Historischer Schritt für die Zimmermädchen der Kanaren
Das Parlament der Kanarischen Inseln hat am 15. April eine wegweisende Norm verabschiedet. Auf Initiative der Sozialistischen Fraktion aus dem Jahr 2024 müssen touristische Komplexe auf den Inseln künftig höhenverstellbare Betten und motorisierte Reinigungswagen installieren. Ziel ist es, die physische Belastung der Zimmermädchen, die auf den Inseln oft als „Kellys“ bezeichnet werden, deutlich zu reduzieren. Dieser Erfolg ist jedoch nicht über Nacht gekommen, sondern das Ergebnis eines jahrelangen Kampfes.
Ein jahrzehntelanger Kampf für bessere Arbeitsbedingungen
Um die Forderungen der Kellys zu verstehen, muss man zehn Jahre zurückblicken. Im Jahr 2016 organisierten sie sich erstmals als Kollektiv, um ihre Arbeitsbedingungen anzuprangern. Im Fokus stand vor allem die gesundheitliche Verschleißerscheinungen durch die schwere körperliche Arbeit. Sie forderten umfassendere gesetzliche Änderungen, darunter auch eine vorzeitige Rente. Der Grund: Viele Arbeiterinnen sind aufgrund der extremen Belastung bereits vor Erreichen des Mindestrentenalters gesundheitlich nicht mehr in der Lage, ihren Job auszuüben. Die neue Regelung berücksichtigt Besonderheiten für die kleineren „grünen Inseln“ (La Palma, La Gomera, El Hierro) und kleine Gemeinden, sieht Strafen bei Nichteinhaltung vor und gewährt eine flexible Umsetzungsfrist bis 2033. Von der Pflicht ausgenommen sind denkmalgeschützte Betriebe mit maximal 30 Zimmern.
Von ersten Subventionen zum verbindlichen Gesetz
Anfangs standen höhenverstellbare Betten nicht im Mittelpunkt der Forderungen. Die Kellys konzentrierten sich zunächst auf den allgemeinen körperlichen Verschleiß durch ihre Tätigkeiten in den Hotelkomplexen – vom Bettenmachen unter Zeitdruck über das Putzen und den Wechsel der Handtücher bis zum Wischen der Böden. Doch ihre Bewegung markierte den Beginn eines historischen Arbeitskampfes. Im November 2023 kündigte die damalige Tourismus- und Arbeitsministerin der Kanarenregierung, Jéssica de León (PP), eine Subvention für den privaten Sektor an, um traditionelle Hotelbetten durch höhenverstellbare Modelle zu ersetzen. Ob dies jedoch gesetzlich festgeschrieben würde, blieb offen.
Der parlamentarische Weg und Widerstände
Den konkreten gesetzlichen Vorstoß gab es Anfang 2024 durch die PSOE auf den Kanaren. Sie schlugen im Regionalparlament eine Änderung des kanarischen Tourismusgesetzes (Ley 7/1995) vor, um die Pflicht zur Installation höhenverstellbarer Betten in touristischen Komplexen – mit einigen Ausnahmen – gesetzlich zu verankern, ähnlich wie es bereits im balearischen Tourismusgesetz der Fall ist. Dieser erste Versuch scheiterte am Widerstand der damaligen Kanarenregierung (CC-PP). Sie lehnten den parlamentarischen Weg ab und bevorzugten eine Regelung per Dekret, da ein Gesetz aus ihrer Sicht „mit höheren Kosten verbunden“ sei. Die Sozialisten sahen in ihrem Entwurf vor, dass die Regionalregierung einen Teil der Kosten für die Anschaffung der Betten in Betrieben mit weniger als 50 Betten übernehmen sollte, plus ein Sanktionsverfahren und einen stufenweisen Einbauplan von 2025 bis 2029.
Studien, Druck und finaler Durchbruch
Die Regionalregierung beauftragte unterdessen eine Studie zu den psychosozialen und ergonomischen Bedingungen im kanarischen Hotelgewerbe. Das Tourismusministerium betonte, diese Analyse diene der Identifizierung von Risikofaktoren, nachdem Techniker insgesamt 228 Hotels auf den Inseln besucht hatten. Basierend auf den Ergebnissen würden notwendige Maßnahmen umgesetzt – eine gesetzliche Pflicht für höhenverstellbare Betten wurde weiterhin nicht erwähnt. Das Thema gewann jedoch stetig an politischer und gewerkschaftlicher Dynamik und drängte sich mit Nachdruck auf die parlamentarische Tagesordnung. Schließlich widersprach das Regionalparlament der Regierungsmeinung und stimmte einstimmig für die gesetzliche Regelung. Im Dezember 2025 gab der Konsultativrat der Kanaren (Consejo Consultivo) grünes Licht für den Gesetzentwurf.
Inhalt und Ziel der neuen Regelung
Laut dem sozialistischen Entwurf ermöglicht die Maßnahme dem Reinigungspersonal, die Höhe des Bettes zu verstellen. So kann die Arbeitshöhe so angepasst werden, dass die Reinigung des Bodens oder der Bereiche unter dem Bett erleichtert und die Gesundheit der Beschäftigten geschützt wird. Ausgenommen von der allgemeinen Pflicht sind Betriebe, die sich in denkmalgeschützten Gebäuden befinden, einen familiären Tourismusbetrieb darstellen oder aufgrund ihrer sehr kleinen Größe von der Regelung befreit werden sollten. Die Kellys drängten stets auf eine schnelle Umsetzung, da sie weiterhin dieselbe körperliche Strapaze in einem ihrer Ansicht nach mühsamen und wenig anerkannten Job ertragen mussten.
Verabschiedung und Zukunftsperspektive
Im April 2026 war es dann so weit: Das Plenum des Kanarischen Parlaments verabschiedete die Änderung des Tourismusgesetzes. Einzige Enthaltung kam von Vox, die das Gesetz spöttisch als „Pikolin-Gesetz“ (in Anspielung auf eine bekannte Matratzenmarke) bezeichneten. Der Initiator der Vorlage, Gustavo Santana (PSOE), bezeichnete das neue Gesetz als „magnífica“ (großartig). Er wies darauf hin, dass derzeit nur etwa 12% der kanarischen Hotels über höhenverstellbare Betten und nur 6% über motorisierte Reinigungswagen verfügten. „Es wird bewiesen, dass man zugunsten der Arbeiterklasse Gesetze machen kann, mit einem ausgewogenen und flexiblen Gesetz, um die Einführung der Betten und Wagen in den kommenden Jahren zu ermöglichen“, so Santana. Und er fügte einen bedeutenden Satz hinzu: „Dieses Gesetz bedeutet eine Investition, es ist keine Ausgabe.“

