Teneriffas neuer Blick nach oben: Vom Himmelsgucker zum Raumfahrtakteur
Teneriffa will mehr sein als nur ein erstklassiger Ort, um das Universum zu beobachten. Die Insel strebt danach, selbst Weltraumtechnologie zu entwickeln, Satelliten zu steuern, Daten auszuwerten und Unternehmen der neuen Raumfahrtökonomie anzuziehen. Um dieses Ziel zu erreichen, wird an diesem Freitag, dem 31. Juli, im Plenum der Inselregierung (Cabildo) ein Antrag der Parteien Coalición Canaria (CC) und Partido Popular (PP) verabschiedet. Dieser fordert die Unterstützung der spanischen Zentralregierung, der Kanarischen Regionalregierung sowie der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) für die Strategie ‚Tenerife Space Horizon‘. Die von den Fraktionssprechern José Miguel Ruano (CC) und Lope Afonso (PP) eingebrachte Initiative zielt darauf ab, dass die staatlichen und kanarischen Stellen bei der ESA für eine aktive Beteiligung an den auf der Insel entwickelten Technologieprojekten werben.
Satellitenkonstellation und Teleport im Fokus
Der Antrag fordert ausdrücklich die Unterstützung für den Ausbau der Satellitenkonstellation „Islas Canarias“ und des geplanten Teleports von Teneriffa. Ebenso soll die Einbindung der wissenschaftlichen und technologischen Zentren der Insel in europäische Raumfahrt-Innovationsprogramme wie ESA BIC, Horizon Europe und CEF Digital vorangetrieben werden. Vorgesehen ist zudem die Schaffung von Modellen für eine öffentlich-private Kofinanzierung, um die Kontinuität der Projekte zu sichern und wissenschaftliche Investitionen in unternehmerische Aktivitäten, Technologietransfer und qualifizierte Arbeitsplätze zu verwandeln.
Kein Neuanfang: Vorhandene Stärken bündeln
Der Vorstoß von CC und PP geht nicht von null aus. Teneriffa verfügt bereits über Forschungszentren, Telekommunikationsinfrastrukturen, Rechenkapazitäten und Projekte in den Bereichen Erdbeobachtung, Astrophysik, Satellitenkommunikation und Datenverarbeitung. Dieses Ökosystem ist in der Strategie ‚Tenerife Space Horizon‘ gebündelt, einem Dach, das die Kapazitäten des Technologie- und Erneuerbare-Energien-Instituts (ITER), des Wissenschafts- und Technologieparks Teneriffa (PCTT) und des IACTEC-Umfelds vereint. Zu den wichtigsten Elementen gehören die „Constelación Islas Canarias“ – eine Gruppe von Satelliten, die auf der Insel gebaut werden und wertvolle Daten für vielfältige Überwachungs- und Kontrollfunktionen liefern sollen –, der künftige Insel-Teleport sowie Projekte wie Celeste, das vom Instituto de Astrofísica de Canarias (IAC) entwickelt wird, um in optischen Technologien, wissenschaftlicher Instrumentierung und Anwendungen des sogenannten New Space voranzukommen. Das Ziel ist es, dass Teneriffa in verschiedenen Phasen der Raumfahrt-Wertschöpfungskette eingreifen kann: von der Forschung und Komponentenentwicklung über den Satellitenbetrieb, den Signalempfang und die Informationsverarbeitung bis hin zur Schaffung von Dienstleistungen für Unternehmen und Institutionen.
Geografische Trumpfkarte zwischen drei Kontinenten
Die geografische Lage der Kanaren zwischen Europa, Afrika und Amerika wird als einer der Wettbewerbsvorteile des Projekts hervorgehoben. Hinzu kommen die internationale Anbindung der Insel, die technologische Infrastruktur des ITER, das langjährige Wissen des Instituto de Astrofísica de Canarias und die Möglichkeit, spezialisierte Räume für Neugründungen zu schaffen. Der Antrag kommt nur wenige Tage, nachdem der Regierungsrat des Cabildo eine zusätzliche Investition von 850.000 Euro bewilligt hat, um die vom PCTT verwalteten Flächen zu erweitern und zu modernisieren. Laut der Inselverwaltung ist dies auf die hohe Auslastung ihrer Einrichtungen und das wachsende Interesse innovativer Unternehmen zurückzuführen, ihre Projekte von Teneriffa aus zu entwickeln.
Investitionsschub für den Wissenschaftspark
Der neue Kredit ist für Ausbau- und Modernisierungsarbeiten, die Beschaffung technologischer Ausrüstung, die Digitalisierung, die Einführung von Management-Tools und die Schaffung neuer Räume für wissenschaftliche und unternehmerische Aktivitäten bestimmt. Zu den begünstigten Einrichtungen gehören das Gebäude in Cuevas Blancas, die neuen Flächen des Technologieparks, Barranco Grande, Nanotec, Innovaparq ULL und IACTEC sowie der Digitalisierungsplan des PCTT selbst. Mit dieser Aufstockung steigt die spezifische Kapitaleinlage, die 2025 begann, von 567.000 Euro auf 1,4 Millionen Euro. Die Haushaltsänderung erhöht zudem die für das Projekt im Jahr 2026 verfügbaren Mittel von 681.000 auf 1.531.000 Euro. Diese Finanzierung ist unabhängig von der mehrjährigen Investition von 1,3 Millionen Euro für den Bau des Reinraums in Cuevas Blancas – einer Einrichtung, die speziell für wissenschaftliche und technologische Aktivitäten vorbereitet ist, die kontrollierte Umgebungen und extrem niedrige Kontaminationswerte erfordern. Die neue Finanzspritze ermöglicht somit ergänzende Maßnahmen und erweitert die Aufnahmekapazität für technologiebasierte Unternehmen.
Wachstum als Verantwortung: Diversifizierung der Wirtschaft
Die Präsidentin des Cabildo, Rosa Dávila, betont, dass die nahezu vollständige Auslastung der Parkflächen belege, dass immer mehr Unternehmen ihre Projekte von der Insel aus entwickeln wollten. „Es ist unsere Verantwortung, weiter zu wachsen, neue Chancen zu schaffen und erstklassige Infrastrukturen anzubieten, um Talente, Investitionen und hochqualifizierte Arbeitsplätze anzuziehen“, so Dávila. Sie argumentiert, dass Innovation dazu beitragen müsse, die Wirtschaft der Insel zu diversifizieren und jungen Menschen berufliche Perspektiven in den Bereichen Wissenschaft, Technologie und Digitalisierung zu eröffnen. Der Ausbau der wissenschaftlichen Pole fügt der in dem Antrag verfolgten Raumfahrtstrategie ein konkretes Element hinzu. Teneriffa benötigt staatliche und europäische Unterstützung, um größere Projekte anzugehen, aber auch Räume, in denen sich Unternehmen ansiedeln können, die auf Basis dieser Infrastrukturen Produkte und Dienstleistungen entwickeln.
Vom Wissen zum Wirtschaftsfaktor: Der ESA-Faktor
Die Herausforderung besteht nicht nur im Bau von Antennen, Kontrollzentren oder wissenschaftlichen Einrichtungen. Die Strategie zielt darauf ab, das im IAC, ITER, IACTEC, der Universität La Laguna und dem PCTT generierte Wissen in die lokale Wirtschaft zu überführen. Die Aufnahme in ESA-Programme könnte diesen Prozess durch den Zugang zu Finanzmitteln, technischer Beratung, Unternehmensnetzwerken und Inkubationsmechanismen für Start-ups erleichtern. Die im Antrag erwähnten ESA-BIC-Inkubatoren sind genau dazu gedacht, Unternehmen zu unterstützen, die Weltraumtechnologien nutzen oder kommerzielle Anwendungen auf der Basis von Daten, Kommunikationssystemen und Technologien aus der Raumfahrt entwickeln. Der Zugang zu Horizon Europe und CEF Digital würde es ebenfalls ermöglichen, Mittel für Forschung, Konnektivität, Digitalisierung und den Ausbau strategischer Infrastrukturen einzuwerben.
Der Traum vom atlantischen Technologieknoten
Das Ziel des Cabildo ist es, Teneriffa als einen Technologieknotenpunkt im Atlantik zu etablieren, der europäische Projekte mit Afrika und Amerika verbinden kann. Dazu muss die Insel ihre geografischen Vorteile mit einem ausreichenden Angebot an Infrastruktur, Finanzierung, spezialisierter Ausbildung und Unternehmensräumen kombinieren. Die Zusatzinvestition in den Wissenschafts- und Technologiepark deckt ein Teil dieser Bedürfnisse ab. Der am Freitag zu debattierende Antrag zielt darauf ab, eine weitere Lücke zu schließen: die spanischen und kanarischen Verwaltungen sowie die europäischen Institutionen in eine Strategie einzubinden, die Allianzen benötigt, um an Größe zu gewinnen. Der Ansatz ist, dass Teneriffa sich nicht darauf beschränkt, prestigeträchtige Wissenschaftszentren zu beherbergen, sondern dass es in der Lage ist, dieses Wissen in Unternehmen, technologische Dienstleistungen und hochqualifizierte Arbeitsplätze umzuwandeln. Das Plenum des Cabildo muss nun über eine Initiative entscheiden, die die Position der Insel in einem wachsenden Sektor stärken soll. Teneriffa verfügt bereits über Forscher, Projekte und sich im Aufbau befindliche Infrastrukturen. Der nächste Schritt wird sein, die notwendigen Partner und Finanzmittel zu gewinnen, um daraus einen echten Technologie- und Raumfahrtpol im Atlantik zu formen.
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