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Underwater Gardens: Touristenbetten im Umweltprojekt entdeckt

Underwater Gardens: Das Umweltprojekt, das keines war

Das ambitionierte Unterwasser-Restaurierungsprojekt „Underwater Gardens“ an der Südküste Teneriffas steckt in schwerem Fahrwasser. Wie am Freitag im Inselparlament bekannt wurde, plante die Betreiberfirma auf einem Viertel der Landfläche heimlich touristische Übernachtungsmöglichkeiten – ein klarer Verstoß gegen die Auflagen der Sondergenehmigung. Die zuständige Inseldirektorin für Strategische Projekte des Cabildo von Teneriffa, Alicia Leirach, legte die Details offen.

Vom Vorzeigeprojekt zum Fall für die Akten

Das Vorhaben in Punta Blanca, einem Küstenabschnitt der Gemeinde Guía de Isora, war ursprünglich als Vorzeigeprojekt für nachhaltigen Meerestourismus angelobt worden. Im Jahr 2022, während der sozialistischen Regierung von Pedro Martín, hatte der Inselrat dem Projekt den Status „von insularem Interesse“ verliehen. Die Begründung: Underwater Gardens sollte die durch die Corona-Pandemie zum Erliegen gekommene Tourismusbranche neu ausrichten – hin zu einem dauerhafteren und umweltfreundlicheren Modell.

Die damalige Dokumentation betonte ausdrücklich, dass das Projekt die Zahl der Übernachtungsplätze nicht erhöhen, sondern lediglich die Wertschöpfung pro Gast steigern würde. Genau dieses Versprechen scheint nun gebrochen.

Ein Viertel der Fläche für Feriendomizile

Leirach führte im Plenum detailliert auf, welche Einrichtungen die Projektentwickler auf rund 25 Prozent der Geländefläche unterbringen wollten – losgelöst von der versprochenen ökologischen „Regeneration“ des Meeresbodens. Die Aufzählung liest sich wie die Ausstattungsliste eines Luxusresorts:

  • Ein Restaurant namens „Gastro Sable“
  • Ein „Meditatrium“ mit Umkleiden
  • Eine Bar
  • Eine Terrasse mit Sonnenbereich (Solarium)
  • Und schließlich die als „Zen Village“ deklarierte Zone

Letztere, so die Direktorin, sollte eine Cafeteria, Geschäfte, Sanitäranlagen, einen Infinity-Pool und – hier liegt der Haken – „Unterkünfte mit geringer Umweltbelastung“ umfassen, was in der Sache nichts anderes als Ferienappartements sind. Solche touristischen Beherbergungsbetriebe, erinnerte Leirach, sind in Projekten dieser Kategorie jedoch gänzlich untersagt – egal ob öffentlicher oder privater Träger.

Gesetzeslage und Konsequenzen

Nach kanarischem Recht dürfen als „von insularem Interesse“ deklarierte Vorhaben ausschließlich strukturgebende Einrichtungen, Industrie-, Energie-, nicht-beherbergungstouristische, kulturelle, Sport- oder Gesundheitseinrichtungen von strategischer Bedeutung umfassen – etwa zur Bewältigung plötzlicher Notlagen. Hotels und Ferienwohnungen sind explizit ausgeschlossen.

Bereits am 17. Juni hatte der Inselrat angekündigt, dem Projekt den Sonderstatus entziehen zu wollen. Am Freitag, dem 26. Juni, begründete die Inselregierung diesen Schritt offiziell. Vorausgegangen war eine ablehnende Stellungnahme der Direktion für Strategische Projekte (DIPE).

Das Doppelleben des Projekts

Das Gesamtvorhaben teilte sich in zwei Bereiche: den Meeresgarten (Sea Garden) und den Landteil. Der Meeresbereich erstreckt sich über 750.000 Quadratmeter und liegt in der besonders geschützten Zone Teno-Rasca – einem Lebensraum für Unechte Karettschildkröten, Große Tümmler und Tropische Grindwale.

Der Landteil umfasste zum Zeitpunkt der Sondergenehmigung 172.000 Quadratmeter, darunter ein Bildungs- und Wissenszentrum, ein Biodiversitätszentrum, Pools und einen zentralen Platz mit Imbissständen, Kinderbecken und Cafeterien. Was in den ursprünglichen Plänen nicht auftauchte: Die Zen Village mit ihren 1.655 Quadratmetern reiner Bettenfläche.

Warum die Pläne aufflogen

Diese Zeitung fragte bei der Projektentwicklerfirma nach, wie viele Betten genau geplant waren und wann der Inselrat erstmals über die geplanten Unterkünfte informiert wurde. Die Antwort fiel knapp aus: Man werde derzeit keine Stellungnahme abgeben. Aus Kreisen der Verwaltung erfuhr die Redaktion jedoch, dass das Projekt keinerlei Schlafplätze vorsah, als es unmittelbar nach der Pandemie eingereicht wurde.

Erst bei der technischen und rechtlichen Prüfung der 2026 eingereichten Unterlagen kamen die Diskrepanzen ans Licht. Die nun vorliegenden Gutachten sind vernichtend: „Es bestehen weiterhin erhebliche Mängel, die eine Fortführung des Verfahrens nicht zulassen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Cabildo. Konkret moniert die Behörde:

  • Die Nichteinhaltung der geforderten Projektneugestaltung
  • Eine unzureichende technische Definition der geplanten Maßnahmen
  • Fehlende Details zu wesentlichen Aspekten der Parkordnung und -verwaltung
  • Das Fehlen einer angemessenen wirtschaftlichen Begründung
  • Das Ausbleiben unverzichtbarer Verwaltungsgenehmigungen für die maritime Regeneration

Letzteres ist besonders pikant, denn die Meeresrenaturierung war das eigentliche Herzstück und die Rechtfertigung für den Sonderstatus des gesamten Projekts.

Umweltverbände sprechen von Greenwashing

Das Projekt stieß von Anfang an auf erbitterten Widerstand von Umweltschützern. Gruppen wie „Salvar Punta Blanca“ (Rettet Punta Blanca), Greenpeace und Ecologistas en Acción bezeichnen Underwater Gardens als Paradebeispiel für Greenwashing – also für vorgetäuschte Umweltfreundlichkeit zu Marketingzwecken. Der nun bekannt gewordene Schwindel mit den Ferienbetten gibt ihnen posthum recht.

Ablauf der Frist und nächste Schritte

Bevor das Plenum des Cabildo eine endgültige Entscheidung trifft, erhält der Projektträger nun noch eine letzte Chance. Gemäß Verwaltungsrecht wurde ihm eine Frist von 15 Werktagen eingeräumt, um Einwände und ergänzende Unterlagen vorzulegen. Erst nach Ablauf dieser Frist und der Auswertung möglicher Einsprüche wird der Inselrat als zuständiges substanzielles Gremium eine endgültige Resolution fassen.

Bis dahin bleibt das Schicksal von Underwater Gardens in der Schwebe – und der Traum von einem umweltfreundlichen Tourismusparadies an der Küste von Guía de Isora vorerst geplatzt.

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