefordert wurden.

Die Hafenbehörde von Las Palmas gab daraufhin bekannt, dass das im Mai 2021 eröffnete Verfahren nun archiviert wird. Damit ist das ehrgeizige Projekt endgültig gescheitert. Nueva Pescanova betonte, dass die Entscheidung ausschließlich auf unternehmerischen und regulatorischen Erwägungen beruht, die sich aus der Entwicklung des Verwaltungsverfahrens ergeben haben. Die Entscheidung sei keinesfalls ein Eingeständnis, dass das Projekt grundsätzlich nicht realisierbar sei. Man schließe nicht aus, zu einem späteren Zeitpunkt alternative technische, ökologische oder standortbezogene Lösungen zu prüfen.

Umweltprüfung wurde zum Stolperstein

Das Unternehmen stellte klar, dass das gesamte Genehmigungsverfahren von der Erlangung der notwendigen Umweltgenehmigungen abhängig war. Diese galten als wesentliche Voraussetzung für die Fortführung des Projekts. Im Laufe der Prüfung durch verschiedene Fachbehörden wurden jedoch erhebliche Bedenken angemeldet. Zudem wurde das Projekt einer ordentlichen Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen, da die Möglichkeit schwerwiegender Umweltauswirkungen nicht ausgeschlossen werden konnte, die eine genauere Analyse erforderten.

Diese Faktoren, so Nueva Pescanova, hätten zwar nicht die grundsätzliche Umweltverträglichkeit des Projekts in Frage gestellt, aber zu einer erheblichen Veränderung der Bedingungen, des Umfangs, der Zeitpläne und der regulatorischen Anforderungen geführt. Das Unternehmen sah sich daher gezwungen, die gesamte Konzeption und Entwicklungsstrategie zu überdenken und zog letztlich den Antrag auf die Nutzung der Hafenfläche zurück.

Dimensionen des geplanten Mega-Projekts

Die von Nueva Pescanova geplante Anlage im Becken „La Esfinge“ des Hafens von Las Palmas sollte eine Fläche von etwas mehr als 50.000 Quadratmetern umfassen. Das Unternehmen hatte dafür Investitionen in Höhe von 50 Millionen Euro vorgesehen. Ziel war es, jährlich rund 3.000 Tonnen Octopus zu produzieren. Diese Menge hätte mehr als zehn Prozent der gesamten nationalen Octopus-Produktion Spaniens ausgemacht.

Widerstand von Wissenschaft und Tierschutz

Bereits in einer ersten vereinfachten Umweltprüfung waren mögliche erhebliche negative Auswirkungen festgestellt worden, darunter die Gefahr von Geruchsbelästigungen für ein nahegelegenes Passagierterminal sowie eine mögliche Verschlechterung der Wasserqualität im Hafen durch organische Abfälle. Aufgrund dieser Risiken ordnete die Kanarische Regierung die umfassendere ordentliche Umweltprüfung an.

Bereits im Oktober letzten Jahres hatte die Tierschutzorganisation „Compassion in World Farming“ einen Bericht veröffentlicht, der auf die enormen ökologischen Kosten des Projekts hinwies. Die Organisation errechnete, dass allein im ersten Betriebsjahr der Octopusfarm bis zu 28.000 Tonnen Wildfische als Futter benötigt worden wären. Seit Nueva Pescanova seine Pläne bekannt gab, formierte sich breiter Widerstand von Wissenschaftlern und Umweltschützern. Sie argumentierten, dass der Octopus eine hochentwickelte, empfindungsfähige und eher einzelgängerische Spezies sei, deren Haltung in Gefangenschaft nicht artgerecht möglich sei.

Proteste und erfolgreicher Druck

Die Opposition gegen das Projekt wuchs stetig. Mehr als 42.000 Protest-E-Mails gingen bei der Präsidentin der Hafenbehörde, Beatriz Calzada, ein, in denen die Einstellung des Verfahrens gefordert wurde. Die Organisationen AnimaNaturalis und Compassion in World Farming hatten für diesen Samstag, den 25. Juli, zu einer Protestkundgebung gegen die Octopusfarm aufgerufen. Ziel war es, die Hafenbehörde genau zu dem nun erfolgten Schritt zu bewegen: die endgültige Archivierung des Projekts. Die Demonstration wurde von einem breiten Bündnis unterstützt, darunter Eko, Ecologistas en Acción, Acción Océanos, We The Free, Raíces y Brotes, Turcón, WeMove Europe, die Aquatic Animal Alliance, das Aquatic Life Institute und Eurogrup for Animals.

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