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32 Wächter für den Teide: So kämpft Teneriffa gegen das Chaos

Aufbereitet mit Hilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage spanischsprachiger Informationen. Quelle unter dem Artikel.

Kein Platz mehr für Gleichgültigkeit

Einen Umweltagenten im Teide-Nationalpark zu treffen, war bis vor Kurzem schwieriger, als einem Mufflon zu begegnen – der scheuesten Art des Schutzgebiets. Doch diese Zeiten sind vorbei. „Entschuldigung, hier ist das Rauchen nicht erlaubt“, erinnert eine der neuen Aufseherinnen in ihrer sandfarbenen Hose und dem weinroten Hemd eine einheimische Touristin auf dem frisch renovierten Parkplatz der Roques de García. Die Frau wirft die Zigarette auf den Boden und macht Anstalten, sie dort liegen zu lassen. „Heben Sie sie bitte wieder auf.“ Widerwillig gehorcht die Urlauberin und sucht einen Abfalleimer. Seit Mai hat sich das Team der Schützer des UNESCO-Welterbes von zwei auf 32 Personen vergrößert. Und das ist spürbar.

14 neue Umweltagenten und 16 Wildhüter, unterstützt von weiteren Sicherheitskräften, haben das Gefühl von Chaos beendet, das lange im meistbesuchten Schutzgebiet Spaniens herrschte – 5,1 Millionen Besucher kamen 2025. Genau hier, am belebtesten Punkt dieses vulkanischen Freilichtmuseums, postieren sich Yésica Concepción (45) und Sara Cabello (35). Ihre Aufgabe: sicherstellen, dass niemand die Wege verlässt, Steine einsteckt, Müll hinterlässt oder eine Zigarette anzündet. „Das hier ist das beste Büro, das man sich vorstellen kann“, sagt Yésica und schweift mit dem Blick über die Landschaft, die zu den meistfotografierten der Insel gehört – den berühmten „Finger Gottes“ (Roque Cinchado) im Vordergrund, den majestätischen Teide im Hintergrund.

Autorität mit grünem Daumen: 1.300 Kontrollen, 120 Anzeigen

Yésica und Sara sind die neue Autorität im Park. Sie dürfen Verstöße ahnden und Bußgelder verhängen – basierend auf dem neuen Plan Rector de Uso y Gestión (PRUG), der am 4. Dezember 2025 in Kraft trat. Die Bilanz kann sich sehen lassen: 1.300 Kontrollen und 120 Anzeigen in nur drei Monaten. Doch Zwang ist nicht das oberste Ziel. „Prävention und Umweltbildung stehen im Mittelpunkt“, betonen beide. Die häufigsten Verstöße der letzten Wochen hängen mit dem jüngsten Verbot zusammen: Seit dem 19. Juni ist das Rauchen im gesamten Naturpark untersagt. Trotz Hinweisschildern an strategischen Punkten hat es sich noch nicht überall herumgesprochen. Auch andere Regelverstöße sind weiterhin an der Tagesordnung: das Verlassen der Wege, falsches Parken, das Entnehmen von Gestein und Pflanzen oder sogar das Übernachten, vor allem in Wohnmobilen.

Geduldsprobe am Parkplatz: Der Kampf mit dem Verkehr

Gegen 13 Uhr, kurz vor der Rushhour, wird es am Parkplatz der Roques de García eng. Wildhüter Daniel Padilla und sein Kollege, in brauner Uniform und reflektierender Warnweste, versuchen die Schlangen aus Mietwagen und Bussen zu sortieren. „Wo soll ich parken?“, fragt ein von der Hitze geplagter Fahrer. „Aktuell ist hier alles voll“, antwortet Padilla. „Versuchen Sie es drüben auf dem anderen Parkplatz, aber hier dürfen Sie nicht stehen bleiben.“ Die Wildhüter, erfahren im Umgang mit der Natur, verstärken die Umweltagenten vor allem bei den Kontrollen an den Hauptzugängen. Schluss ist mit Bildern von Fahrzeugen mitten auf der Straße, Quads, die über Wege donnern, oder Autos, die geschützte Pflanzen zerstören. Auch die wilde Partystimmung an den Aussichtspunkten der Nordwestseite, mit Blick auf Arona, Adeje oder La Gomera, gehört der Vergangenheit an – zumindest wird jetzt auf Ordnung geachtet.

Ein neues Kapitel: Der Cabildo übernimmt das Ruder

Die verstärkte Überwachung und der neue PRUG waren nur der Anfang. Am 7. Mai 2026 übertrug die kanarische Regierung die vollständige Verwaltungskompetenz für den Teide-Nationalpark an den Inselrat (Cabildo) von Teneriffa. Seit 2007 gehört das Gebiet zum UNESCO-Weltkulturerbe – und das aus gutem Grund: ein außergewöhnliches Landschaftsbild, das zu den spektakulärsten der Welt zählt, mit Vulkankegeln und Lavaströmen in einer einzigartigen Farb- und Formenvielfalt. Dazu eine reiche Artenvielfalt mit einem hohen Anteil endemischer Pflanzen und einer bemerkenswerten Wirbellosen-Fauna. 168 Pflanzenarten gedeihen hier, 50 sind endemisch, 15 davon nahezu exklusiv. Und natürlich thront über allem der Vulkan selbst: Mit 3.715 Metern ist er der höchste Punkt Spaniens, der drittgrößte Vulkan der Welt und der höchste Gipfel im Atlantik.

„Keine Straflosigkeit mehr“: Die neue Linie des Cabildo

Blanca Pérez, Umweltministerin des Cabildo, ist deutlich: „Im Teide herrscht keine Straflosigkeit mehr.“ Sie betont, dass nicht nur die neuen Umweltagenten und Wildhüter für eine Rund-um-die-Uhr-Präsenz sorgen, sondern auch andere Einheiten ihre Präsenz verstärkt haben: Einheiten der Kanarischen Polizei, der Guardia Civil und der Brandbekämpfungsbrigade Brifor waren bei einem Rundgang durch das Gebiet an ausgewählten Aussichtspunkten und Parkplätzen präsent. Die Ministerin stellt klar: „Das Ziel ist nicht, Geldstrafen zu kassieren oder zu beschränken.“ Vielmehr gehe es um Prävention. „Allein die Präsenz der Beamten hat eine abschreckende Wirkung. Weniger Verstöße bedeuten nicht weniger Kontrolle, sondern dass Kontrolle Verstöße verhindert.“ Als Beispiel nennt sie das Parken: „Mit Polizeipräsenz parkt man einfach besser.“

Mehr als nur Kontrolle: Der Kampf gegen invasive Arten

Der Tag der Reportage – ein Donnerstag – stand im Zeichen der Jagd. Seit dem 2. August ist die Jagdsaison auf Teneriffa eröffnet, und der Donnerstag ist einer der erlaubten Tage. Überall im Park stehen Geländewagen und Pick-ups mit Hunde-boxen. Im Teide ist die Jagd in bestimmten Zonen erlaubt. Yésica und Sara kontrollieren Lizenzen und Genehmigungen und prüfen, ob die Beute mit Hunden – die Jagd auf Kaninchen mit Schrotflinte ist auf der Insel verboten – den Vorschriften entspricht. Diese Jagd ist notwendig. Neben Kaninchen ist vor allem der Mufflon eine Bedrohung für das empfindliche Gleichgewicht des Nationalparks. Die Art, 1971 unter Franco eingeführt, hat sich zur Plage entwickelt. Das neue PRUG hat sich zum Ziel gesetzt, die rund 200 Tiere innerhalb von fünf Jahren zu eliminieren. Eine Herkulesaufgabe, wie auch Pérez einräumt. Aber man werde es versuchen.

Ein Berg im Wandel: Neue Regeln, neue Erlebnisse

Die Sicherheitsoffensive ist nur ein Teil der Veränderungen. Seit November 2024 ist der Zugang zum Teide-Gipfel nur noch mit Genehmigung möglich. Nicht-Residenten müssen eine Ökosteuer von bis zu 25 Euro zahlen, die Besucherzahl ist auf 300 pro Tag begrenzt. Im Juli wurde nach sechs Jahren Schließung die komplett sanierte Altavista-Schutzhütte wiedereröffnet. Übernachtungen auf 3.200 Metern sind nun wieder möglich – für den finalen Anstieg zum höchsten Punkt Spaniens im Morgengrauen. Der Cabildo arbeitet zudem an einem neuen Mobilitätsplan, der den Individualverkehr zu Gunsten von Shuttle-Bussen („guaguas“) einschränken soll. „In ein paar Monaten wird er fertig sein“, so Pérez. Die Besucher sollen den Park künftig überwiegend mit dem kollektiven Verkehrsmittel erreichen – „komfortabel, agil und nachhaltig“. Gleichzeitig will man die Sonderaktionen bei Massenansturm, wie bei Schneefällen oder dem jüngsten Sonnenfinsternis-Event und den Perseiden-Sternschnuppen, beibehalten und weiter verbessern.

„Bildung bewirkt mehr als tausend Strafzettel“

Sara blickt auf ihre ersten drei Monate im Park zurück. Gefragt nach besonderen Erlebnissen, sagt sie: „Mir fällt eine positive Begebenheit ein: Eine Frau hat auf ihrem Spaziergang allen Müll eingesammelt, den sie am Wegesrand gefunden hat.“ Sara und ihre Kollegin Yésica, die früher auf La Palma im Umweltbereich tätig war, sind sich einig: „Aufklärung bewirkt viel mehr als tausend Anzeigen.“ Deshalb nutzen sie jede Gelegenheit, um Rauchern und Pflanzenliebhabern zu erklären, dass die Arten im Teide – wie die markante Retama – Feuer nicht überleben. Viele dieser Büsche, die hier überall wachsen, gibt es nur hier. Jedes einzelne Exemplar, so unscheinbar es auch wirken mag, ist schützenswert – für ein empfindliches Ökosystem, das es so kein zweites Mal auf der Welt gibt.

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