„Unerträglicher Affront“: Heftiger Widerstand gegen Hafenausbau in Arico
Die geplante Erweiterung des Hafens von Granadilla in Richtung der Gemeinde Arico sorgt für helle Aufregung. Die örtliche Opposition lehnt das Vorhaben entschieden ab. Die politische Gruppierung „Arico Somos Todos“ (Arico sind wir alle) warnt insbesondere vor den Folgen einer schwimmenden Anlage zur Regasifizierung sowie von Lagertanks für verflüssigtes Erdgas, die nur wenige Meter von den Wohnhäusern in Las Maretas entfernt entstehen sollen. Die Rede ist von einem „unerträglichen Affront“ gegenüber den Anwohnern.
Ein Industriegigant vor der Haustür
Mit diesem drastischen Begriff belegen die Kritiker die Pläne, die sie dem Präsidenten der Hafenbehörde, Pedro Suárez, zuschreiben. Demnach sollen rund eine Million Quadratmeter Land in Richtung des Nachbarortes enteignet und in Bauland umgewandelt werden. Die Absicht, die Küstenregion in ein riesiges Industrie-, Energie- und Biogas-Hub zu verwandeln, stelle eine ernsthafte Bedrohung für das Wohlergehen der Bevölkerung dar, so die Opposition. „Wir können nicht zulassen, dass die Küste von Arico zum Hinterhof und zur Energie-Müllkippe des Südens von Teneriffa wird”, erklärt José Luis Hervella, Sprecher von Arico Somos Todos. Für ihn ist klar: „Hier wird mit der Sicherheit und Gesundheit der Familien gespielt, nur um die Interessen großer internationaler Investoren zu bedienen, während ignoriert wird, dass nur wenige Meter entfernt Menschen leben, die Respekt verdienen.“
„Das Fass läuft längst über“
In dieser Angelegenheit komme noch erschwerend hinzu, dass die Gemeinde bereits jetzt unter einer „endemischen Ungerechtigkeit“ der übergeordneten Verwaltungen zu leiden habe, so Hervella. Er erinnert daran, dass Arico bereits heute „im Alleingang“ Einrichtungen von enormer inselweiter Bedeutung stemmen müsse. Dazu zählt er die Umweltanlage von Teneriffa – die Müllkippe der Insel – sowie die größte Ansammlung von Wind- und Solarparks, die das Landschaftsbild und die Zukunft der Gemeinde prägten. Der Gemeinderat beklagt, dass diese Anlagen in Arico errichtet worden seien, ohne dass es, so seine Behauptung, einen finanziellen oder sozialen Ausgleich gebe, der die Lebensqualität der Anwohner verbessere. „Dass sie uns jetzt auch noch eine Million Quadratmeter schwere Hafenindustrie direkt vor die Nase nach Las Maretas setzen wollen, ist der Tropfen, der das längst überlaufende Fass zum Überlaufen bringt“, kritisiert er.
Forderung nach Transparenz und Bürgerbeteiligung
Die Opposition wirft den Verantwortlichen zudem vor, den möglichen Ausbau des Hafens mit größter „Undurchsichtigkeit“ zu betreiben. Sie fordert daher, dass jedes Projekt strengen Umweltverträglichkeitsprüfungen unterzogen und der obligatorischen öffentlichen Auslegung zugeführt werden müsse. „Arico Somos Todos“ vertritt die Ansicht, dass die Anwohner ein Recht darauf haben, „jedes noch so kleine Detail“ über das zu erfahren, was direkt neben ihren Häusern gebaut werden soll. „Wir fordern Licht und volle Transparenz. Sobald die öffentliche Auslegung beginnt, werden wir alle notwendigen Einwände und Beschwerden koordinieren und einreichen, um dieses rechtliche und umweltpolitische Unding zu Fall zu bringen“, so die Organisation.
Nächste Schritte: Bürgermeister in die Pflicht nehmen
Gleichzeitig kündigen die Gegner sofortige Maßnahmen an. Dazu gehört, den Bürgermeister der Gemeinde zu einer dringenden Stellungnahme aufzufordern, damit dieser klarstellt, über welche Informationen die Gemeindeverwaltung zu den Enteignungsplänen verfügt, die das bislang unvollendete Hafenbecken von Granadilla erweitern sollen. Parallel dazu wollen sie einen Antrag einbringen, der den Gemeinderat dazu verpflichten soll, jegliche Erweiterung abzulehnen, die nicht einen strikten Sicherheitsabstand zu den Wohngebieten einhält. „Arico Somos Todos“ versichert, die sozialen Proteste gemeinsam mit Bürgerinitiativen zu unterstützen, um die Küste von Arico vor dem zu schützen, was sie als „unkontrollierte industrielle Invasion“ bezeichnen.
Aus dem Blickfeld geraten
Die Organisation bemängelt zudem, dass die Küste von Arico regelmäßig aus dem Fokus der Öffentlichkeit gerate, sobald über die Aktivitäten des Hafens von Granadilla gesprochen werde – obwohl Las Maretas die nächstgelegene Siedlung sei. Hervella verweist hierbei beispielhaft auf die Hantavirus-Gesundheitskrise. Damals, so seine Behauptung, habe sich die mediale Aufmerksamkeit auf El Médano und nicht auf das betroffene Las Maretas konzentriert. Seiner Meinung nach liegt dies daran, dass der Hafen den Namen Granadilla trage, was die Blicke automatisch auf diese Gemeinde lenke und die Auswirkungen auf Arico in den Hintergrund dränge. Die Opposition kündigt an, weitere Informationen zu diesem Projekt einzuholen.

