Vorsicht bei der Beobachtung des Himmelsspektakels
Das Institut für Astrophysik der Kanarischen Inseln (IAC) erinnert an die Notwendigkeit äußerster Vorsicht bei der Beobachtung der nächsten partiellen Sonnenfinsternis am 12. August 2026. Das Naturphänomen wird von einer großen Fläche Spaniens aus sichtbar sein und mit Sicherheit enormes Interesse in der Bevölkerung wecken. Die Wissenschaftler warnen jedoch eindringlich: Direktes Blicken in die Sonne, selbst während einer Finsternis, kann schwere und irreversible Schäden an den Augen verursachen, bis hin zur Erblindung.
Projektion ist der sicherste Weg
Aus diesem Grund betont das Institut, dass die sicherste Methode zur Verfolgung des Himmelsschauspiels die Projektion des Sonnenbildes auf eine Oberfläche ist – und keinesfalls der direkte Blick. Selbst wenn nur ein Prozent der Sonnenoberfläche sichtbar ist, strahlt sie genug Energie ab, um dauerhafte Verletzungen der Lichtrezeptoren im Auge hervorzurufen. Die Sonnenfinsternis bietet zwar eine einmalige Gelegenheit, eines der beeindruckendsten astronomischen Ereignisse zu beobachten, kann aber bei unsachgemäßen Methoden schnell zur Gefahr werden.
„Triple der Finsternisse“: Spanien als Bühne
Die spanische Regierung hat zu diesem Anlass die offizielle Webseite „Triple der Finsternisse“ ins Leben gerufen. Sie informiert über die Sonnenfinsternisse der Jahre 2026, 2027 und 2028 – eine außergewöhnliche Sequenz, bei der Spanien zu den Hauptschauplätzen zählt.
Unsichtbare Gefahr für die Augen
Eine der größten Gefahren der direkten Sonneneinstrahlung ist, dass die Verletzungen nicht sofort spürbar sind. Die Symptome einer sogenannten solaren Retinopathie – einer Schädigung der Netzhaut durch Sonnenlicht – können erst Stunden oder sogar Tage später auftreten. Zu den Warnsignalen zählen verschwommenes Sehen, verzerrte Wahrnehmungen oder das Auftreten eines zentralen blinden Flecks, auch Skotom genannt, der alltägliche Aktivitäten wie Lesen oder das Fokussieren auf einen Gegenstand erheblich erschweren kann. In schweren Fällen kann die Belastung sogar zu einem Makulaloch führen, einer Schädigung, die unter Umständen operativ behandelt werden muss. Das IAC unterstreicht, dass bereits das wiederholte, ungeschützte Blicken in die Sonne für wenige Sekunden zu kumulativen Schäden führen kann.
Die goldene Regel: Indirekte Beobachtung
Die Hauptempfehlung des IAC lautet daher, die Sonnenfinsternis mittels indirekter Projektion zu beobachten. Bei dieser Methode wird das Bild der Sonne auf eine Fläche wie ein Blatt Papier, eine Wand oder einen Bildschirm projiziert, ohne dass man direkt in das Gestirn schaut. Dieses Verfahren ermöglicht es, den Verlauf der Finsternis zu verfolgen, ohne die Augen der gefährlichen direkten Sonnenstrahlung auszusetzen. Es ist eine besonders empfehlenswerte Methode für Bildungsaktivitäten, Familienausflüge oder öffentliche Plätze, an denen viele Menschen das Phänomen gleichzeitig beobachten möchten.
Nur zertifizierte Brillen sind sicher
Wer die Sonne dennoch direkt betrachten möchte, dem rät das IAC, ausschließlich zertifizierte Brillen zu verwenden, die der Norm EN ISO 12312-2:2015 für die direkte Sonnenbeobachtung entsprechen. Diese Zertifizierung ist nicht mit der von herkömmlichen Sonnenbrillen zu verwechseln. Normale Sonnenbrillen, selbst stark getönte, blockieren die Sonnenstrahlung nicht in dem Maße, das zum Schutz der Netzhaut erforderlich ist.
Totalität: Die einzige Ausnahme
Bei totalen Sonnenfinsternissen – wie denen von 2026 und 2027 – ist es nur während der Minuten der absoluten Totalität sicher, die Schutzkleidung abzunehmen. Das ist der kurze Moment, in dem der Mond die Sonne zu 100 Prozent bedeckt und die Umgebung in Dunkelheit taucht. Außerhalb dieses kurzen Intervalls muss der Schutz jederzeit aufrechterhalten werden. Dies gilt insbesondere für die partiellen Phasen vor und nach der Totalität, in denen ein Teil der Sonne sichtbar bleibt und weiterhin eine gefährliche Strahlung aussendet. In Gegenden, in denen die Finsternis nicht total ist, darf die Sonne niemals ohne geprüfte Schutzbrille oder indirekte Projektionsmethoden betrachtet werden.
Selbstgebaute Filter sind tabu
Das IAC ist in Bezug auf selbstgebaute Methoden unmissverständlich: Ungeeignet sind Sonnenbrillen, berußte Gläser, Röntgenbilder, CDs, fotografische Filme oder improvisierte Filter für Ferngläser und Teleskope. Die einzig relativ akzeptable Methode aus dem Haushalt – wenn auch mit optischen Einschränkungen – ist die Verwendung eines hochwertigen Schweißglases der Stärke 12 bis 14. Die bevorzugte Empfehlung des Instituts bleibt jedoch der Gebrauch von zertifizierten Brillen oder die Projektion des Sonnenbildes.

