Polizei-Notstand auf Teneriffa: Granadilla fehlen 70 Beamte – Nachtschichten fallen aus
Granadilla de Abona, eine der größten Gemeinden im Süden Teneriffas, steuert mit einem massiven Personalmangel in der örtlichen Polizei auf den Sommer zu. Die Gewerkschaften CCOO und UGT auf den Kanarischen Inseln sprechen von einer „kritischen“ Sicherheitslage. Bereits jetzt bleibt der Streifenwagen in einigen Nächten komplett in der Garage, weil nicht genügend Beamte für den Nachtdienst zur Verfügung stehen. Und die Befürchtung ist groß, dass sich die Lage in den kommenden Wochen weiter zuspitzt – ausgerechnet dann, wenn die Einwohnerzahl durch Urlauber und Saisonkräfte deutlich ansteigt.
Dramatische Unterbesetzung: 56 Polizisten für 70.000 Menschen
Die Gewerkschaften, die nach eigenen Angaben 78 Prozent der Gemeindebediensteten vertreten, machen keinen Hehl aus der Misere. Offiziell hat Granadilla 58.752 gemeldete Einwohner. Die tatsächliche Zahl, inklusive nicht registrierter Bewohner, wechselnder Gäste und Sommerurlauber, liege jedoch bei rund 70.000 Menschen. Für diese Menge an Menschen und das riesige Gemeindegebiet – mit verstreuten Ortsteilen, dem Flughafen Teneriffa Süd und einem intensiven öffentlichen Leben – sei die aktuelle Personaldecke völlig unzureichend.
Aktuell besteht die gesamte Polizeitruppe aus 56 Beamten. Doch von diesen sind lediglich 43 tatsächlich im Streifendienst einsatzbereit, um den Betrieb rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr zu gewährleisten. Das ist eine Zahl, die weit unter dem liegt, was eigentlich vorgeschrieben ist.
Erlass vorgeschrieben: 129 Polizisten wären nötig
Die Gewerkschaften berufen sich auf das kanarische Dekret 75/2003 zur Koordination der örtlichen Polizeien. Für eine Gemeinde mit der Größe und den Anforderungen Granadillas lege dieses eine Sollstärke von rund 129 Polizeibeamten fest, so die Kritik. Die Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist erschreckend: Es fehlen mehr als 70 Polizisten vor Ort – das ist eine Unterdeckung von über 60 Prozent der erforderlichen Stellen.
Nachtschicht als Sicherheitslücke: Die ganze Region ist betroffen
Besonders brisant ist die Situation in der Nacht. CCOO und UGT weisen darauf hin, dass Granadilla de Abona in der Region als polizeiliche Anlaufstelle für die Nachtstunden fungiert. Die umliegenden Gemeinden haben nachts gar keine lokale Polizei im Dienst. Fällt nun auch in Granadilla der Nachtdienst aus – was bereits mehrfach vorgekommen ist –, sind tausende Anwohner schutzlos. „Dann fehlt die erste Rettungslinie bei Verkehrsunfällen, Nachbarschaftsstreitigkeiten, Fällen häuslicher Gewalt oder jedem anderen Notfall, der ein sofortiges Eingreifen erfordert“, warnen die Gewerkschaften.
Bevölkerung explodiert, Polizei stagniert
Die Schere zwischen Bevölkerungsentwicklung und Personalausstattung klafft immer weiter auseinander. In den letzten 20 Jahren habe sich die Einwohnerzahl des Ortes nahezu verdoppelt. Die Zahl der Polizisten, die tatsächlich auf der Straße patrouillieren, sei dagegen so gut wie gleich geblieben. Dieses Missverhältnis sei nicht länger tragbar, so der Tenor der Gewerkschaften, die nun ein sofortiges Handeln der Gemeindeverwaltung fordern.

