marine lucid dream ausstellung la laguna

Marine Lucid Dream: Ukrainischer Künstler zeigt Traumwelten in La Laguna

Ein Tauchgang in die Welt zwischen Traum und Wirklichkeit

Eine Reise in ein ungewisses Terrain, schwebend zwischen Wachsein und Schlaf, wo die Realität in einer symbolischen Erzählung voller zeitgenössischer Bezüge zerrinnt – das ist das Versprechen der Ausstellung „Marine Lucid Dream“. Noch bis zum 26. Juni können Besucher im Espacio Bronzo in La Laguna (Teneriffa) in diese faszinierende Welt eintauchen. Die Schau vereint Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen, die der ukrainische Künstler Aleksei Bordusov zwischen 2022 und 2026 schuf. Bordusov verließ seine Heimat nach Ausbruch des Krieges und fand auf Teneriffa eine neue künstlerische Heimat.

Von der Leinwand in den Raum: Neue Dimensionen der Kunst

Das Projekt entstand aus der Zusammenarbeit zwischen dem Espacio Bronzo und der Adda Gallery Ibiza. Diese Allianz ermöglicht es, Bordusovs Schaffen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und gleichzeitig seine internationale Verbindung zu einem bereits bestehenden Publikum zu wahren. Besonders bemerkenswert: Zum ersten Mal hat der Künstler dreidimensionale Werke geschaffen, was seiner Kunst eine völlig neue Dimension verleiht. Insgesamt können die Besucher drei Bronze- sowie zwei Keramikskulpturen, vier Zeichnungen und mehrere Gemälde bestaunen, die alle ein wiedererkennbares visuelles Vokabular teilen, das jedoch von einer neuen, atmosphärischen Spannung durchzogen ist.

Im Schwebezustand zwischen zwei Welten

Kuratiert wird die Schau von Anna Dimitrova. Sie beschreibt die Ausstellung als einen Parcours, in dem die Erfahrung der Entwurzelung nicht als Bruch, sondern als Verwandlung dargestellt wird. „Die Auswahl folgt genau jenem Schwebezustand zwischen zwei Daseinsformen. Es war uns wichtig, Werke zu präsentieren, die ein Bewusstsein widerspiegeln, das weder vollständig in der Vergangenheit noch in der Gegenwart verankert ist – weder im Herkunfts- noch im Aufnahmeland“, erklärt die Kuratorin. Das Konzept des „luziden Traums“ dient dabei als roter Faden der Erzählung. Für Dimitrova steht fest: Diese Ausstellung hätte in keinem anderen Kontext dieselbe Wirkung entfalten können. „Diese Serie entstand aus einer ganz konkreten geografischen und zeitlichen Erfahrung. Das Zusammenspiel von Abgeschiedenheit, Ozean, Vulkan und Licht schafft Bedingungen, die die gesamte Schau durchziehen“, so Dimitrova.

Keine Flucht, sondern ein bewusster Umgang mit der Ungewissheit

Bordusov flüchtet sich jedoch nicht in die Abstraktion seiner Geschichte. Sein Ansatz ist vielmehr eine Metapher für das aktive Bewusstsein inmitten der Ungewissheit. „In einem luziden Traum erkennt man, dass man träumt, aber man bleibt Teil des Traums. Dieses Bild beschreibt perfekt die Position des Künstlers angesichts der Veränderungen, die sein Leben in den letzten Jahren geprägt haben“, erläutert Dimitrova. Die Ausstellung beschränke sich jedoch keineswegs auf eine rein biografische oder politische Lesart – auch wenn der Ausgangskontext unvermeidlich sei. Konkret: Aleksei Bordusov musste seine Heimat verlassen, als der Krieg in der Ukraine ausbrach. Auf Teneriffa fand er einen neuen Raum für Produktion und Reflexion. Die Schau vermeidet jede narrative Vereinfachung. „Sie erzählt keinen Bruch, sondern einen Anpassungsprozess. Die Werke zeigen, wie der Künstler neue visuelle Referenzen aufnimmt, ohne seine eigene Bildsprache aufzugeben“, sagt die Kuratorin.

Heimatlosigkeit als globale Erfahrung

In diesem Sinne kann „Marine Lucid Dream“ auch als offene Reflexion über die zeitgenössische Entwurzelung gelesen werden. „Die Ausstellung spricht von der Notwendigkeit, eine Beziehung zur Welt neu aufzubauen – ein Thema, das heute aufgrund der Migrationsströme leider aktueller ist, als wir es uns wünschen“, so Dimitrova. Sie betont zudem die Resilienz, die Vorstellungskraft und die Fähigkeit des Künstlers, in dieser Schau neue Formen der Zugehörigkeit zu schaffen.

Identität und Territorium im Dialog

Der Dialog zwischen Identität und Territorium bildet einen weiteren Kern des Projekts, das im Espacio Bronzo zu sehen ist. Weit entfernt von einer kulturellen Substitution präsentiert sich Bordusovs Werk als hybrider Raum, „der sein visuelles Universum nicht aufgibt, sondern einen Dialog zwischen den beiden Konzepten vorschlägt“ – denjenigen, die in seinem Schaffen bereits angelegt waren, und jenen neuen, die mit seiner Ankunft auf Teneriffa unweigerlich entstanden sind. Das Ergebnis ist „ein Werk in ständiger Bewegung, zwischen Erinnerung und Gegenwart“, erklärt Dimitrova.

Ein Ökosystem aus verschiedenen Kunstformen

„Marine Lucid Dream“ entfaltet sich wie ein Ökosystem sich ergänzender Medien. Während die Gemälde eine symbolische, stark mythologisch aufgeladene Erzählung konstruieren, bieten die Zeichnungen ein intimeres, nachdenklicheres Zeugnis. Die Skulpturen wiederum führen eine physische Dimension ein, die es den Figuren erlaubt, den Raum mit dem Betrachter zu teilen. „Sie funktionieren nicht als eigenständige Disziplinen, sondern als verschiedene Zustände ein und derselben Vorstellungskraft“, so Dimitrova.

Teneriffas Licht und Landschaft als unsichtbare Co-Autoren

Die Anwesenheit Teneriffas durchdringt jedes Detail des ukrainischen Künstlers. Das vulkanische Licht, der Ozean und die Inselarchitektur fließen in die Werke ein. „Teneriffa erscheint als ein Raum der Transformation. Es ist nicht einfach eine Kulisse, sondern eine aktive Präsenz, die die Wahrnehmung des Künstlers konditioniert“, betont die Kuratorin. Genau diese Elemente haben es dem Künstler ermöglicht, sein Vokabular zu erweitern. „Das Licht Teneriffas verleiht den Farben und der Präsenz der Figuren in Bordusovs Werken eine ganz eigene Qualität. Der Ozean wiederum bringt ein Gefühl von Weite und Offenheit mit sich“, erklärt Dimitrova abschließend.

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