Wohnmobil-Fahrer gehen auf die Straße
Am vergangenen Freitag versammelten sich auf Teneriffa Hunderte von Caravanistas – also Besitzern von Wohnmobilen und Campingvans – zu einer Protestkundgebung. Die Demonstration richtete sich gegen die immer strengeren Beschränkungen für das Parken und Übernachten abseits ausgewiesener Stellplätze. Die Teilnehmer forderten mehr legale Übernachtungsmöglichkeiten und ein Ende dessen, was sie als „Kriminalisierung des Caravanings“ bezeichnen.
Wachsender Unmut in der Camping-Community
Die Protestaktion war die bislang größte ihrer Art auf den Kanaren. Laut Organisatoren kamen rund tausend Fahrzeuge zu der Sternfahrt auf den Parkplatz vor dem Handelszentrum in der Hauptstadt Santa Cruz. Die Caravanistas, viele von ihnen mit Bannern und Trillerpfeifen ausgerüstet, machten ihrem Ärger über die aktuelle Politik Luft. Sie kritisieren, dass die lokalen Behörden durch immer neue Verbote das Wohnmobil-Reisen auf der Insel massiv erschweren, ohne gleichzeitig ausreichend alternative Stell- und Campingplätze zu schaffen.
Ein Sprecher der Protestierenden betonte: „Wir sind keine Touristen, die Müll hinterlassen. Wir achten auf die Umwelt und beleben die lokale Wirtschaft. Aber die Gemeinden verjagen uns von immer mehr Plätzen, obwohl es kaum legale Alternativen gibt.“ Besonders verärgert zeigte man sich darüber, dass in einigen Gemeinden selbst das bloße Abstellen eines Wohnmobils am Straßenrand mit saftigen Bußgeldern belegt wird.
Der Streitpunkt: Freies Parken vs. regulierte Zonen
Im Kern geht es um die Frage, wie stark das Caravaning auf Teneriffa reguliert werden soll. Die Inselverwaltungen argumentieren, dass das unkontrollierte Stehen vieler Fahrzeuge in Naturschutzgebieten und an Stränden zu Schäden an der Umwelt führe. Zudem gebe es immer wieder Beschwerden von Anwohnern über Lärm und Müll. Die Caravanistas hingegen sehen sich als Opfer einer überzogenen Regulierungswelle. Sie fordern einheitliche Regelungen für die gesamte Insel und die Ausweisung spezieller „Áreas de Servicio“ (Serviceplätze) mit Strom, Wasser und Entsorgungsmöglichkeiten – nicht nur teurer Privatcampingplätze.
Ein besonderer Dorn im Auge ist den Demonstranten die vielerorts praktizierte Auslegung des Gesetzes, nach dem „wildes Campen“ verboten ist. Viele kritisieren, dass die Behörden hierunter bereits das bloße Parken mit ausgefahrener Markise oder ausgestellten Campingstühlen zählen, was für die meisten Wohnmobilreisenden zur normalen Nutzung ihres Fahrzeugs gehöre.
Appell an die Politik
Die Protestierenden richteten einen klaren Appell an die Vertreter des Cabildo de Tenerife (der Inselregierung) und die Bürgermeister der Gemeinden. Sie fordern einen runden Tisch, um gemeinsam mit den Verbänden nach Lösungen zu suchen. „Wir wollen nicht im Konflikt mit den Behörden stehen, sondern einen Dialog führen, der zu einem nachhaltigen Caravaning-Tourismus auf der Insel führt“, so ein Teilnehmer. Man sei bereit, für die Nutzung von ausgewiesenen Plätzen zu zahlen, doch die aktuelle Politik der Verbote ohne Alternativen sei inakzeptabel.
Ob die Proteste Gehör finden, bleibt abzuwarten. Die Organisatoren kündigten jedoch an, dass dies nicht die letzte Aktion dieser Art gewesen sei, falls die Behörden nicht einlenken. Für die kommenden Wochen sind weitere Treffen und mögliche Blockaden von touristischen Hotspots nicht ausgeschlossen.
Auswirkungen auf den Tourismus
Der Konflikt hat auch eine touristische Dimension. Die Kanarischen Inseln, insbesondere Teneriffa, sind ein beliebtes Ziel für Wohnmobilreisende aus ganz Europa, darunter viele Deutsche. Diese Gruppe gibt in der Nebensaison viel Geld in Supermärkten, auf lokalen Märkten und in Restaurants aus – genau dann, wenn die klassischen Hotelurlauber fehlen. Sollte sich die Situation weiter zuspitzen, fürchten Experten, dass die Insel als Reiseziel für Caravanistas an Attraktivität verlieren könnte, was negative Folgen für die lokale Wirtschaft hätte.
