Ein schwimmendes Kraftwerk für Gran Canaria
Die kanarische Regierung hält an ihren Plänen fest, im Hafen von Las Palmas ein schwimmendes Gaskraftwerk zu stationieren. Der für den ökologischen Wandel zuständige Minister Mariano Hernández Zapata (PP) betonte am Mittwoch, dass es sich um eine punktuelle und zeitlich befristete Maßnahme handele, die den Betrieb des Hafens nicht beeinträchtigen werde.
Nur als letzte Reserve gegen den Blackout
In einer Parlamentskommission widersprach Zapata damit den Bedenken der sozialistischen Opposition. Der Minister erklärte, dass das Schiff nur dann in Betrieb genommen werde, wenn auf Gran Canaria die Gefahr eines großflächigen Stromausfalls drohe. Voraussetzung sei zudem, dass alle anderen verfügbaren Kraftwerksblöcke bereits am Netz seien. Sobald die vom Festland ausgeschriebenen Ausschreibungen zur Erneuerung der Wärmekraftwerke abgeschlossen seien, werde der Frachter den Hafen wieder verlassen.
Doch genau hier liegt das Problem: Diese Ausschreibungen ziehen sich seit Jahren hin. Die erst in diesem Jahr angekündigte Ausschreibung ist erst für das Jahr 2031 terminiert. Damit steht die Insel noch mindestens fünf Jahre vor einem akuten Engpass.
Die einzige Option – und ein Schiff mit dunkler Vergangenheit
Für Zapata ist das schwimmende Kraftwerk die einzig realistische Lösung, um die Stromversorgung auf Gran Canaria zu sichern. Mit einer Leistung von bis zu 100 Megawatt könne das Schiff die kritische Lücke schließen. Zwar fährt der Frachter unter türkischer Flagge, doch der Minister versicherte, dass er alle strengen Umweltauflagen der Europäischen Union erfülle.
„Was wir auf keinen Fall tun konnten, war, tatenlos zuzusehen“, rechtfertigte Zapata die Entscheidung. Er verwies darauf, dass Batteriespeicher als Alternative noch nicht ausgereift seien, um den hohen Energiebedarf von Inseln wie Gran Canaria oder Teneriffa zu decken. Das Schiff werde zudem erst nach Abschluss der gesamten Umweltverträglichkeitsprüfung in Betrieb gehen.
Opposition sieht altbekannte Fehler
Doch die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Die sozialistische Abgeordnete Alicia Vanoostende äußerte erhebliche Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und Umweltverträglichkeit des Projekts. Sie erinnerte an die problematische Vorgeschichte des Schiffs: Es sei bereits in der Dominikanischen Republik in Ölunfälle verwickelt gewesen, habe in Südafrika zu Gerichtsverfahren geführt, die in einer Einstellung des Projekts endeten, und sei in anderen Ländern in vertragliche Konflikte geraten.
„Ein schwimmendes Wärmekraftwerk, das fossile Brennstoffe verbrennt, direkt neben Wohngebieten, Hafenanlagen und einem ökologisch wertvollen Meeresgebiet – das ist ein gefährlicher Rückschritt“, so Vanoostende. Sie forderte die Regierung auf, ihre Verantwortung nicht nur für die Stromversorgung, sondern auch für maximale Transparenz, Sicherheit und den Schutz der öffentlichen Gesundheit und der Umwelt wahrzunehmen.
Der Geist von Totisa und die fehlende Studie
Die Abgeordnete erinnerte an den massiven sozialen Widerstand gegen die frühere Müllverbrennungsanlage Totisa, die ebenfalls in der Nähe von Las Palmas de Gran Canaria errichtet wurde. „Auch damals gab es große Sorgen um die Luftqualität und die Gesundheit der Bevölkerung“, sagte Vanoostende. Sie forderte daher eine unabhängige Studie über die Auswirkungen des schwimmenden Kraftwerks auf die Luftqualität. Konkret müsse die Regierung offenlegen, welche Emissionen an Stickoxiden, Schwefeloxiden, Feinstaub und Treibhausgasen zu erwarten seien.
Darüber hinaus sei ein detailliertes Gutachten über die möglichen Gesundheitsfolgen für die Anwohner notwendig, ebenso wie ein Notfallplan für einen möglichen Ölunfall oder andere maritime Unglücke.
Widerspruch in der eigenen Politik
Vanoostende kritisierte zudem die mangelnde Kohärenz der Regierungspolitik: „Während die Bürger aufgefordert werden, ihre Emissionen zu reduzieren und auf Eigenverbrauch zu setzen, setzt die Regierung weiterhin auf fossile Brennstoffe.“ Sie forderte die Prüfung von Alternativen wie Batteriespeichern, die ihrer Meinung nach eine viel sinnvollere Lösung für die Stromerzeugung auf den Inseln darstellen würden.
Der jahrelange Stillstand und die Verantwortung
Minister Zapata wies derweil die Schuld an der aktuellen Misere der Vorgängerregierung zu. Er kritisierte die damalige Koalition – das sogenannte „Pakt der Blumen“ – scharf: „Sie hatten einen Bericht der spanischen Netzgesellschaft Red Eléctrica vorliegen, der vor der Gefahr von Blackouts warnte, und haben nichts unternommen.“
Zapata wies darauf hin, dass die Ausschreibung für neue Stromerzeugungskapazitäten auf den Kanaren eigentlich in der Verantwortung der Zentralregierung in Madrid lag. Diese sei erst in der laufenden Legislaturperiode abgeschlossen worden – mit satten 13 Jahren Verspätung. Ursprünglich hätte sie bereits unter der Regierung von Mariano Rajoy beschlossen werden müssen.
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