Ein historischer Meilenstein für die Energieversorgung
Teneriffa und La Gomera haben ihre bisher isolierten Stromnetze erstmals miteinander verbunden. Möglich macht dies ein 36 Kilometer langes Unterwasserkabel, das eine Investition von 145 Millionen Euro erforderte. Die neue Verbindung soll helfen, komplette Stromausfälle, sogenannte „energetische Nullen“, auf beiden Inseln zu vermeiden, da sie sich nun gegenseitig unterstützen können.
Technische Meisterleistung in großer Tiefe
Die von Red Eléctrica errichtete Infrastruktur wird durch zwei Umspannwerke in El Palmar (La Gomera) und Chío (Teneriffa) komplettiert, die weitere 32 Millionen Euro kosteten und als Verbindungspunkte dienen. Dies wurde an diesem Donnerstag bei der offiziellen Inauguration der Leitung in San Sebastián de La Gomera bekannt gegeben. Beatriz Corredor, Präsidentin der Redeia-Gruppe, zu der Red Eléctrica gehört, bezeichnete das neue Drehstrom-Seekabel mit 66 Kilovolt als „Meilenstein der Ingenieurskunst“. Das Kabel wurde speziell für diese Verbindung entwickelt, da die Meerestiefe zwischen den Inseln an einigen Punkten über 1.200 Meter beträgt.
Politische Einigkeit für mehr Versorgungssicherheit
An der Einweihungszeremonie nahmen hochrangige Politiker teil, darunter der Präsident der Kanarischen Regierung, Fernando Clavijo, der Minister für Territorialpolitik, Ángel Víctor Torres, sowie die Präsidenten der Inselregierungen (Cabildos) von La Gomera und Teneriffa, Casimiro Curbelo und Rosa Dávila. Corredor würdigte die gemeinsame Arbeit aller Verwaltungen, Institutionen, Unternehmen und Bürger, die dieses „essenzielle Projekt für die Sicherheit der Stromversorgung auf den Kanaren“ möglich gemacht habe. Nun könnten die Bewohner beider Inseln einen Service mit denselben Qualitätsstandards wie im Rest Spaniens genießen.
Das Ende der gefürchteten „Ceros Energéticos“?
Casimiro Curbelo, Präsident des Cabildo von La Gomera, dankte allen Beteiligten für ein Werk, das „in die Geschichtsbücher eingehen“ werde. Es überwinde endgültig das Risiko neuer Strom-Blackouts, was „kein Luxus, sondern eine Garantie für Gerechtigkeit und Gleichheit“ sei. Die Insel La Gomera mit ihren 22.162 Einwohnern hatte in den letzten zweieinhalb Jahren zwei große Stromausfälle erlitten: einen fast 60-stündigen im Juli 2023 und einen zweistündigen im vergangenen Januar. Auf Teneriffa (ca. 970.000 Einwohner) datiert der letzte große „Cero“ aus dem Jahr 2020 und dauerte sieben Stunden.
Ein Quantensprung nach Jahrzehnten des Wartens
„Vor etwas mehr als einem Jahrhundert begann der Strom auf dieser Insel zu fließen. Diese Geschichte erzählt von etwas Tiefergehendem, sogar von jenem Zeitalter, sie erzählt vom kollektiven Wunsch, das Leben unserer Menschen zu verbessern“, sagte Curbelo. „Heute machen wir einen qualitativen Sprung, der über Jahrzehnte ein sehnlicher Wunsch war.“ Minister Torres betonte den Aspekt des territorialen Zusammenhalts in einer Zeit, in der sich oft Grenzen und Barrieren durchzusetzen scheinen. Er bezog sich auch auf Klimawandelleugner und Gegner erneuerbarer Energien.
Ein Modell für die Zukunft des Archipels
Regierungspräsident Clavijo gratulierte Curbelo zu seinen Bemühungen, die Insel anzuschließen und sicherer zu machen. „Diese Arbeit markiert einen Meilenstein. Es sind viele Millionen Euro im Meer, ein beispielloser technologischer Aufwand (…). In einigen Jahren wird man auf diesen Moment als einen blicken, der die Konnektivität und Sicherheit von abgelegenen Inseln für immer verändert hat“, so Clavijo. Bislang waren auf dem Archipel nur Lanzarote und Fuerteventura elektrisch miteinander verbunden. Alle anderen Inseln haben weiterhin isolierte Stromsysteme. Das neue Kabel ermöglicht es La Gomera zudem, mehr erneuerbare Energie zu erzeugen, als die Insel selbst verbraucht, da Überschüsse nach Teneriffa abgeführt werden können.

