Illegales Camping mitten in der Tourismuszone
Eine Gruppe von Anwohnern der Küstenzone Amarilla Golf in der Gemeinde San Miguel de Abona im Süden Teneriffas übt scharfe Kritik an einem Zustand, der seit dem Jahr 2022 anhält. Ein kommunales Brachland, das eigentlich als Parkplatz dient, wird vorrangig und fast ausschließlich von Wohnmobilen besetzt – obwohl es keinerlei grundlegende Infrastruktur für diesen Zweck bietet. Weder Trinkwasseranschlüsse, Stromversorgung noch sanitäre Einrichtungen wie Toiletten sind vorhanden.
Passivität der Behörden und Image-Schaden für den Tourismus
Die Bewohner kritisieren die passive Haltung der lokalen Regierung (geführte von Coalición Canaria) und weisen darauf hin, dass sich dieses Problem in einer reinen Wohn- und Tourismuszone abspielt. In unmittelbarer Nähe befinden sich sogar Fünf-Sterne-Unterkünfte wie zwei kürzlich erbaute Aparthotels. Die kritischen Anwohner betonen, dass sich diese Situation an zahlreichen Wochenenden, Feiertagen und in Urlaubszeiten, aber mittlerweile auch an vielen Werktagen wiederholt. Die Folge sind wiederkehrende Probleme mit der öffentlichen Gesundheit, Lärmbelästigung und nachbarschaftlichem Frieden.
Die Wohnmobil-Nutzer bleiben oft mehrere Tage, stellen Mobiliar im Freien auf, spielen Musik und führen ihr Alltagsleben in einer Umgebung, die dafür nicht ausgelegt ist. Hinzu kommen frei laufende Tiere und eine fehlende effektive Kontrolle des Geländes. Das Bild, das Touristen in hochklassigen Aparthotels empfangen, ist nach Ansicht der Anwohner völlig unvereinbar mit dem Image, das die Gemeinde als Tourismusdestination vermitteln möchte.
Baugenehmigung widerspricht der Nutzung
Laut Auskunft der Gemeindeverwaltung, die sich die Anwohner eingeholt haben, ist das Grundstück im Bebauungsplan als Fläche für kommunale Einrichtungen („dotacional de equipamiento comunitario“) ausgewiesen. Diese Klassifizierung ist für öffentliche Dienstleistungen oder Einrichtungen von allgemeinem Interesse gedacht – nicht für den dauerhaften Aufenthalt von Personen in Wohnmobilen ohne jegliche Infrastruktur oder spezifische Regelung.
Daher kritisieren die Bewohner, dass die derzeitige Nutzung in der Praxis einem Freizeit- oder temporären Wohngebiet gleicht, wie es für offizielle Wohnmobil-Stellplätze oder Campingplätze typisch ist. Für solche Nutzungen wären jedoch eine spezielle Genehmigung, ein technisches Projekt und minimale sanitäre Voraussetzungen erforderlich – alles Bedingungen, die an diesem Ort nicht gegeben sind.
Beschwerden seit 2022 ohne Konsequenzen
Die Anwohner zeigen sich frustriert, dass ihre schriftlichen Beschwerden und Forderungen bei der Gemeindeverwaltung und in den sozialen Medien seit 2022 keine korrigierenden Maßnahmen der Lokalregierung zur Folge hatten. Zudem verstehen sie nicht, warum nicht andere, geeignetere kommunale Flächen für diese Aktivität genutzt werden, die weiter von sensiblen Wohngebieten und Aparthotels entfernt liegen. Sie warnen auch vor möglichen öffentlich-rechtlichen Haftungsfolgen bei Vorfällen im Gesundheits- oder Sicherheitsbereich.
Gemeinde verweist auf Provisorium und wirtschaftlichen Nutzen
Das regierende Team in San Miguel de Abona erklärt gegenüber unserer Redaktion, dass das Grundstück vorübergehend an den „Asociación de Caravanas de Tenerife“ (Wohnmobil-Verband Teneriffa) vergeben wurde und dass Nutzungsgenehmigungen nur für bestimmte Zeitpunkte wie Ostern, den Sommer oder Weihnachten vorlägen.
Die Gemeinde erinnert zudem daran, dass sie das Gelände der Regionalregierung und dem Inselrat (Cabildo) von Teneriffa für den Bau eines zukünftigen Seniorenheims angeboten habe. Man bestehe nicht nur auf dem vorübergehenden Charakter der aktuellen Nutzung, sondern auch darauf, dass die Nutzung des Geländes unter der Prämisse erfolge, es in optimalem Zustand zu halten. Außerdem verweist die Gemeinde auf die Unterstützung vieler Anwohner der Gegend, die den wirtschaftlichen Nutzen schätzten, den die Wohnmobil-Nutzer durch ihre Einkäufe in den örtlichen Geschäften hinterlassen.

