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296 Kanarier im französischen Exil nach Bürgerkrieg identifiziert

Digitalisierung bringt vergessene Schicksale ans Licht

Die Digitalisierung von Archiven über spanische Exilanten nach dem Bürgerkrieg (1936-1939) hat es ermöglicht, 296 Personen zu identifizieren, die auf den Kanarischen Inseln geboren wurden. Mercedes Pérez Schwartz, Präsidentin der Vereinigung zur Wiedererlangung der Historischen Erinnerung (Asociación para la Recuperación de la Memoria Histórica) auf Teneriffa, teilte mit, dass eine Vereinbarung zwischen dem spanischen Kulturministerium und dem Französischen Amt zum Schutz von Flüchtlingen und Staatenlosen (OFPRA) die Digitalisierung von etwa 180.000 Flüchtlingskarteikarten ermöglicht hat.

Erste Studie zeigt kanarische Spuren im Exil

Eine vorläufige Studie dieser Daten, erstellt vom Historiker und technischen Berater der Vereinigung, Rubens Ascanio, bietet einen ersten Einblick in die Rolle der Kanarier und Kanarierinnen im republikanischen Exil in Frankreich nach dem Spanischen Bürgerkrieg. Zwischen 1939 und 1944 überquerten Hunderttausende die französische Grenze auf der Flucht vor der franquistischen Repression. Obwohl die kanarische Präsenz im Vergleich zu anderen Regionen Spaniens gering war, bestätigt die Studie eine signifikante, wenn auch noch unvollständige Spur.

Nur 0,16 Prozent – eine Frage der Geografie und der Lücken

Die analysierten Daten zeigen, dass die identifizierten Personen lediglich 0,16 Prozent der digitalisierten Karteikarten ausmachen. Dies unterstreicht sowohl die begrenzten Fluchtmöglichkeiten von den Inseln aufgrund ihrer geografischen Lage und der schnellen Kontrolle durch die Franco-Truppen als auch das Fehlen vollständiger Aufzeichnungen. Die Forscher weisen darauf hin, dass viele bekannte Namen von Kanariern und Kanarierinnen, die in Frankreich waren, in den Archiven fehlen. Dies belege, dass noch erhebliche Arbeit zur Dokumenten-Rekonstruktion zu leisten sei.

Das Profil der Exilanten: Arbeiter, Aktivisten, Widerstandskämpfer

Das Profil dieser Personen spiegelt ein überwiegend männliches Exil (über 96 %) mit Arbeiterhintergrund wider. Stark vertreten waren Landarbeiter, Seeleute und ungelernte Arbeiter. Es finden sich aber auch Berufe wie Ärzte, Anwälte oder Journalisten sowie bedeutende Persönlichkeiten aus der republikanischen Politik und der Arbeiterbewegung. Die Studie hebt zudem die politische Bindung vieler Exilanten hervor, mit einem bedeutenden Anteil an Mitgliedern von Gewerkschaften wie der CNT und der UGT sowie Parteien wie der PSOE oder der PCE.

Einige dieser kanarischen Exilanten beteiligten sich sogar am französischen Widerstand (Résistance) während der Nazi-Besatzung. Andere wurden in Konzentrationslager wie Mauthausen und Gusen deportiert, wo hohe Todesraten verzeichnet wurden.

Ein fundamentaler Fortschritt für die historische Erinnerung

Die Vereinigung betont, dass diese Initiative einen fundamentalen Fortschritt für die historische Aufarbeitung darstellt, besonders für abgelegene Regionen wie die Kanarischen Inseln. Gleichzeitig ruft sie die Öffentlichkeit zur Mitarbeit bei der Identifizierung von Personen und der Vervollständigung der auf der OFPRA-Website verfügbaren Informationen auf. „Wir wissen, dass viele bekannte Namen von Kanariern und Kanarierinnen fehlen, die zwischen 1939 und 1944 in Frankreich waren. Deshalb müssen wir weiter zusammenarbeiten und voranschreiten“, heißt es in der Mitteilung.

Hinzu kommt, dass im Fall des kanarischen Exils die hohe Zahl von Nachkommen, die letztlich in lateinamerikanischen Ländern landeten, diese Digitalisierungsaktion noch wichtiger macht. Sie bietet ein Werkzeug, um an Informationen zu gelangen, die für die Nachkommen dieser Opfer der Diktatur sonst nur schwer zugänglich wären. Abschließend fordert die Vereinigung die kanarischen Behörden auf, weitere Fortschritte in dieser Sache einzufordern und Projekte dieser Art auf dem Archipel zu stärken, um den Nachkommen des Exils den Zugang zu einem wesentlichen Teil ihrer Geschichte zu erleichtern.

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