WHO-Lob für die Kanaren: Ein Vorbild in Krisenzeiten
Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, hat am Freitag die Hoffnung geäußert, dass sich die Welt ein Beispiel an Teneriffa und Spanien nehmen möge. Grund für das Lob ist der Umgang mit dem jüngsten Hantavirus-Ausbruch an Bord eines Kreuzfahrtschiffes. In einer Zeit, in der in vielen Teilen der Welt Spannungen und Uneinigkeit herrschten, zeige dieses Beispiel, wie effektive Zusammenarbeit aussehen könne, so Tedros.
Lage an Bord: Keine neuen Symptome, Kurs auf die Niederlande
Das Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“ befindet sich derzeit mit 27 Personen an Bord auf dem Weg in die Niederlande, wo es am kommenden Montag erwartet wird. Neben der Crew befinden sich auch ein Arzt und eine Krankenschwester der WHO auf dem Schiff. Der Kapitän hat der Organisation bestätigt, dass bislang niemand an Bord Symptome einer Hantavirus-Infektion zeigt. Die Zahl der bestätigten Fälle wurde unterdessen auf zehn aktualisiert – ein Fall weniger als noch am Vortag gemeldet. Grund dafür ist, dass sich ein Verdachtsfall in den Vereinigten Staaten nach mehreren Tests als negativ herausstellte. Von den zehn bestätigten Fällen wurden acht durch Labortests eindeutig nachgewiesen, zwei gelten weiterhin als wahrscheinliche Fälle.
Warum die Quarantäne 42 Tage dauert
Tedros wies darauf hin, dass aufgrund der langen Inkubationszeit des Hantavirus – die bis zu sechs Wochen betragen kann – in den kommenden Tagen durchaus weitere Fälle auftreten könnten. Dies gelte insbesondere für Passagiere und Crewmitglieder, die bereits in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind oder dies in Kürze tun werden. „Das würde jedoch nicht bedeuten, dass sich der Ausbruch ausweitet“, stellte Tedros klar. „Es würde vielmehr beweisen, dass die Kontrollmaßnahmen wirken, dass weiterhin Labortests durchgeführt werden und dass die Betroffenen mit Unterstützung ihrer Regierungen medizinisch versorgt werden.“
Die WHO-Direktorin für Pandemie- und Seuchenprävention, Maria Van Kerkhove, erläuterte die strenge Vorgehensweise: Sämtliche Personen, die sich an Bord des Schiffes befanden, werden als Hochrisiko-Kontaktpersonen der positiven Fälle eingestuft. „Das ist schlichtweg der Tatsache geschuldet, dass wir noch nicht alle Antworten haben. Deshalb verfolgen wir einen vorsorglichen Ansatz und gehen davon aus, dass es möglicherweise weitere Fälle an Bord gegeben hat. Daher sind die Quarantänemaßnahmen für alle, die das Schiff bereits verlassen haben, so streng“, so Van Kerkhove.
Empfehlung: Strikte Absonderung für 42 Tage
Die WHO empfiehlt den nationalen Behörden, dass alle betroffenen Personen für 42 Tage ab dem letzten möglichen Kontakt mit dem Virus unter Quarantäne gestellt werden – entweder zu Hause oder in einer speziellen Einrichtung. „Wir haben diesen Zeitraum von 42 Tagen wegen der langen Inkubationszeit gewählt. Das bedeutet, dass sich Menschen in der Inkubationsphase befinden und infiziert sein könnten, ohne es zu wissen. Sie könnten negativ getestet werden und erst am letzten Tag Symptome entwickeln“, erklärte Van Kerkhove abschließend.

