Milliarden-Investition im Naturparadies
Die balearische Hotelkette RIU hat die nächste Stufe ihrer Expansionsstrategie auf den Kanaren gezündet: Für das RIU Palace Tres Islas in den Dünen von Corralejo auf Fuerteventura liegt ein Modernisierungsantrag vor. Das Unternehmen hat beim zuständigen Umweltausschuss der Inselregierung (Cabildo) einen Antrag auf eine vereinfachte Umweltverträglichkeitsprüfung eingereicht. Kern des Projekts: sechs neue Hotelzimmer und eine grundlegende Erneuerung der veralteten Anlage.
Ein Resort kämpft gegen die Zeit und die Brandung
Das Dokument, das dieser Zeitung vorliegt, begründet die Notwendigkeit der Reform mit der zunehmenden Degradation des Gebäudes durch die ständige Salzwasserbelastung. Die Fassade, die Technik, die gesamte Bausubstanz – alles leide unter der extremen Meeresluft. RIU verspricht, das Hotel in ein Vorzeigeprojekt für Nachhaltigkeit zu verwandeln. Doch der Vorstoß ist heikel, denn das Hotel liegt mitten in einem Naturpark und in der Schutzzone des Küstenstreifens. Die Umweltverbände Turcón und Ben Magec haben bereits Einwände gegen das Vorhaben erhoben, das öffentlich ausgelegt wurde. Sie argumentieren: Die geplanten Reformen seien mit dem Schutz des öffentlichen Küsteneigentums und des ökologisch wertvollen Naturraums nicht vereinbar. Aus ihrer Sicht widerspricht das Projekt den Grundsätzen der ökologischen Nachhaltigkeit und dem Gemeinwohl, die eigentlich die Richtschnur für das Verwaltungshandeln sein müssten.
Vier Säulen der Erneuerung
Laut dem von Canarias Ahora eingesehenen Projektdokument stützt sich die geplante Intervention auf vier Pfeiler: die Erneuerung der Klimaanlage zur Steigerung der Energieeffizienz, die statische Ertüchtigung des Gebäudes, um den Verfall durch Alter und Umwelteinflüsse zu stoppen, die Modernisierung der Funktionalität und Barrierefreiheit sowie die Förderung von Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung, insbesondere durch den Einsatz wassersparender Technologien. Insgesamt listet das Projekt mehr als 20 Einzelmaßnahmen auf. Dazu gehören:
- Der Bau von sechs neuen Zimmern im sechsten Stock des Gebäudes
- Neue Parkplätze
- Der Austausch sämtlicher Aufzüge
- Der Austausch der Küchenabluftanlagen
- Eine Neugestaltung der Empfangshalle (Lobby)
- Ein neues Sonnendeck (Solarium)
- Ein komplett neuer Fitnessbereich
- Die Sanierung eines der Pools
- Ein neuer Spa-Bereich, der auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich ist
RIU betont in der Vorlage, dass sich die Arbeiten ausschließlich auf die bestehende Bausubstanz konzentrieren und sich auf die Innenräume, die öffentlichen Bereiche, die Servicezonen und die Sport- und Poolanlagen beschränken würden.
Mitten im Schutzgebiet der Natura 2000
Das Hotel steht auf einem 30.438 Quadratmeter großen Grundstück, das von mehreren Schutzgebieten des europäischen Natura-2000-Netzwerks durchzogen wird. Konkret betroffen sind die Besondere Schutzzone (ZEC) Corralejo, die ZEC Sebadales de Corralejo, das Vogelschutzgebiet (ZEPA) Isla de Lobos und das Vogelschutzgebiet Espacio Marino de La Bocayna. Die Region ist Lebensraum für seltene Vogelarten wie den Kleinen Sturmtaucher (Pardela cenicienta), den Wellenläufer (Paíño europeo), den Bulwersturmvogel (Petrel de Bulwer), den Triel (Alcaraván), den Sandregenpfeifer (Chorlitejo patinegro) und den vom Aussterben bedrohten Schmutzgeier (Guirre). Im Meer gedeihen die namensgebenden Seegraswiesen (Sebadales), die im Kanarischen Katalog gefährdeter und schützenswerter Arten geführt werden und eine Schlüsselrolle im lokalen Ökosystem spielen.
Das Umweltdokument räumt ein, dass die Hauptbeeinträchtigung durch das Hotel auf die Schutzzonen von den Ableitungen aus dem Hotel ins Meer ausgeht. Der Projektträger versichert jedoch, dass die geplante Modernisierung keine neuen Eingriffe in die Wasserinfrastruktur oder den Meeresbereich vorsehe und daher keine negativen Auswirkungen auf die marinen Schutzgebiete zu erwarten seien. In der Zusammenfassung heißt es, es seien keine signifikanten Effekte auf die geschützten Lebensräume prognostizierbar. Die potenziellen negativen Auswirkungen auf die Umwelt seien zeitlich begrenzt, reversibel und von geringer Intensität, so RIU – vor allem während der Bauphase.
„Zwingend notwendig“ oder „Etikettenschwindel“?
Die Hotelkette argumentiert, die Modernisierung sei „zwingend erforderlich, um die Sicherheit der Bausubstanz und die ökologische Nachhaltigkeit zu gewährleisten“ und gleichzeitig die Hotelqualität zu steigern. Das Gebäude, das im Naturraum Grandes Playas und auf öffentlichem Küstenland steht, leide unter einer „kritischen technischen und energetischen Veralterung“ sowie einer massiven Materialermüdung durch die Salzwasserbelastung. Von den drei von RIU geprüften Alternativen hat sich das Unternehmen für die dritte Variante entschieden: die komplette Schließung des Hotels während der Bauphase. Diese Option erlaube eine „schnelle, sichere und tiefgreifende Modernisierung“ und mache aus dem veralteten Komplex einen „Vorreiter für ökologische Nachhaltigkeit im Schutzgebiet“.
Die Umweltgruppen Turcón und Ben Magec sehen das anders. Sie fordern die Behörden auf, „entschlossen und im Rahmen der geltenden Gesetze zum Wohle der Allgemeinheit zu handeln“. Konkret verlangen sie den effektiven Abschluss des Abrisses des ebenfalls auf den Dünen stehenden Hotels Oliva Beach und die vollständige Wiederherstellung des besetzten Naturraums. Zudem solle das Verfahren zur Enteignung der Konzession des Hotels Tres Islas weiterverfolgt werden. In der Stellungnahme, die dieser Zeitung vorliegt, wettert Turcón gegen die beiden Hotels: Sie seien „ein schlechtes Beispiel dafür, wie man keine nachhaltige Tourismuspolitik betreibt“, da sie das „ökologische Kapital, das die eigentliche Attraktion darstellt, zubauen“. Damit, so die Kritiker, werde das Recht der Bürger auf die Nutzung des öffentlichen Raums und auf den Erhalt der Umweltgüter gefährdet. Für Turcón und Ben Magec würden die Enteignung der Konzession und der Abriss der Hotels „den Dünen von Corralejo, Fuerteventura und der gesamten kanarischen Gesellschaft zugutekommen“. Sie appellieren an die öffentlichen Verwaltungen, zu zeigen, ob sie wirklich auf der Seite des Landschafts- und Gemeinwohls stünden: „Es geht darum, auf ein wirklich nachhaltiges Tourismusmodell hinzuarbeiten, das nicht ausbeuterisch ist und sich am Gemeinwohl orientiert – nicht an den Privilegien und Profiten weniger.“
Vom Vorzeigeobjekt zum Dauerstreitfall
Die Auseinandersetzung um das Hotel Tres Islas und das benachbarte Oliva Beach hat eine lange Vorgeschichte. Beide Häuser erhielten von der Organisation Ecologistas en Acción die „Schwarze Flagge“ für besonders schwerwiegende Umweltverstöße – konkret für die rechtswidrige Besetzung des öffentlichen Küstenraums. Bereits 2017 hatte RIU drei Reformprojekte für das Oliva Beach vorgelegt, von denen zwei wegen Verstoßes gegen das Küstenschutzgesetz abgelehnt wurden. Erst im April 2024 bestätigte die Audiencia Nacional (Oberster Gerichtshof) den Verzicht des Unternehmens auf diese Pläne. Im Juli 2023 leitete die Generaldirektion für Küstenschutz ein neues Verfahren zur Feststellung der Verwirkung der Konzession für das Hotel Tres Islas ein. Die ursprüngliche Konzession war 2007 per Ministerialerlass an die Firma Sonco Canarias, die später von RIU übernommen wurde, vergeben worden – gültig bis 2037. Die Auflage: Höhe und Fläche des Hotels durften nicht verändert werden. Doch kaum ein Jahr später stellte die Küstenaufsicht fest, dass ohne Genehmigung Anbauten vorgenommen worden waren. Es wurde ein Bußgeld von 10.885 Euro verhängt, verbunden mit der Anordnung, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Da diese Auflage nicht erfüllt wurde, eröffnete die Behörde 2021 ein Verfahren zur Konzessionsentziehung. Die zuständige Generaldirektion für Küstenschutz, die dem Ministerium für den Ökologischen Wandel untersteht, stellte 2023 fest, dass das Verfahren von 2021 die maximale Bearbeitungsfrist überschritten hatte. Weil die illegalen Bauten aber immer noch existierten, wurde das Verfahren 2023 neu aufgerollt. Wie die Umweltschützer anprangerten, ließ man es erneut ohne endgültige Entscheidung im Sande verlaufen.
2025 wurde schließlich der Abriss der illegalen Suiten auf der Dachterrasse des Hotels Tres Islas durchgesetzt – eine Reaktion auf die Forderungen des Ministeriums. Doch Turcón-Ecologistas en Acción nannte diese Aktion einen „rein kosmetischen Fleckentferner“. Der Abriss sei „keine Wiedergutmachung des dem öffentlichen Küstenraum zugefügten Schadens, sondern reine Imagepflege“. Obwohl die kanarische Regierung seit 2023 eigene Zuständigkeiten im Küstenschutz hat, verweist sie auf Anfrage dieser Zeitung zur aktuellen Rechtslage des Hotels auf die Zuständigkeit des Staates. Eine Anfrage an das zuständige Ministerium blieb bislang unbeantwortet.
Der juristische Kniff: Reform trotz Konzession
In seinem Umweltdokument weist der Projektträger darauf hin, dass sich das Hotel im öffentlichen Küstenraum befindet, die bestehende strukturelle Einheit aber über eine gültige Verwaltungskonzession für die Nutzung verfüge. Daher beruft sich RIU auf das Küstenschutzgesetz 2/2013 vom 29. Mai. Dieses Gesetz erlaubt dem Konzessionsinhaber, solange die Konzession gültig ist, Reparatur-, Verbesserungs-, Konsolidierungs- und Modernisierungsarbeiten durchzuführen – allerdings nur unter der Bedingung, dass weder das Volumen, die Höhe noch die Fläche der bestehenden Gebäude verändert werden. Genau diese Auflage hatte das Unternehmen in der Vergangenheit mit den illegalen Anbauten auf dem Dach verletzt. Ob die nun geplante Reform mit sechs neuen Zimmern mit dieser Vorgabe vereinbar ist, bleibt abzuwarten und wird mit Sicherheit die nächste Runde im Dauerstreit um die Zukunft der Hotelbauten in den Dünen von Corralejo einläuten.

