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Teneriffa: Erste Doppeldecker-Guagua startet auf der Südautobahn

Historischer Start: Die erste Doppeldecker-Guagua rollt über Teneriffa

Es war ein Moment voller Erwartung: Wie würde Teneriffa von oben aussehen? Oder genauer gesagt: Wie würde die Südautobahn von der zweiten Etage eines Doppeldeckerbusses aus wirken? Die Szene hatte fast etwas von einem Schulausflug – Medien, Verantwortliche aus der Politik, Techniker von TITSA und jene kindliche Neugier, die sich einstellt, wenn etwas Alltägliches plötzlich aus einer anderen Perspektive betrachtet wird.

30 Kilometer voller neuer Eindrücke

Von den Betriebshöfen in Cuevas Blancas bis zur Ausfahrt 34 der TF-1 in Richtung Fasnia und Las Eras legte der Bus 30 Kilometer absoluter Neuheit zurück. An diesem Dienstag rollte der erste Doppeldecker von TITSA als Generalprobe für eine neue Ära des öffentlichen Nahverkehrs auf der Insel auf die Straße. Die Jungfernfahrt wurde von Rosa Dávila angeführt, begleitet von Eulalia García und Victoria Padilla. Am Steuer saß Yurena, die Fahrerin, die ab dem heutigen Mittwoch, dem 1. Juli, das Fahrzeug auf den Linien 110 (zwischen Santa Cruz und Los Cristianos) und 112 (zwischen Santa Cruz und Playa de las Américas) einsetzen wird.

Die Fahrt weckte Kindheitserinnerungen an die damaligen Busausflüge, bei denen fast der Geruch von gebratenen russischen Steaks – kalt natürlich – und russischem Kartoffelsalat in der Luft zu liegen schien. Doch diesmal roch es nicht nach Verpflegung, sondern nach Neubeginn. Der Bus war fabrikneu und bereit, die Insel zu befahren.

Technische Highlights, die begeistern

Der Bus ist eine echte Innovation: Statt herkömmlicher Außenspiegel setzt er auf ein System aus hochauflösenden Digitalkameras, die den Fahrer unterstützen. Alle Sitze verfügen über Dreipunkt-Sicherheitsgurte und USB-Anschlüsse zum Laden mobiler Geräte. Das Unterdeck ist komplett barrierefrei und für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ausgelegt: Eine doppelte Einstiegshilfe (elektrisch und manuell), barrierefreie Druckknöpfe und verbesserte visuelle Informationssysteme sorgen für uneingeschränkte Zugänglichkeit. Zudem ist das Fahrzeug mit einem sogenannten Alcoholock ausgestattet – einem Wegfahrsperren-System, das den Motor blockiert, sollte der Fahrer einen positiven Alkoholtest abliefern.

44 Prozent mehr Platz: Die neue Kapazität

Dávila erklärte, dass die ersten ausgewählten Routen Langstreckenlinien sind, die vor allem von Pendlern genutzt werden, die zwischen Santa Cruz und dem Süden zu verschiedenen Tageszeiten unterwegs sind. Die neuen Einheiten erhöhen die Kapazität pro Fahrt um 44 Prozent: von etwa 59 Plätzen in einem konventionellen Bus auf 85 Plätze, davon 18 im Unter- und 67 im Oberdeck.

Allein im vergangenen Jahr beförderten die Linien 110, 112 und 108 rund vier Millionen Fahrgäste. Der Inselrat (Cabildo) rechnet damit, diese Zahl auf sechs Millionen zu steigern. Der Einsatz ist Teil einer umfassenderen Strategie zur Verbesserung der Mobilität. Innerhalb von drei Jahren wurden 351 neue Busse beschafft, bei einer Investition von 125 Millionen Euro – bei gleichzeitiger Beibehaltung der kostenlosen Nutzung für Vielfahrer.

„Unsere Obsession war es, die Mobilität auf der Insel Teneriffa zu verbessern“, betonte Dávila und rief die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, öfter das eigene Auto stehen zu lassen und für den Weg zur Arbeit oder zu Bildungseinrichtungen auf den Bus umzusteigen.

Daten und Fakten: Ein beeindruckendes Fahrzeug

Die von der Firma Ayats in Girona gefertigten Busse messen 14,60 Meter in der Länge, über vier Meter in der Höhe und wiegen leer etwa 19.000 Kilogramm, beladen bis zu 26.000 Kilogramm. Juan Carlos González, Fahrlehrer bei TITSA, fasste die Herausforderung des Fahrens bildlich zusammen: „Wir bewegen ein Fahrzeug, das leer so schwer ist wie ein voll beladener Lkw.“ Bereits 60 Fahrer wurden geschult, die Planung sieht letztlich 90 vor.

Intelligente Technik für mehr Sicherheit

Die Technik war einer der großen Hingucker. Der Bus verzichtet auf herkömmliche Rückspiegel und setzt stattdessen auf Digitalkameras, die das Sichtfeld des Fahrers erweitern und tote Winkel kontrollieren. Das System erkennt Fußgänger, Motorräder oder Fahrräder an den Fahrzeugseiten und warnt je nach Geschwindigkeit und Fahrmanöver. „Es ist ein intelligentes Fahrzeug“, sagte González. „Ihm fehlt nur noch die Sprache“, scherzte jemand.

Der Fahrgast als Hauptdarsteller

Doch die Chronik der Premiere bestand nicht nur aus Zahlen. Sie hatte auch einen unerwarteten Hauptdarsteller: Manuel Ramos López, einen Anwohner aus Las Galletas. Er war eigentlich nur zum Spazierengehen unterwegs, aber der Wind ließ ihn seine Route ändern, und so entschied er sich, einen Bus nach Santa Cruz zu nehmen. Unverhofft und auf persönliche Einladung von Rosa Dávila landete er in dem historischen Gefährt. „Ich bin super glücklich“, erzählte er. Als regelmäßiger Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel, der aber auch manchmal das Auto nimmt, fasste er seine Philosophie einfach zusammen: „Man muss sparen, mein Junge.“ Auf die Frage nach dem neuen Bus zögerte er nicht: „Genial, fantastisch. Super gut.“ Seine Anwesenheit verlieh der Premiere die menschliche Note. Angesichts der Investitionssummen, Kapazitäten und Kilometerzahlen stand Manuel für den Alltagsfahrer: jemanden, der an einer Haltestelle wartet, wegen des Wetters seinen Plan ändert, sich auf der Insel fortbewegt und in den Bus einsteigt, der gerade kommt. Diesmal in einen besonderen Bus – höher und moderner.

Der Blick von oben: Eine neue Perspektive

Das abschließende Bild war neu: Ein Doppeldeckerbus, der über die Südautobahn fährt. Von oben wirkte die Straße anders. Von außen sah Teneriffa ein Fahrzeug, das bis dahin nicht zu seinem alltäglichen Landschaftsbild gehörte. Jenseits der Neuheit wird die Herausforderung auf denselben Autobahnen bestehen bleiben: ob mehr Kapazität, Technik und Komfort ausreichen, damit mehr Bürger das Auto stehen lassen und in den Bus umsteigen.

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