Aufbereitet mit Hilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage spanischsprachiger Informationen. Quelle unter dem Artikel.
Zwei Schluchten, 117 Millionen Euro Schäden
Sie sind die heimlichen Brennpunkte der Unwettergefahr auf Teneriffa: Die Barrancos Almeyda und Tahodio in der Hauptstadt Santa Cruz haben sich in den letzten Jahrzehnten als die teuersten Risikozonen der Insel erwiesen. Zwischen 1996 und 2024 zahlte die spanische Versicherungsgesellschaft Consorcio de Compensación de Seguros für diese beiden Schluchten mehr als 117 Millionen Euro an Entschädigungen für Schäden und Versicherungsfälle. Das entspricht stolzen 63 Prozent aller auf der Insel ausgezahlten Summen im Zusammenhang mit extremen Sturzflut-Risiken – oder anders ausgedrückt: Zwei von drei entschädigten Euro flossen in diese Gebiete.
Die Zahlen stammen aus den Daten des Versicherungskonsortiums und sind Teil einer umfassenden Analyse des Inselrats für Gewässer (Consejo Insular de Aguas de Tenerife, Ciatf). Ziel der Untersuchung ist es, die verwundbarsten Zonen der Insel für die kommenden sechs Jahre zu definieren und einen neuen Risikoplan zu erstellen.
Der Barranco Almeyda: Ein Flussbett mitten in der Stadt
Die Schlucht von Almeyda sticht dabei besonders hervor. Mit 60 Millionen Euro an Entschädigungszahlungen ist sie der Barranco mit den höchsten Schäden aller auf Teneriffa untersuchten Flussläufe. Ihr Verlauf von mehr als drei Kilometern führt mitten durch das urbane Gefüge von Santa Cruz. Die Schlucht beginnt nördlich des Zentrums, passiert das historische Viertel El Toscal, fließt am geschichtsträchtigen Fuerte de Almeyda vorbei und erreicht schließlich an der Avenida de Anaga die Küste.
Dieser Barranco ist tief von der Stadt geprägt: Der letzte Abschnitt ist kanalisiert, und direkt auf dem ehemaligen Flussbett wurden Wohnhäuser und Geschäfte errichtet. Diese Situation macht die Schlucht bei einem möglichen Hochwasser besonders gefährlich. Es ist genau diese Kombination aus hoher Schadenshistorie und der Bebauung des Barrancos, die den Ciatf dazu bewogen hat, Almeyda als einen von 19 neuen Risiko-Barrancos in den Plan für den dritten Planungszyklus aufzunehmen.
Damit gehört Almeyda künftig zu den Gebieten mit priorisierter Überwachung vor zukünftigen Fluten. Der Grund liegt auf der Hand: Das Potenzial, Gebäude zu beschädigen oder Menschen direkt zu gefährden, ist hier außergewöhnlich hoch.
Tahodio: Hohe Schäden, aber andere Ursachen
Der Barranco Tahodio hat eine gänzlich andere Charakteristik. Er entspringt in den mittleren Höhenlagen des Anaga-Gebirges, in der Nähe der Hoya de las Palomas und nahe dem Aussichtspunkt Cruz del Carmen. Von dort schlängelt er sich durch ein ländliches Tal hinab zur Küste, wo er am Stadtteil La Alegría auf das Meer trifft. Auf seinem Weg liegt die Presa de Tahodio, ein historisches Stausee-Bauwerk aus dem frühen 20. Jahrhundert.
Obwohl Tahodio mit fast 58 Millionen Euro an Entschädigungen eine ähnliche Schadenssumme wie Almeyda aufweist, fällt die Risikobewertung anders aus. Die hydraulische Gefahr ist deutlich geringer, denn die Überschwemmungen gehen hier nicht auf ein Überlaufen des Barrancos selbst zurück. Vielmehr ist das städtische Kanalsystem schlichtweg überfordert, und das Wasser sammelt sich in den Straßen. Aus diesem Grund bleibt Tahodio trotz der immensen Schäden in seiner Umgebung außen vor und wird nicht in die 27 ausgewählten Flussgebiete zur Überwachung aufgenommen.
Santa Cruz: Das Zentrum der Schäden
Die Bedeutung dieser beiden Schluchten verdeutlicht die enorme Konzentration von Schäden in der Hauptstadt. Santa Cruz de Tenerife vereint sage und schreibe 75 Prozent aller versicherten Hochwasserschäden der gesamten Insel auf sich. Doch auch andere Abschnitte im Stadtgebiet haben eine teure Historie. So summieren sich die Entschädigungszahlungen für den Barranco de Santos auf über 18 Millionen Euro. Sein Verlauf in Richtung La Laguna, im Abschnitt Santos-La Carnicería, schlägt mit weiteren drei Millionen zu Buche. Dazu kommen der Barranco del Hierro mit elf Millionen und der Barranco del Muerto, der im Großraum der Hauptstadt fast sieben Millionen Euro an Schäden verursacht hat.
Risiken außerhalb der Hauptstadt
Auch außerhalb der Hauptstadt verteilt sich das wirtschaftliche Risiko auf verschiedene Punkte der Insel – wenn auch mit deutlich geringeren Summen. Im Süden stechen vor allem Barrancos in Arona hervor. Der Barranco de Aquilino und der Barranco de La Carnada haben jeweils Entschädigungen von über zwei Millionen Euro verursacht. La Carnada zeichnet sich zudem durch eine besonders große Fläche in den höchsten Risikostufen aus. Im Nachbarort Adeje kommt der Barranco de Torviscas auf fast zwei Millionen Euro Schäden.
Die Vergangenheit als Lehrmeister
Diese Zonen sind besonders anfällig für Starkregen und Unwetter, die zunehmend durch die Folgen des Klimawandels beeinflusst werden. Die jüngere Geschichte der Insel liefert dafür erschreckende Beispiele. Im Februar 2018 fielen an einigen Orten mehr als 60 Liter Regen pro Quadratmeter, was zu schweren Überschwemmungen in La Orotava, Granadilla de Abona, La Laguna, Puerto de la Cruz und Arona führte.
Nur acht Monate später, im Oktober desselben Jahres, sorgte ein weiteres Starkregenereignis für überflutete Erdgeschosse, Probleme in den Abwassernetzen, Stromausfälle und Erdrutsche. In der Schlucht Camino del Hierro mussten vier Menschen gerettet werden. Die Vorfälle erstreckten sich über acht Gemeinden, darunter Santa Cruz, La Laguna, Güímar, Tegueste und Guía de Isora.
Die Serie der Unwetter riss in den Folgejahren nicht ab: Im Dezember 2020 gab es erneute Sturzfluten in Santa Cruz und La Laguna. Arona erlebte im Januar 2022 Überschwemmungen mit Schlamm- und Fahrzeugabgängen. Im Dezember 2022 sorgte eine DANA (ein isoliertes Tiefdruckgebiet in der Höhe) für zahlreiche Einsätze in Adeje, Güímar, Tacoronte, Puerto de la Cruz und Arico. Auch 2023 und 2024 sorgten Regenfälle und Sturmfluten für Überschwemmungen, Erdrutsche, Abpumparbeiten und Schäden an Häusern und Straßen.
Besonders präsent sind die jüngsten Ereignisse: Im November 2025 hinterließ das Tiefdruckgebiet Claudia vor allem im Südwesten und in der Isla Baja ihre Spuren. Im März 2026 sorgte Tief Therese für angeschwollene Barrancos und Überschwemmungen, was die Kanarische Regierung dazu veranlasste, den Notstand wegen Überflutungs- und Erdrutschgefahr auszurufen. Santa Cruz verzeichnete dabei mehr als 230 Einsätze, besonders betroffen war der Bezirk Anaga. Aber auch im Norden, in Städten wie Tacoronte, Puerto de la Cruz und La Orotava, konzentrierten sich die Probleme.
Ein neuer Plan für eine sicherere Zukunft
Diese gesamte Historie dient nun als Grundlage für die neue Risikokarte Teneriffas. Millionen von Euro an Schadenszahlungen, die spezifischen Eigenschaften der Flussläufe und die Erinnerung an die großen Sturzfluten werden kombiniert, um zu bestimmen, wo das Wasser erneut zuschlagen könnte und welche Orte eine prioritäre Überwachung benötigen. Das Ziel des dritten Planungszyklus ist es, dass der nächste große Regen eine besser vorbereitete Insel vorfindet und die bekannten Schluchten nicht erneut zu Schauplätzen von Notfällen werden.
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