Großrazzia auf hoher See
Beamte der Zentralen Operativen Einheit (UCO) der Guardia Civil haben im Atlantik einen Frachter mit einer gewaltigen Ladung Kokain gekapert. Nach Informationen der Nachrichtenagentur EFE aus Ermittlerkreisen könnte es sich um einen der größten jemals in Spanien sichergestellten Drogenfunde handeln. Der Frachter mit dem Namen „Arconian“ und seine Besatzung trafen am späten Sonntagnachmittag im Hafen von Las Palmas de Gran Canaria ein, eskortiert von einem Patrouillenboot der Guardia Civil.
Fahrtziel Libyen – ein Tarnmanöver?
Das in dieser neuen Operation gegen internationale Drogennetzwerke gekaperte Schiff war am vergangenen 22. April aus Freetown (Sierra Leone) ausgelaufen. Offiziell gab der Kapitän als Ziel den Hafen von Bengasi in Libyen an. Berichten der Zeitung „El País“ zufolge wurde der Frachter jedoch vor der Küste von Dakhla in der Westsahara aufgebracht. Insgesamt wurden 23 Personen festgenommen.
Ermittlungen unter Verschluss
Die Operation läuft auf Anordnung der Nationalen Audienz (Audiencia Nacional), dem höchsten spanischen Strafgerichtshof, und unter strenger Geheimhaltung. Die Guardia Civil lehnte es daher bislang ab, Einzelheiten zu nennen. Dennoch deuten die von EFE befragten Quellen an, dass die beschlagnahmte Drogenmenge diejenige noch übertreffen könnte, die im Januar auf dem Frachter „United S“ sichergestellt wurde.
Der Vorgänger-Rekord: Fast zehn Tonnen
Die „United S“ war damals von der Nationalpolizei rund 545 Kilometer westlich von El Hierro geentert worden. Das Rauschgift – fast zehn Tonnen (exakt 9.994 Kilo) – wurde anschließend im Hafen von Santa Cruz de Tenerife an Land gebracht. Die Polizei bezeichnete dies zum damaligen Zeitpunkt als den größten jemals auf See in ganz Europa sichergestellten Fund. Bei der als „Marea blanca“ (Weiße Flut) getauften Operation wurden 13 Besatzungsmitglieder festgenommen. Neben dem Rauschgift beschlagnahmten die Ermittler damals auch eine Schusswaffe.
Internationale Zusammenarbeit
An der aktuellen Operation waren neben der spanischen Guardia Civil auch die US-amerikanische Drogenbekämpfungsbehörde DEA, die britische National Crime Agency (NCA), die brasilianische Bundespolizei, das spanische Zentrum für nachrichtendienstliche Zusammenarbeit gegen Terrorismus und organisierte Kriminalität (CITCO) sowie das Maritime Analyse- und Operationszentrum (MAOC) beteiligt.
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