Fund im Stadtgebiet von Las Palmas
Ein besorgniserregender Fund hat die Behörden auf Gran Canaria in Alarmbereitschaft versetzt. In einem Baum im urbanen Raum von Las Palmas de Gran Canaria wurde ein Nest der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina ssp. nigrithorax) entdeckt, das Hunderte von Exemplaren beherbergte. Der Verein ADACIS (Vereinigung für die Entwicklung von Klimaschutzmaßnahmen) hat daraufhin einen vor sieben Monaten erstellten Leitfaden in Umlauf gebracht, der ein koordiniertes Vorgehen gegen den gefräßigen Eindringling vorsieht.
Eine invasive Spezies auf dem Vormarsch
Die Asiatische Hornisse gilt in Spanien seit 2010 als invasive Art. Ihren Weg ins Land fand sie über das nördliche Festland von Frankreich aus, wo sie als blinder Passagier in Holzcontainern reiste. Von dort aus breitete sie sich auf die Balearen aus, wo sie trotz erheblicher Anstrengungen nicht ausgerottet werden konnte. Nun sorgt ihr Auftauchen auf dem Kanarischen Archipel für große Besorgnis bei Institutionen, Biologen und Imkern. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die Ökosysteme der Inseln sind besonders fragil, der Schiffs- und Flugverkehr bietet der Hornisse ideale Einschleppungswege, vor allem aber ist sie ein extrem aggressiver Jäger für die über 140 Wildbienenarten der Inseln – 50 von ihnen sind auf den Kanaren endemisch. Besonders bedroht ist die Kanarische Schwarze Biene (Apis mellifera), eine einheimische Nutztierrasse, die bereits vor der Ankunft des gefürchteten Besuchers mit vielen Feinden zu kämpfen hatte, der schlimmste unter ihnen die Varroamilbe.
Warnung aus der Praxis
Für Ezequiel Navío, Sprecher von ADACIS, ist es jetzt das Wichtigste, Maßnahmen zu ergreifen, die auf den Erfahrungen von Regionen basieren, die die Hornisse bereits mit einer multidisziplinären Methode bekämpft haben. „Wir müssen begreifen, dass dies auch ein Thema der öffentlichen Gesundheit ist, denn der Stich dieses Insekts kann eine Gefahr für das menschliche Leben darstellen“, so Navío. ADACIS hat die vor sieben Monaten veröffentlichte Broschüre sowohl Institutionen als auch Bürgern zur Verfügung gestellt. Darin wird bereits vor dem Risiko einer Invasion der Vespa velutina gewarnt, die Lage der kanarischen Imkerei bewertet und es werden abgestimmte Lösungen zur Abwehr der Bedrohung vorgeschlagen. „Improvisation verursacht hohe wirtschaftliche Kosten, gefährdet die öffentliche Gesundheit und erschwert die Eindämmung der Auswirkungen auf die Artenvielfalt, insbesondere auf die Imkerei“, heißt es in dem Dokument.
Frühwarnsystem und Bürgerbeteiligung
Navío lobt die Arbeit des Netzwerks zur Früherkennung exotischer Arten (REDEXOS) der kanarischen Regierung: „Die Informations- und Reaktionsarbeit, die REDEXOS seit Bekanntwerden der Nachricht geleistet hat, ist großartig. Sie haben Experten, den Inselrat (Cabildo) von Gran Canaria, die Stadtverwaltung von Las Palmas und alle beteiligten Behörden konsultiert.“ Er betont, wie wichtig es sei, in dieser Krise „Lärm und Ablenkung“ zu vermeiden. Von nun an seien es vor allem die Imker, die das Auftauchen der Asiatischen Hornisse an ihren Bienenvölkern am besten erkennen und melden könnten. Daher wird die Einrichtung von sogenannten „Wächter-Bienenstöcken“ an strategischen Punkten wie Häfen und Flughäfen vorgeschlagen.
So können Sie helfen
Die kanarische Regierung bittet die Bevölkerung, jede Sichtung der Hornisse oder ihrer Nister umgehend zu melden. Hinweise können entweder über den Notruf 112 oder per WhatsApp an die Nummer 646 601 457 des REDEXOS-Netzwerks gegeben werden, am besten zusammen mit Fotos oder Videos der Tiere oder Nester.

