Aufbereitet mit Hilfe künstlicher Intelligenz auf Grundlage spanischsprachiger Informationen. Quelle unter dem Artikel.
Kanaren als Tech-Standort: Wie zwei Universitäten und mutige Start-ups den Archipel zur Zukunftsschmiede machen
Es klang lange Zeit nach einer sicheren Wette, deren Einlösung sich jedoch immer wieder verzögerte. So sehr, dass es fast wie eine Überraschung wirkt, dass das unbestrittene Talent an den zwei öffentlichen Universitäten der Kanarischen Inseln nun endlich internationale Anerkennung findet. Viele hatten es bereits abgeschrieben – doch genau das ist jetzt geschehen. Das britische Portal „Newelectronics“, eine Referenz in der Elektronik- und Chip-Branche, widmete sich in seiner aktuellen Ausgabe der wachsenden Bedeutung Spaniens in diesem Sektor. Als Spitzenregionen nennt der Artikel ausdrücklich Katalonien – und den Kanarischen Archipel.
Das Fachmedium führt die Positionierung Spaniens auf „eine Kombination aus regionaler Spezialisierung, herausragender Forschung und industrieller Zusammenarbeit“ zurück. Ein Rezept, das auch die öffentlichen und privaten Akteure auf den Inseln bestätigen: Es hat den Kanaren den entscheidenden Schub verliehen. Hinzu kommt der gemeinsame Wille, die Wirtschaft zu diversifizieren, Talente zu halten und die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen.
ZEC-Steuervorteil: Das i-Tüpfelchen im Standortwettbewerb
Ein wesentlicher Baustein ist die Zona Especial Canaria (ZEC), verankert im Wirtschafts- und Steuerregime der Inseln (REF). Sie erlaubt es ansässigen Unternehmen, den Körperschaftsteuersatz auf gerade einmal vier Prozent zu senken. „Wir waren bereits in Orten wie San Francisco oder Deutschland unterwegs“, erklärt Pablo Hernández, Präsident der ZEC, und verweist auf die erfolgreiche internationale Akquise. Doch so verführerisch der Steueranreiz auch sein mag – Hernández wie auch Unternehmer und Dozenten der Branche sind sich einig: Allein reicht er nicht aus, um im globalen Wettbewerb um Finanzierung zu bestehen. Entscheidend ist die Kombination – und die nennt Hernández schlicht „brutales Talent“. Diese Mischung macht die Kanaren für Investoren nahezu unwiderstehlich.
Es gab bereits Fälle, in denen ausländisches Kapital wie ein Elefant im Porzellanladen auftauchte und die Verlagerung eines auf den Inseln gegründeten Unternehmens an einen bedeutenderen Standort forderte. Doch die schiere Fülle an technologischem Wissen ließ die Investoren umdenken. Warum nach Madrid oder Barcelona ziehen, um dort mit Großkonzernen um die besten Absolventen zu konkurrieren, wenn diese hier exklusiv zur Verfügung stehen?
Von der Robotik-Werkstatt zum Innovationsmotor: Die Wurzeln liegen in den 70ern
Dass die Kanaren heute ein hohes akademisches Niveau in diesen Bereichen vorweisen können, ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis eines langsam gegarten Prozesses über fast ein halbes Jahrhundert. Schon 1978 gründete das Colegio Universitario de Las Palmas (CULP) – der Vorläufer der heutigen ULPGC – ein Labor für angewandte Robotik. An seiner Spitze standen der verstorbene Roberto Moreno und Octavio Santana. „Die Elektronik habe ich verantwortet“, erinnert sich Antonio Núñez, emeritierter Professor der ULPGC und dritter im Bunde. Eine ihrer ersten Entscheidungen war der Kauf mehrerer Platinen mit Mikroprozessoren – „eine der ersten überhaupt“, so Núñez.
Der Bericht von Núñez, der auch die Goldmedaille der ULPGC trägt, ist essenziell, um zu verstehen, warum Generationen von Top-Experten aus den kanarischen Universitäten stets den Flieger nahmen, um ihre Lebensprojekte dort zu verwirklichen, wo Laborergebnisse auch zu Marktprodukten werden. Genau diese Abwanderung war lange die Achillesferse des Archipels: viel ausgebildetes Personal, das andernorts Karriere machte – während die Inseln die Kosten der Ausbildung trugen.
Emerge: Die Talent-Lotsin, die Forschung und Markt verbindet
Genau diese Wunde zu schließen, hat sich die „Asociación Canaria de Startups, Empresas de Base Tecnológica e Inversores Ángeles“ (Emerge) zum Ziel gesetzt, die 2015 an den Start ging. „Natürlich glaubten wir, dass hier ein Ökosystem entstehen könnte, das die Aufmerksamkeit der internationalen Bühne verdient“, sagt Braulio Quintana, heutiger Geschäftsführer der Organisation. Die Prognosen der Gründer um den damaligen Leiter Moisés Santana haben sich erfüllt. „Wir waren immer überzeugt, dass auf den Kanaren erstklassige Wissenschaft entsteht, die den Weg in die Industrie finden muss, um den Markt zu erobern“, so Quintana. Seine Aufgabe sei es, solche Ideen zu „entdecken und zu begleiten“, bevor sie auf der Strecke bleiben.
Ein Paradebeispiel ist Tenet Light Key, ein Spin-off der Universität La Laguna (ULL). Unter der Leitung von Jorge Méndez, Professor für Angewandte Physik, hat das Unternehmen Materialien entwickelt, die Fälschungen nahezu unmöglich machen. Auf Drängen von Emerge nahm Méndez am Premio Canarias de Innovación y Tecnología Blas Cabrera teil – und gewann. Das Preisgeld von 30.000 Euro war der entscheidende Anschub. „Ohne diese Summe würden wir heute nicht hier sprechen“, gesteht Méndez. Er betont die Notwendigkeit solcher Unterstützung: „Man kann nicht bis 30 dahinvegetieren“, sagt er deutlich. Gerade in der entscheidenden Phase droht sonst der Verlust von Innovationen an besser zahlende Konkurrenz.
Tenet Light Key hat längst auch das Interesse der Banco de España geweckt. Seit vier Jahren arbeitet das Team – neben Méndez zählen Doktor Pablo Acosta und Doktorand Miguel Medina zu den Patentinhabern – mit der Abteilung für Bargeld-F&E zusammen. Die lumineszierenden Stoffe auf Basis Seltener Erden könnten nicht nur Banknoten und Pässe sicherer machen. Ein entwickelter Code-Barcode macht Betrug nahezu unmöglich. Auch die Luxustextilbranche und Weinflaschen könnten profitieren. Entstanden ist die Erfindung nach „25 Jahren Grundlagenforschung“ in den Bereichen Photonik und Nanotechnologie.
Ohne eigene Fabriken, aber mit klarer Strategie: Wie die Kanaren mitmischen
Warum setzen die Kanaren trotzdem nicht auf eigene Halbleiterfabriken? „Eine Produktionsstätte bräuchte eine halbe Million Quadratmeter Fläche und enorme Wassermengen“, erklärt ZEC-Präsident Pablo Hernández. Daran fehlt es auf den Inseln. Das Geschäftsmodell ist daher „fabless“ – man konzentriert sich auf Design und Entwicklung.
José Manuel Rodríguez, CEO von Wooptix, ist der lebende Beweis, dass auch dieser Weg zum internationalen Erfolg führt. Wooptix war das erste Spin-off der ULL und gilt heute als das beste Beispiel dafür, wie aus einem Astro-Physik-Paper ein global agierendes Unternehmen wird. „Ich habe Wooptix gegründet, um ein Leuchtturmprojekt zu schaffen und ein kanarisches Ökosystem zu generieren“, sagt Rodríguez selbstbewusst. Sein Ziel: zu zeigen, dass man auch von den Inseln aus groß werden kann, ohne wegzuziehen. Geplant ist nun der Bau einer Fabrik in der Freizone des Hafens von Santa Cruz de Teneriffa – mit wenigen, aber hochspezialisierten Maschinen. Rodríguez glaubt, dass der Archipel „so weit kommen kann wie Taiwan oder Singapur“, wenn die Politik das Wachstum nicht ausbremst. „Mehr als Hilfe wünsche ich mir, dass man das natürliche Wachstum von Wooptix nicht unterbricht“, so der CEO.
Das Unternehmen feierte kürzlich sein zehnjähriges Bestehen – ein Jahrzehnt voller Erfolge, die nur deshalb undenkbar schienen, weil es schlicht keine vergleichbaren Vorbilder gab. Die Technologie von Wooptix verkürzt etwa die Messung von Silizium für Halbleiter – ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Genau in dem Moment, als die weltweite Chipkrise nach der Pandemie sogar deutsche Autofabriken stoppte.
Europa wacht auf: Die neue Souveränität im Chip-Sektor
„Plötzlich wurde der Welt bewusst, dass es ein Problem ist, wenn die gesamte Produktion in China und Taiwan liegt“, sagt Antonio Núñez. Er beobachtet, wie selbst „sehr liberale Länder“ zu „sehr sozialistischen Maßnahmen“ greifen und Milliarden in Großunternehmen pumpen, um sich vor Lieferengpässen zu schützen. In diesem Kontext sehen die Inseln ihre Chance in der „Boutique-Fertigung“ – hochspezifische Produkte, für die Großkonzerne keine Kapazitäten haben, etwa im Medizintechnikbereich.
Mit dem „Perte Chip“ (Strategisches Projekt für die wirtschaftliche Erholung und Transformation im Bereich Mikroelektronik und Halbleiter) hat Spanien versucht, mit über 12 Milliarden Euro aus dem EU-Topf die richtigen Anreize zu setzen. Die Kanaren hatten dafür eine eigene Strategie entwickelt, die jedoch auf dem Papier stecken blieb. „Jetzt laufen die Next-Generation-Gelder langsam aus“, bedauert Núñez. Doch er gibt die Hoffnung nicht auf, denn im Ministerium für digitale Transformation wurde mit der „SETT“ (Spanische Gesellschaft für Technologietransformation) ein neues Instrument geschaffen, das ein ähnliches Budget für Deep-Tech bereitstellt.
Ein wachsendes Netzwerk: Wooptix, Aerolaser & Co.
Die Erfolgsgeschichte der Kanaren endet nicht mit Wooptix. Aerolaser, heute im Besitz von Red Eléctrica, wurde bereits mit dem nationalen Preis für das KMU des Jahres ausgezeichnet. Das Unternehmen entwickelt Technologien, die sogar das Wachstum von Vegetation vorhersagen können, um Konflikte mit Stromtrassen zu vermeiden. Auch Celestia Chip, das die Schaltkreise der Zukunft entwirft, oder SubSea Mechatronics, das robotische Lösungen für extreme Meeresbedingungen entwickelt, zeigen die enorme Bandbreite. „Das hat gerade erst begonnen. Wir wissen, dass in den öffentlichen Universitäten enormes Wissen steckt, und wir sind hier, um zu verhindern, dass es nur als Paper oder Patent in der Schublade verschwindet“, mahnt Braulio Quintana von Emerge.
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