Direktorin springt als Küchenhilfe ein
Eine Gruppe von Schülern der Grundschule CEIP Granadilla auf Teneriffa musste in den letzten Tagen auf ihr Schulessen verzichten. Grund ist ein akuter Personalmangel im Kantinendienst. An dieser Schule muss sogar die Schulleiterin selbst als Aushilfe in der Küche einspringen, damit Hunderte Kinder überhaupt eine Mahlzeit bekommen. Doch dieses Problem ist kein Einzelfall auf den Kanarischen Inseln.
Ein strukturelles Problem in peripheren Regionen
Die Bildungsbehörde der Kanarischen Regierung (Consejería de Educación) räumt ein, dass es sich nicht um isolierte Fälle handelt. Besonders Schulen in Randgebieten seien betroffen. Manuel Peinado, technischer Generalsekretär der Bildungsbehörde, erklärt, dass diese Situation vor allem bei Personal für Kantinen, Reinigung oder Verwaltung häufig auftrete. Bei Lehrkräften sei das Problem weniger ausgeprägt, da diese Stellen begehrter und besser bezahlt seien.
Warum Ersatz so schwer zu finden ist
Im Falle einer Krankmeldung oder freien Stelle versucht die Behörde, Ersatzkräfte zu finden oder Personal aus anderen Schulen zu versetzen. Doch das gestaltet sich oft als unmögliche Aufgabe. „Es gibt Personen, die die Grundsicherung (Ingreso Mínimo Vital) beziehen und diese Hilfe aufgeben müssten, um für fast das gleiche Geld vier Stunden im Süden Teneriffas zu arbeiten. Da ist es schwierig, dass sie zusagen“, so Peinado. In Ballungsgebieten sei die Vertretung relativ einfach zu organisieren, in abgelegenen Regionen wie dem Norden oder Süden Teneriffas und Gran Canarias sowie auf den nicht-hauptstädtischen Inseln werde es äußerst kompliziert.
Betroffene Schulen und der Alltag im Chaos
Neben dem CEIP Granadilla, das den Kantinendienst für Sechstklässler und Nutzer des Schulbusses zwei Tage lang aussetzen musste, sind auch andere Einrichtungen betroffen. Das CEIP Teófilo Pérez in Tegueste kämpft seit 2023 mit ähnlichen Personalengpässen. Auch das Zentrum für Sonderpädagogik (CEE) Hermano Pedro und das CEIP Princesa Tejina melden Probleme.
Die Schulleiterin des CEIP Granadilla, Patricia Corujo, betont zwar die Bemühungen der Behörde, zeigt sich aber besorgt: „Ich weiß, dass das Bildungsministerium überlastet ist, aber ich weiß auch, dass wir Familien einen Service entziehen, den sie brauchen. Wir tun es aus Sicherheitsgründen für die Kleinsten.“
Eltern in „ständiger Unsicherheit“
Die Elternvertretung (AMPA) der Schule spricht von einer „ständigen Unsicherheit“ für die Familien. Die Vorsitzende, Cristina Leal, berichtet, dass man bereits mehrfach auf Einweggeschirr zurückgreifen oder Picknick-Mahlzeiten verteilen musste, weil das Kochen ohne Personal unmöglich war: „Jeder Tag ist ein Rätsel.“
Die AMPA des CEIP Princesa Tejina hat ein Schreiben an verschiedene Abteilungen der Bildungsbehörde verfasst, in dem sie die seit Jahren anhaltenden Personalprobleme anprangert. Sie monieren verspätete oder ausbleibende Vertretungen, die zu einem prekären Dienst führten, der sogar ausgesetzt werden musste. Zudem würden die gesetzlichen Betreuungsschlüssel nicht eingehalten – eigentlich sollte ein Betreuer auf 25 Kindergartenkinder bzw. 35 Grundschüler kommen.
Forderung nach dauerhaften Lösungen
Cleopatra Santos, Vorsitzende der AMPA des CEIP Teófilo Pérez, kritisiert, dass die Schwierigkeiten, Ausfälle zu ersetzen, sich zu einem strukturellen Problem entwickelt hätten. „Eine Köchin mit zwei Hilfskräften kann kein Menü für fast 300 Personen zubereiten.“ Die Familien forderten verlässliche Lösungen und keine kurzfristigen Notlösungen. Ihr Appell ist dramatisch: „Für viele Kinder ist das Mittagessen in der Kantine die einzige vollständige Mahlzeit, die sie am Tag bekommen.“

