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Reiseagentur auf Gran Canaria soll Kunden um Tausende Euro betrogen haben

Angezahlte Traumreise zum Indianos-Fest entpuppt sich als Albtraum

Etwa zwanzig Personen, die bei der Reiseagentur Aray Tours Canarias S.L. im Centro Comercial San Fernando in Maspalomas auf Gran Canaria gebucht hatten, haben Anzeige bei der Polizei erstattet. Sie sehen sich als Opfer eines mutmaßlichen Betrugs beim Verkauf von Reise-Packages für das berühmte Indianos-Fest auf La Palma. Trotz Zahlungen, die in einigen Fällen 1.900 Euro überstiegen, erhielten sie weder Flugtickets noch eine Unterkunftsbestätigung – und auch ihr Geld wurde nicht zurückerstattet.

Gestaffelte Zahlungen und leere Versprechungen

Am 19. März 2025 buchten vier Kunden über Aray Tours Canarias S.L. eine Reise nach La Palma für den Zeitraum vom 13. bis 17. Februar 2026. Verantwortlich zeichnete sich die Geschäftsführerin B.A.P. mit Büro im genannten Einkaufszentrum in Maspalomas (San Bartolomé de Tirajana). Laut der dieser Redaktion vorliegenden Anzeige übermittelte die Agentin per WhatsApp die Paketbedingungen: Direktflug und Unterkunft in Los Cancajos sowie ein Ratenzahlungsmodell. „Ab September forderte sie von uns Vorauszahlungen“, erklärt einer der Geschädigten, J.M.B., gegenüber unserer Redaktion. Die Agentin verlangte eine Anzahlung von 150 Euro pro Person zur Platzsicherung, gefolgt von drei weiteren Raten à 115 Euro, die im Juni, September und Dezember fällig wurden, um den Gesamtpreis zu begleichen. Insgesamt überwies die vierköpfige Gruppe so 1.980 Euro an das Unternehmen für Flug und Unterkunft.

Buchungsbestätigungen blieben aus

Am 16. Juli 2025 informierte B.A.P. laut Anzeige erneut per WhatsApp, die Flugplätze für Freitag, den 13. Februar 2026 um 19:55 Uhr seien nun gesichert. Allerdings schickte sie weder ein Ticket noch eine Buchungsreferenz, die diese Reservierung belegte. Als die Kunden am 31. Januar dieses Jahres erneut nach der genauen Adresse der Apartments und den Flugtickets fragten, erhielten sie per E-Mail lediglich einen Flugvorschlag der Airlines Binter und Canary Fly – wiederum ohne Buchungsbestätigung.

Eigene Nachforschungen bestätigten schlimmste Befürchtungen

Als J.M.B. und seine Freunde merkten, dass der Reisetermin näher rückte und von der Reiseveranstalterin weder eine Unterkunftsnummer noch eine Buchungsreferenz kam, riefen sie selbst bei den Hotels an. Die Antwort war niederschmetternd: „Bei uns liegt keine Reservierung auf Ihren Namen vor.“ Die direkte Nachfrage bei beiden Fluggesellschaften ergab dasselbe Bild: Es existierte keine bestätigte Buchung auf ihren Namen. Daraufhin forderten sie die sofortige Rückerstattung des gesamten Geldes – eine Forderung, der die Agentin laut ihrer Schilderung bis heute nicht nachgekommen ist.

Kein Einzelfall: Im Netz mehren sich negative Erfahrungsberichte

Bei ihrer eigenen Recherche stießen die Geschädigten im Internet auf zahlreiche negative Bewertungen anderer Nutzer über Aray Tours Canarias S.L. Diese beschreiben ähnliche Erfahrungen mit Verweisen auf ausbleibende Zahlungen, stornierte Buchungen und verzögerte Geldrückgaben. In den letzten Tagen häufen sich zudem die Zeugnisse weiterer Betroffener, die ihrerseits ihre Reise zum Indianos-Fest verloren haben, nachdem sie monatelang Raten an dieselbe Agentur im Süden Gran Canarias gezahlt hatten.

Möglicher Straftatbestand der Betrugs

Die in der Anzeige geschilderten Vorgänge könnten einen Betrugstatbestand erfüllen. Geldbeträge wurden unter dem Versprechen der Organisation von touristischen Dienstleistungen übergeben, die nach Angaben der Geschädigten nie gebucht wurden. Zusätzlich wurde die Rückzahlung verweigert. Die Betroffenen haben als Beweismittel ihre Banküberweisungen, die WhatsApp-Konversationen mit B.A.P. sowie die öffentlichen Google-Bewertungen über das Unternehmen vorgelegt. Sie betonen, dass die Überweisungen und Bizum-Zahlungen stets auf das Privatkonto der Geschäftsführerin und nicht auf ein Firmenkonto der S.L. gingen.

Agentur verweist auf finanzielle Schwierigkeiten

In einer schriftlichen Mitteilung an einige Kunden führt die Direktorin der Agentur, B.A.P., das Geschehen auf einen finanziellen Zusammenbruch zurück, der das Unternehmen in eine „sehr komplizierte wirtschaftliche Situation“ gebracht habe. In dem Schreiben, das unserer Redaktion von Betroffenen zugespielt wurde, zeigt sich B.A.P. „der verursachten Unannehmlichkeiten und Unsicherheit voll bewusst“ und gibt an, „intensiv daran zu arbeiten, die notwendigen Mittel zu beschaffen, um unseren Verpflichtungen so schnell wie möglich nachkommen zu können“. Laut dieser Mitteilung habe die „einzige Person, die uns derzeit das notwendige Kapital zur Verfügung stellen kann, gestern den entsprechenden formalen Antrag gestellt“ und man warte auf Antwort. Die Agentur hoffe, dass das Verfahren „in den nächsten Tagen positiv gelöst“ werden könne. B.A.P. habe den Kunden Fotos mit der Telefonnummer des Kreditinstituts und Screenshots der durchgeführten Schritte geschickt, um den laufenden Finanzierungsantrag zu belegen. Ihre „absolute Priorität“ sei es, diese Situation so schnell wie möglich zu lösen und „verantwortungsvoll allen unseren Verpflichtungen nachzukommen“. Sie dankt den Kunden für ihr Verständnis und ihre Geduld.

„Bis das Gesetz sie stoppt“ – Geschädigte hoffen auf Gerechtigkeit

Aktuell hängt an der Tür der Reiseagentur ein Schild, das eine vorübergehende Schließung ankündigt. Gleichzeitig werden aber weiterhin neue Reise-Packages angeboten, konkret für den Motorrad-Grand-Prix in Jerez mit Abflug von Gran Canaria. Für J.M.B. ist klar: „Sie wird damit weitermachen, bis das Gesetz sie aufhält.“ Er hofft, „dass sie es niemandem mehr antut“. Die Geschädigten setzen ihre Hoffnung nun auf die Justiz und ein Strafverfahren, bei dem Tausende von Euro Privatvermögen auf dem Spiel stehen.

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