Die Nacht, die das Jahr teilt
„Gesegnete Johannisnacht, erleuchtet von Feuern, Echos der Meeresschnecke, die den Hang hinabrollt“, heißt es in der traditionellen „Isa“, dem typischen kanarischen Volkslied. Und tatsächlich: Die Nacht des San Juan wird auch 2026 die kürzeste Nacht des Jahres in ein warmes, flackerndes Licht tauchen. Doch so sehr die Stimmung auch in den Himmel steigt, so sehr sind die Feierlichkeiten auf Teneriffa von strengen Auflagen begleitet. Jede Gemeinde hat im Vorfeld ein Register erstellt, um alle Brandstellen zu erfassen und kontrollieren zu können. Das Ergebnis ist ernüchternd: Von den 31 Gemeinden Teneriffas veranstalten weniger als die Hälfte – genau 14 – offizielle Feste mit mindestens einem genehmigten Johannisfeuer.
Klare Regeln für ein sicheres Fest
Der Inselrat von Teneriffa, das Cabildo, stellt klar: Grundsätzlich sind Feuer in waldbrandgefährdeten Zonen verboten. Ausnahmen sind nur mit einer Sondergenehmigung möglich. Ebenso streng ist die Liste der verbotenen Materialien: Keinesfalls dürfen Altreifen, Plastik, lackierte Möbel oder andere Stoffe verbrannt werden, die giftige Gase entwickeln oder Explosionsgefahr bergen. Das Feuer selbst muss einen sicheren Abstand zu Wohnhäusern, Stromleitungen und Vegetation einhalten. Die Veranstalter sind zudem verpflichtet, ihr Fest vorab bei der jeweiligen Gemeindeverwaltung anzumelden.
Um die Einhaltung dieser Vorschriften zu gewährleisten, hat der Feuerwehrverband von Teneriffa, die Forstbrigaden, die freiwilligen Feuerwehren und der Zivilschutz für die Nacht des 23. Juni einen gemeinsamen Sondereinsatz geplant. Mehr als 150 Einsatzkräfte werden im gesamten Inselgebiet unterwegs sein. Im Folgenden ein Überblick über die Gemeinden, in denen die Feierlichkeiten offiziell bestätigt wurden.
Im Süden der Insel
Arico: Die Gemeinde feiert in zwei Ortsteilen: der Villa de Arico und Las Arenas. Neben den Aktivitäten im Rahmen der Patronatsfeste zu Ehren Johannes des Täufers gibt es auch einige private, registrierte Feuer.
Arona: Diese Gemeinde gehört zu den Hochburgen der Johannisfeuer auf Teneriffa. Ganze 32 private Feste wurden zwischen Los Cristianos, Las Galletas und Guargacho genehmigt. Besonders der Strand von Los Cristianos wird zum Hotspot: Tausende Menschen werden dort am Ufer erwartet, um bei Musik und ausgelassener Stimmung das traditionelle Mitternachtsbad zu nehmen.
Candelaria: Die Küste der Marienstadt wird auch in diesem Jahr zum Schauplatz der kürzesten Nacht. Die Hauptfeuer lodern an der Playa de La Viuda, in Las Caletillas und an der Punta Larga. Das größte Spektakel bietet La Viuda: Ab 22:00 Uhr heizt Marco El Pachanga der Menge ein. Musik, Meer und Feuer machen diesen Ort zu einem der meistbesuchten der Metropolregion.
An der Nordküste und im Westen
Güímar: Die Playa de Las Eras ist der zentrale Treffpunkt der Gemeinde. Das Programm startet um 20:00 Uhr mit Hintergrundmusik und geöffneter Strandbar. Der Höhepunkt ist um 22:00 Uhr das Entzünden des Feuers – einer der magischsten Momente der Nacht.
Garachico: Mit Bedacht geht man hier um: Nur zwei Feuer sind genehmigt – eines in La Caleta de Interián und eines am Muelle de Garachico. An der Hafenmole sorgt den ganzen Abend Musik für Stimmung, und das traditionelle Mitternachtsbad darf natürlich nicht fehlen.
Granadilla de Abona: In der Region Chasna hat die Gemeinde eines der umfangreichsten Programme der Insel auf die Beine gestellt. Zwei große, offizielle Feste finden statt: am Hauptstrand von El Médano und an der Playa Grande de Los Abrigos. Los geht es bereits um 18:30 Uhr mit Umzügen und Batucada-Trommlern der Gruppen Kuliquitacas del Sur, Guajeiros und Aborasau. Später legen die DJs Fabrizio Salgado und Javi Plasencia auf, gefolgt von der Band Los Vándalos.
Guía de Isora: Hier brennt nur ein einziges offizielles Feuer an der Playa de San Juan, passend zu den Patronatsfesten des Ortsteils. Musik und Partystimmung sind die ganze Nacht garantiert.
Die Hauptstadt und ihre Vororte
San Cristóbal de La Laguna: Die ehemalige Hauptstadt feiert gleich an mehreren Orten. Aktivitäten gibt es in der Urbanización Padre Anchieta, dem beliebten Viertel San Juan, sowie in der Urbanización Aguere und im Ortsteil La Punta. Um 18:00 Uhr findet eine Messe zu Ehren Johannes des Täufers statt, gesungen von der Renter-Rundalla aus Punta Hidalgo, gefolgt von einer romería-ähnlichen Prozession. Um 22:00 Uhr werden Kaltfeuer-Fackeln zur Kapelle des Heiligen entzündet. Die Nachbarschaftsvereinigung Aguere, Acaymo und Las Cañas feiert die 22. Auflage ihres Johannisfestes. Ab 18:00 Uhr gibt es ein gemütliches Beisammensein, einen Auftritt der Parranda Las Mercedes und eine Paella-Verkostung, bevor die Band Nueva Latina die Bühne betritt. Das Feuer wird um 21:30 Uhr entzündet, der Tanz beginnt um 22:30 Uhr. Auch in Bajamar veranstaltet der Pensionistenclub Isogue ab 22:00 Uhr eine Feier zu Ehren des Heiligen.
Puerto de la Cruz: Die Touristenstadt wird erneut einer der zentralen Schauplätze der Johannisnacht auf den Kanaren sein. Das Programm beginnt um 18:30 Uhr mit dem traditionellen Umzug der Johannes-Puppe vom Markt zur Playa Jardín – zum ersten Mal seit der Wiedereröffnung des Parks im Juni 2025. Das Feuer wird um 22:00 Uhr entzündet. Davor spielt die Gruppe Caracolas (21:00 Uhr), danach legen Jeita (23:00 Uhr) und La Chalana (01:00 Uhr) mit ihrer Maná-Tribute-Show auf. Zwei weitere Traditionen werden hochgehalten: das Schmücken der historischen Brunnen und das „Bad der Ziegen“ am Morgen des 24. Juni.
San Juan de la Rambla: Die Patronatsfeste machen diese Gemeinde zu einem der wichtigsten Anlaufpunkte für die Johannisnacht auf Teneriffa. Am Vorabend erklingt traditionell der „Resonar del Bucio“: Teilnehmer steigen mit Fackeln und Meereschnecken-Hörnern vom Risco del Mazapé herab. Tags darauf folgt das spektakuläre „Encendido del Risco del Mazapé“ – eines der eindrucksvollsten Bilder der kanarischen Volksfeste –, gefolgt von einem Konzert der Gruppe Los Cantadores.
Santa Cruz de Tenerife: Die Hauptstadt hat zwei große Festmeilen. In den Charcos de Valleseco beginnt das Programm bereits um 16:00 Uhr mit Jugendaktivitäten, Workshops, Wasser-Hüpfburgen und Food Trucks. Musikalisch sorgen Iván Cacú y su Orquesta, Son Canari, La Maquinaria Band und La Sabrosa bis 00:30 Uhr für Stimmung. Auch der Stadtteil Acorán feiert sein eigenes Johannisfest: um 19:00 Uhr tritt die Orquesta Tropin auf, das Feuer wird um 21:00 Uhr entzündet, und ab 21:30 Uhr heizt David Pérez mit einer traditionellen Verbena ein.
Westen, Inselmitte und Nordosten
Santiago del Teide: Die Playa de Puerto de Santiago wird zur Hauptbühne. Ab 19:00 Uhr gibt es DJ-Sets, Sportaktivitäten und eine Zumba-Stunde mit Pierre. Die Verbrennung des Feuers ist für 22:00 Uhr geplant, begleitet von einem pyrotechnischen Spektakel. Den krönenden Abschluss bildet um Mitternacht ein großes Feuerwerk.
Tacoronte: Im Viertel San Juan Bautista brennt das einzige offiziell genehmigte Feuer der Gemeinde. Der Festtag beginnt um 19:30 Uhr mit einer heiligen Messe und einer Prozession, musikalisch begleitet von der Banda Santa Cecilia. Danach geht es im Parque Fray Diego weiter: mit der Parranda Los Desconocidos, einem öffentlichen Umtrunk und mehreren Feuerwerksshows.
Tegueste: Das Tourismusamt hat eine besondere, anmelde-pflichtige Johannis-Tour organisiert, die Wandern, Essen und Tradition vereint. Die Aktivität umfasst eine geführte Wanderung, das Entzünden eines Feuers und eine Verkostung von kartoffeln, Maiskolben und Rippchen.
Keine Feste in diesem Jahr
Einen Strich durch die Rechnung macht die Bauarbeiten der Küste: In El Rosario finden dieses Jahr aufgrund der Stabilisierungsarbeiten an der Klippe von Tabaiba Baja keine Johannisfeierlichkeiten statt. Ebenfalls verboten sind Feuer in den Gemeinden El Tanque und Vilaflor de Chasna. In La Orotava beschränkt sich das Gedenken auf religiöse Zeremonien zu Ehren Johannes des Täufers.

