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Hantavirus-Alarm auf Teneriffa: TV-Sender verbreitet Experten-Märchen

Panikmache im öffentlich-rechtlichen TV?

Der kanarische Fernsehsender Televisión Canaria sorgt mit einer Sendung für Aufsehen, die in ihrer Argumentation an die flacherdlerischen Thesen von Regionalpräsident Fernando Clavijo erinnert. Konkret geht es um den angeblichen Gefahrenherd, der von der Aufnahme des Expeditionsschiffs „Hondius“ im Hafen von Granadilla ausgehen soll – jenem Schiff, auf dem ein Hantavirus-Ausbruch gemeldet wurde. Bereits am vergangenen Samstagnachmittag, Stunden bevor das Schiff an der Küste Teneriffas anlegte, lud die Sendung Entre Nosotras (produziert von Videre im Auftrag des öffentlich-rechtlichen Senders) einen angeblichen Spezialisten ein. Es handelte sich um den Schifffahrts- und Marineautor Fernando García Echegoyen, der zuvor bereits in der Sendung Horizonte von Íker Jiménez als seriöser Experte auftrat.

„Keine rechtliche, keine moralische Verpflichtung“

García Echegoyen verbreitete wortgewaltig eine These, die seit Tagen im Internet kursiert: „Spanien hat keine rechtliche Verpflichtung, keine moralische Verpflichtung. Weder Völkerrecht noch sonst was!“ Auf die Frage, ob das Schiff statt vor Granadilla zu ankern nicht hätte anlegen müssen, warnte der Marineexperte in der Sendung eindringlich vor beiden Optionen. Seine These gleicht verblüffend einer Behauptung, die ohne Grundlage von Kanarenpräsident Fernando Clavijo verbreitet wird: dass sich im Inneren des Schiffs Mäuse und Ratten befinden sollen, die an Land springen oder sogar losschwimmen könnten, um das Virus zu übertragen, das sie angeblich in sich tragen.

Selfie-Gefahr und Rattenplage

Der angebliche Experte behauptete öffentlich, die Kombüse der Hondius müsse „von Mäusen wimmeln“, die auf einer vorherigen Station beim Proviant an Bord gelangt seien. Aber nicht nur die Nagetiere bereiten ihm Sorgen. García warnte auch vor den Gefahren durch neugierige Touristen, die sich um das Schiff herumtreiben könnten. Diese, so betonte er immer wieder, wollten vielleicht sogar ein Selfie machen. Die Realität hält jedoch eine entscheidende Information bereit: Die Mäuse, die angeblich das Ehepaar angesteckt haben sollen, das als Patient Null gilt, befanden sich gar nicht auf dem Schiff, sondern an Land. Die Ansteckung erfolgte während eines Ausflugs in Patagonien, bei dem das Paar Vögel beobachten wollte.

Verschwörungstheorie oder Realität?

Vor diesem Hintergrund wirkt die Warnung vor einer Touristenansammlung um ein Schiff, das ohnehin von den spanischen Behörden überwacht wird, um die Passagiere in ihre Heimatländer zu bringen, reichlich abenteuerlich. Die Berichterstattung des Senders wirft daher die Frage auf, wie ein öffentlich-rechtliches Medium derart alarmistische und teilweise unbelegte Thesen verbreiten kann, ohne die tatsächlichen Fakten zu prüfen.

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