Hantavirus-Alarm auf der „HV Hondius”: Kanaren aktivieren Schutzprotokoll
Die kanarische Regierung hat den Seuchenplan für ansteckende Krankheiten aktiviert – Grund ist die Ankunft des Kreuzfahrtschiffs „HV Hondius” vor der Küste Teneriffas, an Bord wurde ein Hantavirus-Ausbruch gemeldet. Wie Regierungssprecher Alfonso Cabello am Donnerstagabend nach einer Koordinationssitzung mit dem spanischen Staat in Teneriffa mitteilte, soll die „HV Hondius” am kommenden Sonntag in kanarischen Gewässern eintreffen. Der Umgang mit dem Krisenfall war zuvor mit den zuständigen Ministerien abgestimmt worden.
Kein Anlegen im Hafen: Das Schiff ankert vor der Küste
Der kanarische Präsident Fernando Clavijo stellte am Vormittag klar: „Das Hantavirus-Schiff wird nicht im Hafen von Granadilla anlegen, sondern vor der Küste ankern. Die Evakuierung der Passagiere erfolgt unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen.” Clavijo betonte, dass die Reisenden sofort nach dem Betreten des Festlands zum Flughafen gebracht werden. „Sie verlassen das Schiff erst, wenn das Flugzeug gelandet ist.” Die Regionalregierung rechnet damit, bereits am Freitag das endgültige Protokoll für den gesamten Ablauf zu erhalten – von der Verankerung des Schiffs bis zur Ankunft der Evakuierungsflieger. Dieses Papier wird von der Gesundheitsbehörde für das Ausland (Sanidad Exterior) erstellt und übermittelt.
Gesundheitszustand: Bislang symptomfrei, aber unter Beobachtung
Die Behörde Sanidad Exterior hat die kanarische Regierung darüber informiert, dass der Gesundheitszustand aller Passagiere und der Crew „unter den gegebenen Umständen gut” sei. „Keiner von ihnen zeigt seit dem 28. April irgendwelche Symptome.” Alle 72 Stunden wird der Regierung die sogenannte Maritime Gesundheitserklärung (DMS) vorgelegt – ein Dokument, das über den sanitären Zustand der Betroffenen Auskunft gibt. Der erste Bericht ist bereits eingegangen, die nächsten beiden folgen am Freitag und Samstag. Danach wird die Meldepflicht auf einen Zwölf-Stunden-Rhythmus umgestellt.
Der Eingang dieser Gesundheitserklärung wird in den kommenden Stunden den Autoprotektionsplan der Hafenbehörde von Santa Cruz de Tenerife auslösen. Dieser Plan legt detailliert fest, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die nötigen Kapazitäten und das jeweilige Aktionsniveau für jede Phase der Krise zu definieren.
Koordinierung auf Hochtouren: Krisentreffen am Freitag
Bereits am Freitag wird sich die kanarische Exekutive erneut mit dem spanischen Staat abstimmen: Um 8:00 Uhr steht ein weiteres Koordinationstreffen an, um 9:30 Uhr folgen vertiefende Gespräche mit der Schifffahrtsbehörde (Capitania Marítima), Sanidad Exterior und der Hafenbehörde. Um 18:00 Uhr wird die Koordinierung mit dem Staat fortgesetzt. Die Entscheidung, den Seuchenplan zu aktivieren, bedeutet eine maximale Zusammenarbeit zwischen der Abteilung für besondere Anforderungen am Hospital Universitario de La Candelaria, dem kanarischen Gesundheitsdienst (Servicio Canario de Salud) und allen weiteren beteiligten Stellen.
Konkret wurde das Krankenhaus angewiesen, sich auf einen möglichen Einsatz dieser Spezialeinheit vorzubereiten. „Grundsätzlich wurde uns mitgeteilt, dass das erwartete Protokoll vorsieht, dass selbst positiv getestete Passagiere direkt in ihre Heimatländer ausgeflogen werden könnten”, so Cabello.
Warum Ankern statt Anlegen? Der Wind spielt eine Schlüsselrolle
Präsident Clavijo hatte die zuständigen Minister am Donnerstag davon überzeugt, dass die „HV Hondius” nicht im Hafen von Granadilla anlegen, sondern auf der Reede ankern soll. Der kanarische Epidemiologe Amós García Rojas erklärte gegenüber dieser Zeitung: „Das Ankern oder Anlegen hat keinen Einfluss auf ein höheres oder geringeres Risiko. Das Risiko einer Ansteckung mit Hantavirus ist ohnehin sehr gering. Für die Bevölkerung unserer Inseln ist es sogar extrem niedrig.”
Für die 88 Passagiere und die 65 Besatzungsmitglieder (darunter ein Spanier) hat das Ankern jedoch konkrete Auswirkungen – vor allem durch den vorherrschenden Wind. Die mittlere Windgeschwindigkeit in der Gegend liegt bei etwa 20 km/h, zu bestimmten Jahreszeiten sogar über 30 km/h. Die Passatwinde sind dort so stark, dass in unmittelbarer Nähe, am Strand von El Cabezo in El Médano (weniger als drei Kilometer vom Pier entfernt), Weltmeisterschaften im Windsurfen ausgetragen werden. Der Wind wird das Schiff deutlich stärker bewegen als beim Anlegen, und die Ausschiffung mit Beibooten wird dadurch schwieriger, besonders für ältere Menschen.
Der einzige Vorteil: Schutz vor Nagetieren
Der einzige Vorteil, den Hafenexperten im Ankern gegenüber dem Anlegen sehen: die praktisch ausgeschlossene Möglichkeit, dass ein Nagetier von Bord der „HV Hondius” während des Festmachens an Land springt – oder umgekehrt. „Eine ziemlich unwahrscheinliche Möglichkeit, wenn man bedenkt, dass es sich um ein Schiff mit sehr strengen Hygienemaßnahmen handelt – wie mehrere Passagiere berichteten – und die Gangway erst im Moment der Ausschiffung angelegt wird. Zudem sind alle Festmacherleinen mit speziellen Sicherungsscheiben versehen, die das Überqueren von Tieren in beide Richtungen verhindern.” Hinzu kommt: Die Ansteckung an Bord erfolgte nicht auf dem Schiff selbst, sondern vermutlich durch den Kontakt zweier Ausflügler mit Mäusekot während eines Landgangs.
Evakuierungsplan: Direkt zum Flughafen
Zum Evakuierungsprotokoll erklärte die kanarische Regierung, dass bereits alle Länder, deren Staatsbürger von der Krise betroffen sind, kontaktiert wurden. Derzeit sei bestätigt, dass drei Flugzeuge auf der Insel eintreffen werden – aus den USA, Großbritannien und Spanien. „Morgen um 10:00 Uhr erwarten wir die Antworten der übrigen Länder, mit denen wir Kontakt aufgenommen haben”, so der Regierungssprecher. Für die Besatzung des Schiffs gilt im Bedarfsfall das Seerecht: Das für sie zuständige Land ist das, dessen Flagge das Schiff führt – in diesem Fall die Niederlande. Zudem wurde bei anderen Nationen um Unterstützung im Notfall gebeten.
„Wir warten darauf, dass uns morgen das detaillierte Protokoll vorgelegt wird, das ab der Ankunft des Schiffs zu befolgen ist. Gleichzeitig arbeiten wir an der Koordination aller weiteren Maßnahmen, um sicherzustellen, dass alles unter maximalen Sicherheitsgarantien für das Personal des kanarischen Gesundheitsdienstes, die beteiligten technischen Kräfte und – unsere größte Sorge – die Bevölkerung der Kanarischen Inseln abläuft”, schloss Cabello.

