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Animation auf den Kanaren: Der stille Hollywood-Erfolg

Ein neuer Player betritt die Bühne

Erst in der vergangenen Woche wurde bekannt, dass das französische Animationsstudio STIM seinen Betrieb auf den Kanarischen Inseln aufnimmt. Es ist die jüngste Ankunft in einer Reihe von Ansiedlungen, die sich in den letzten Monaten deutlich beschleunigt hat. Die Animation hat sich damit zum am stärksten wachsenden Sektor der vergangenen Jahre im Archipel entwickelt. Doch nun gilt es, den Erfolg richtig zu managen, wie Rubén Zarauza, Präsident des Audiovisuellen Clusters der Kanaren, betont. Der sicherste Weg dorthin: der Fokus auf Ausbildung.

Ein Sektor überholt alle anderen

Die wirtschaftlichen Erfolge verteilen sich auf viele Bereiche, doch im Rennen um eine echte Diversifizierung der kanarischen Wirtschaft liegt die Animationsbranche derzeit klar vorn. Immer mehr Studios entscheiden sich dafür, auf den Inseln heimisch zu werden. Dabei übertreffen die Neuzugänge oft die Bedeutung der früheren Pioniere – und das in einer Zeit, in der das Geschäftsmodell permanent nach maximaler Effizienz sucht. Zarauza erinnert sich: „Vor einigen Jahren gab es viele kleine Studios, die um die besten Aufträge kämpften.“ Heute hingegen sind Übernahmen und Konsolidierungen an der Tagesordnung. War früher Exklusivität – etwa eine Serie nur bei Netflix anzubieten – selbstverständlich, finden sich Inhalte heute gleichzeitig auf verschiedenen Plattformen. Das Geschäft hat sich komplett gedreht, und nichts deutet darauf hin, dass die aktuelle Formel von Dauer sein wird.

In einem solchen Umfeld braucht es stabile Fundamente, um die ständigen Wendungen zu verkraften. Doch warum investieren Unternehmen überhaupt auf den Inseln? Und warum wächst das Vertrauen in den Archipel stetig? Die kurze Antwort lautet: die Sonderwirtschaftszone Kanarische Inseln (ZEC) mit ihren niedrigen Steuersätzen, die im Wirtschafts- und Steuersystem der Kanaren verankert ist. Weniger Steuern zu zahlen, mag zwar den Finanzvorstand jedes Unternehmens locken, reicht allein aber nicht aus. „Auch die USA und Irland haben Anreize“, erklärt der Clustervorsitzende. Ökosysteme entstehen nicht durch einen einzigen Faktor.

Der Erfolg der Pioniere als Magnet

Ein entscheidender Aspekt ist der durchschlagende Erfolg der ersten Unternehmen, die den Schritt auf die Inseln wagten. „Wir haben auf den Kanaren bewiesen, dass wir mit jedem mithalten können“, so Zarauza. Diese Fähigkeit, flexibel auf unterschiedliche Produktionsbedingungen zu reagieren, schafft Vertrauen. So ist es ein großer Unterschied, ob für die Erstellung eines einzelnen Frames – der kleinsten Einheit eines bewegten Bildes – zwei oder sieben Stunden eingeplant werden. Je nach Vorgabe variieren Kosten und Qualität erheblich.

STIM ist das neueste Glied in einer Kette, bei der Zufall nur anfangs eine Rolle spielte. Vor etwa zehn Jahren suchte das mexikanische Studio Ánima Estudios – bekannt für „El Chavo animado“ – einen neuen Standort und erfuhr eher zufällig von den kanarischen Steuervorteilen. Nach einer Prüfung der Möglichkeiten verwarfen sie Kanada und Puerto Rico und entschieden sich für die Inseln. „Entgegen häufig geäußerter Bedenken war die größere Rechtssicherheit hier das entscheidende Argument“, sagt Pablo Hernández, Präsident der ZEC. Damals gab es praktisch keine Animationsbranche auf den Inseln. „Mir ist nur ein einziges Studio bekannt, La Casa Animada, das in Tegueste auf Teneriffa ansässig war.“

Mit der Gründung von Ánima Kitchent gelang den Kanaren der erste große Sprung. Die Inseln präsentierten sich fortan als Standort, der weit mehr zu bieten hat als Unterkünfte, Verpflegung und Mietwagen – ein Vorteil, der auch zahlreiche internationale Filmproduktionen anlockte. Kurze Zeit später folgte 3Doubles Producciones, das sich ebenfalls für die Kanaren entschied, obwohl das Baskenland und Madrid zunächst als Favoriten galten.

Von wenigen Experten zu 2.000 Arbeitsplätzen

Anfangs kamen alle Produktionsfirmen mit nur einer Handvoll Vertrauenspersonen auf die Inseln. Mit den Jahren wurden die Teams zunehmend einheimisch. Aus anfänglich zehn bis fünfzehn Mitarbeitern pro Projekt sind inzwischen rund 2.000 Beschäftigte in der Branche geworden, so die ZEC. Diese Entwicklung unterstreicht, warum Rubén Zarauza der Ausbildung so große Bedeutung beimisst. Die Zahl der Arbeitsplätze habe sich „in sehr kurzer Zeit verdoppelt oder verdreifacht“, und der Motor laufe weiter auf Hochtouren. „Die Hälfte meiner Belegschaft bei Amuse stammt von hier“, so Zarauza, „und einige von ihnen leiten bereits eigene Teams.“ Diese schnelle Entwicklung ist typisch für das „Handwerk“, wie er es nennt, und die Gehälter lägen deutlich über dem Mindestlohn.

Genau diese gut bezahlten Arbeitsplätze sind ein weiterer Grund, warum die Kanaren auf Branchen wie die Animation setzen sollten. Die starke Abhängigkeit vom Tourismus schafft zwar viele Jobs, aber solche mit geringer Wertschöpfung. In der Folge liegt das Durchschnittseinkommen der Region regelmäßig am unteren Ende der spanischen Skala. Um die Bevölkerung aus diesem Hintertreffen zu führen, braucht es qualifizierte Arbeitsplätze. Die rund 2.000 Stellen der Branche wurden „in nur acht Jahren geschaffen, und wir müssen diese Zahl in kurzer Zeit verdoppeln“, kündigt Pablo Hernández an.

„Das Hollywood Europas der Animation“

Ist das realistisch? Hernández ist überzeugt: „Ja, aber wir müssen nachlegen.“ Durch das gemeinsame Engagement von ZEC, der Regionalregierung, der Handelskammer ICEX, der Wirtschaftsförderung Proexca und den Inselverwaltungen ist der Archipel zu dem geworden, was Hernández als „das Hollywood Europas der Animation“ bezeichnet. Nun gilt es, das Tempo zu halten und insbesondere die Ausbildung an den Bedarf anzupassen. Die Berufsschulen Felo Monzón auf Gran Canaria und César Manrique auf Teneriffa bieten bereits einschlägige Lehrpläne an. Auch die Kunstschule von Gran Canaria und die Kunst- und Designhochschule Fernando Estévez auf Teneriffa haben Studiengänge in Animation, Illustration und Design im Programm. Zarauza blickt voraus: „Wir müssen bedenken, dass einige dieser jungen Leute in ein paar Jahren ihre eigenen Studios gründen werden – so wie ich damals.“

Die langsame, aber stetige Entwicklung zog 2016 auch Mondo TV an, das nach einer Übernahme durch die spanische Gruppe Squirrel heute als Hi Animation firmiert. Käufe und Kapitalkonzentration sind ein weiterer Beleg für die Dynamik des Sektors. Es folgte das französische Studio Atlantis Animation – bekannt für „Tara Duncan“ und „Messi und die Giganten“ – das hochwertige Werbeproduktionen erstellt und für Disney+ arbeitet. International bekannte Namen begannen, sich anzusiedeln.

Die Pandemie als Katalysator

Die Pandemie erwies sich für die Branche als zusätzlicher Schub. Lockdowns und Reisebeschränkungen ließen die Lebensqualität wichtiger erscheinen. Das französische Studio Fortiche, das für die Netflix-Erfolgsserie „Arcane“ verantwortlich zeichnet, verlor viele Fachkräfte und suchte nach einem Standort mit Perspektive. Die Wahl fiel erneut auf den Archipel. Seitdem reißt der Strom nicht ab: Gigglebug, Surfing Giant Studios, die mit einem Oscar ausgezeichnete Firma DNEG („Interstellar“) oder das eingangs erwähnte STIM („Garfield“, „Coyote vs. Acme“) bereichern die Landschaft, die einst von Studios wie Tomavision („Tulipop“) mitbegründet wurde. Die Animation fliegt – und zeigt damit den Weg, den andere Branchen wie Videospiele oder Software bald gehen könnten.

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