Rücksichtslos im Naturparadies: Tourist zeltet illegal im Teno-Gebirge
Schon wieder ein Fall von grenzenloser Dreistigkeit in einem der wertvollsten Naturräume Teneriffas: Die Digitale Umweltüberwachungseinheit (UVAD) des Inselrats (Cabildo) von Teneriffa hat Ermittlungen gegen einen Touristen eingeleitet. Der Mann soll mindestens zweimal illegal im geschützten Teno-Ruralpark gezeltet und offene Feuer entzündet haben – an Orten, an denen dies strengstens verboten ist.
Mit Video zur Tat: Der Fall Sam Daniels
Der junge Tourist, der in den sozialen Medien unter dem Namen Sam Daniels (@sam10daniels auf Instagram) auftritt, stellte mehrere Videos von seinem jüngsten Aufenthalt auf der Insel online. Darauf ist zu sehen, wie er in den geschützten Wäldern Teneriffas zeltet und Feuer macht – klare Verstöße gegen die Naturschutzbestimmungen. Die UVAD sicherte die Videoaufnahmen und konnte den Urlauber identifizieren. Ihm droht nun ein Bußgeldverfahren, das je nach Schwere der Tat und verursachten Schäden mit Strafen von über tausend Euro enden kann.
Eine Reise von Marokko nach Teneriffa
Wie die Behörden mitteilten, war der junge Mann ursprünglich auf einer Motorradtour durch Marokko unterwegs. Er reiste offenbar nach Teneriffa, um sein Aufenthaltsdokument für das nordafrikanische Königreich zu verlängern. Nach einigen Tagen auf der Insel kehrte er nach Marokko zurück – allerdings nicht, ohne zuvor die Naturschutzgesetze der Kanaren zu missachten.
„So fangen viele Brände an“: Der Appell eines Meeresbiologen
Die Beamten der UVAD waren jedoch nicht die Einzigen, die auf die Verstöße von @sam10daniels aufmerksam wurden. Auch der Meeresbiologe Pablo Martín, auf Instagram bekannt als Pablo Dive (@PabloMartinDive), prangerte das Verhalten des Touristen an. „Man muss solche Dinge anprangern und ihnen Sichtbarkeit geben, denn wenn wir, diejenigen, die hier leben, diese Inseln lieben und versuchen, sie zu schützen, nicht darüber sprechen, wird es niemand tun“, sagte der engagierte Umweltschützer und Wissenschaftler.
Pablo Martín ergänzte: „@sam10daniels kam nach Teneriffa, um illegal zu zelten, machte mitten im Wald Feuer an Orten, an denen es absolut verboten ist, und hat das Ganze auch noch geteilt, als wäre es das Normalste der Welt. Dann fragen wir uns, wie viele Brände entstehen.“ Besonders besorgt zeigte sich der Biologe über die mangelnden Konsequenzen in vielen solcher Fälle: „Das Beunruhigende ist, dass solche Taten oft folgenlos bleiben – sei es aufgrund fehlender Mittel, der Schwierigkeit, bestimmte Gebiete zu kontrollieren oder weil die Gesetzgebung einfach immer noch zu lasch ist gegenüber denen, die so fragile Naturräume wie unsere gefährden.“
Aufgrund der Kritik und der öffentlichen Empörung entfernte der Tourist die Videos von seinem Instagram-Profil. Die UVAD hatte die Beweise jedoch bereits heruntergeladen und die Untersuchung eingeleitet.
Die neue Waffe gegen Umweltfrevel: Digitale Überwachung
Die Digitale Umweltüberwachungseinheit (UVAD) wurde erst im vergangenen Jahr von der Abteilung für Natur des Inselrats von Teneriffa ins Leben gerufen. Ihre Aufgabe: Umweltverstöße in den Schutzgebieten der Insel aufzuspüren, zu dokumentieren und zu ahnden – insbesondere jene, die in sozialen Medien oder im Internet öffentlich zur Schau gestellt werden. Die neue Einheit reagiert damit auf die wachsende Zahl von Beiträgen, die umweltschädliches Verhalten zeigen und gegen geltende Vorschriften verstoßen.
Die UVAD besteht zunächst aus zwei festen Mitarbeitern, die operativ von den Umweltagenten des Inselrats unterstützt werden. Wie die Inselrätin für Natur, Nachhaltigkeit, Sicherheit und Notfälle, Blanca Pérez, erklärte, besteht ihre Arbeit darin, „Beiträge zu analysieren, Indizien zu sammeln, technische Berichte zu erstellen und Bußgeldverfahren einzuleiten, wenn die festgestellten Verstöße in Gebieten begangen werden, die in die Zuständigkeit des Inselrats fallen.“
Im Fall des rücksichtslosen Touristen sammeln die UVAD-Mitarbeiter nun alle erforderlichen Informationen, um das Verfahren abzuschließen und ein Bußgeld zu verhängen.
Tatort Teno-Ruralpark: Ein Juwel der Natur
Die Vorfälle ereigneten sich im Teno-Ruralpark. Dieser liegt im äußersten Nordwesten Teneriffas auf einem alten Vulkangebirgsstock und erstreckt sich vom Meeresspiegel bis in die Gipfelregionen. Das Gebiet umfasst Teile der Gemeinden Buenavista del Norte, Los Silos, El Tanque und Santiago del Teide. Bereits seit 1987 stand die Fläche als Naturpark unter Schutz, 1994 wurde sie durch das kanarische Raumordnungsgesetz (Ley 12/1994 de Espacios Naturales de Canarias) offiziell als Ruralpark umklassifiziert.
Der Teno-Ruralpark beherbergt einen immensen Reichtum an wissenschaftlich, landschaftlich, ethnografisch und historisch bedeutenden Werten sowie eine große Artenvielfalt mit vielen endemischen Pflanzen und Tieren. Hier finden sich die größten und am besten erhaltenen Vorkommen von Wolfsmilchgewächsen und Säulenwolfsmilch (tabaibas und cardones) der Insel, Endemismen wie der Cardoncillo (Ceropegia dichotoma) sowie Wälder aus Lorbeer und Kiefern. Das Teno-Gebirge wurde von der Europäischen Union zudem zum Vogelschutzgebiet (ZEPA) erklärt. Es ist neben der Mesa de Guaza im Süden Teneriffas der einzige Lebensraum einer auf der Insel endemischen Echsenart: der kürzlich entdeckten Gefleckten Eidechse oder Teno-Eidechse (Gallotia intermedia).
Aufgrund dieser besonderen ökologischen Empfindlichkeit ist das Zelten und das Entzünden von Feuern im Teno-Ruralpark strikt untersagt.

